Dachverband tagt Mittwoch

Werler Schützen-Fall: Kompromiss in Sicht?

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Mithat Gedik (Mitte) hat am 18. Juli 2014 beim Schützenfest in Werl-Sönnern den Vogel abgeschossen und wird von seinen Schützenbrüdern gefeiert.

[UPDATE 18.45 Uhr] WERL - Ein Muslim als Schützenkönig in Werl-Sönnern - seine geforderte Abberufung schlägt jetzt Wellen bis Berlin. Am Mittwoch tagt der Dachverband der Schützenbruderschaft und berät über den Fall Gedik. Wir haben die Fronten hier auszugsweise gegenübergestellt.

In den Streit um einen muslimischen Schützenkönig in Werl hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) eingeschaltet. In einem Brief an den Geschäftsführer des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS) nennt ADS-Leiterin Christine Lüders die Haltung des Dachverbandes intolerant und diskriminierend. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass der BHDS die Abdankung des muslimischen Schützenkönigs Mithat Gedik fordert, weil er kein Christ ist, wie es die Satzung der Schützenbruderschaft in Werl-Sönnern verlangt.

In dem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, weist Lüders den BHDS auf den Vereinszweck der Schützenbruderschaft in Werl hin, nämlich den "Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit". "Was könnte besser dem Vereinszweck dienen als ein muslimischer Schützenkönig?", fragt Lüders.

Der Pressesprecher des Dachverbandes BHDS verwies am Dienstag auf eine Sondersitzung zum Fall Gedik an diesem Mittwoch. "Die Situation wird beraten und anschließend gibt es ein Ergebnis", sagte Sprecher Rolf F. Nieborg. Er kündigte für Mittwochabend eine Erklärung an.

Minister nennt Haltung antiquiert

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) bezeichnete die ablehnende Haltung des Bundes der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften (BHDS) gegenüber einem muslimischen Schützenkönig als "antiquiert". "Genauso, wie es schon lange möglich ist, dass muslimische Kinder in katholischen Kindergärten aufgenommen werden, muss es möglich sein, in Verbänden wie katholischen Schützenvereinen Muslime aufzunehmen und Schützenkönige werden zu lassen", sagte er. "Alles andere ist genau das Gegenteil von dem, was wir benötigen."

Schneider sagte weiter, er kenne im Rheinland und Westfalen viele Schützenvereine, die sich auch dem christlichen Menschenbild verpflichtet fühlten, wo aber auch Andersgläubige Schützenkönig geworden seien. So gebe es auch muslimische Karnevalsprinzen, obwohl der Karneval einer christlichen Tradition entstamme. Die Realität sei oft viel weiter als manche Satzung. "Ich kann nur hoffen, dass wir eine ernsthafte Diskussion über diesen Unsinn, der da in Werl praktiziert wird, bekommen. Da gibt es wichtigere Themen", sagte Schneider. "Ich weiß auch nicht, ob dieser Vorgang, wenn man ihn ernst nehmen sollte, dazu führt, die Austritte aus der katholischen Kirche zu stoppen", so der Minister.

Bundespräses weist Kritik zurück

BHDS-Bundespräses Robert Kleine wies Schneiders Kritik zurück. Damit werde "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", sagte der Kölner Domdechant (lesen Sie hier das ganze Interview). Es müsse auch konfessionell gebundene Vereine mit religiösem Fundament geben können. Dies habe nichts mit Ausgrenzung zu tun. Das Zeichen der Schützen sei das Kreuz, ihr Schutzpatron ein Heiliger, der vorbildlich als Christ gelebt habe. "Wenn ich den Glauben von Muslimen ernst nehme, kann ich doch nicht erwarten, dass ein muslimischer Schützenbruder etwa das christliche Kreuz ansteckt oder an Fronleichnam hinter dem Allerheiligsten hergeht", sagte Kleine.

Bayern sehen kein Problem

Bayerische Schützenvereine sähen in einem muslimischen Schützenkönig in ihren Reihen unterdessen kein Problem. "In Bayern spielt das gar keine Rolle, welcher Religion oder Ausrichtung jemand angehört", betonte der Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenbundes, Alexander Heidel. Im Gegenteil: "Integration spielt bei den bayerischen Schützen seit jeher eine große Rolle." Anders als in anderen Bundesländern sind unter dem Dach des Bayerischen Sportschützenbundes sowohl Schießsport-Anhänger als auch Schützen zusammengeschlossen, bei denen eher die Traditionspflege im Vordergrund steht.

Ob es in Bayern tatsächlich schon mal einen Schützkönig muslimischen Glaubens gegeben hat, sei ihm nicht bekannt, sagte Heidel. Da aber im bayerischen Schützenbund die Integration von Migranten und Neubürgern traditionell eine große Rolle einnehme, sollte es darüber keine Diskussion gegeben haben. - lnw/KNA

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Quelle: wa.de

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