Urteil nach Attacke im Jobcenter erwartet

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Das Düsseldorfer Landgericht will im Prozess gegen den 52-jährigen Messerstecher am Freitag das Urteil sprechen.

DÜSSELDORF - Sechs Monate ist die tödliche Messerattacke im Jobcenter von Neuss her. Ein 52-Jähriger ist wegen Mordes angeklagt. Am Freitag will das Düsseldorfer Landgericht das Urteil sprechen. Der Angeklagte bat in seinem letzten Wort um Verzeihung - und irritierte zugleich.

Ein halbes Jahr nach der Bluttat im Jobcenter in Neuss soll an diesem Freitag das Urteil gesprochen werden. Die Staatsanwaltschaft hat für den wegen Mordes angeklagten 52-Jährigen eine lebenslange Haftstrafe beantragt, ebenso die Vertreter der Nebenkläger. Die Verteidiger des Mannes werteten die Tötung der Mitarbeiterin dagegen nicht als Mord; sie beantragten in ihren Plädoyers am Donnerstag höchstens 15 Jahre Haft.

Der Angeklagte hat gestanden, seine Sachbearbeiterin im Arbeitsamt erstochen zu haben, weil er vermutete, die Behörde missbrauche seine persönlichen Daten. In seinem letzten Wort bat der Angeklagte die Familie des Opfers um Verzeihung. Die Eltern der Frau, der Ehemann und der elf Jahre alte Sohn sind Nebenkläger in dem Verfahren.

Die Bluttat im September 2012 in Neuss, der Nachbarstadt von Düsseldorf, hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die 32 Jahre alte Sachbearbeiterin war am Vormittag an ihrem Arbeitsplatz erstochen worden. Laut Anklage hatte der 52-Jährige, der kaum Deutsch spricht, zwei 25 und 30 Zentimeter lange Küchenmesser dabei. Er sorgte sich um die Weitergabe seiner Daten und landete zufällig bei der Arbeitsvermittlerin. Er soll auf das sitzende Opfer, das keinen Angriff erwartete, eingestochen haben.

Dem Angeklagten hat ein Gutachter eine unterdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt. Sein verunsicherter Mandant sei mit der Situation völlig überfordert gewesen, betonte Verteidiger Horst Ruthmann. Der aus Marokko stammende Mann habe sich in seiner Ehre verletzt gefühlt. Als der Angeklagte, dem das Plädoyer übersetzt wurde, diese Worte hörte, verlor er kurz die Fassung und schluchzte.

"Das Motiv ist ungeklärt und wird ungeklärt bleiben" sagte Ruthmann. Beide Verteidiger beantragten eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge oder wegen Totschlags. In beiden Fällen wären 15 Jahre die Höchststrafe.

Die letzten Worte des Angeklagten irritierten. Einerseits bat er die Angehörigen des Opfers um Verzeihung. Er sagte aber auch, alles sei "durch Zufall passiert". - dpa

Quelle: wa.de

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