Urteil in Bielefeld

Höchststrafe für Mord mit Horrormaske

+
Den Vergleichstyp einer Horrormaske, welche die Polizei bei einem Tatverdächtigen gefunden hat, wird in Bielefeld bei einer Pressekonferenz gezeigt.

[UPDATE 15.30 Uhr] BIELEFELD - Im Bielefelder Prozess um einen Mord mit Horrormaske hat das Landgericht den 19 Jahre alten Angeklagten zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt.

 

Der junge Mann habe seine 82 Jahre alte Vermieterin im März heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen mit 40 Messerstichen ermordet, urteilten die Richter am Mittwoch. Dabei habe er eine Horrormaske getragen, die später zusammen mit einem Messer in seiner Wohnung gefunden wurde. Daran war Blut des Opfers. Der Mann leugne zwar die Tat, sagte Richter Christoph Meiring, aber - zum Angeklagten gewandt: "Die Indizien sprechen gegen Sie." Dessen Verteidiger kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.

Der Angeklagte Fabian K. (rechts) sitzt im Landgericht in Bielefeld neben seinem Verteidiger Andreas Chlosta.

Gutachter hatten dem jungen Mann Unreife bescheinigt, darum greift das Jugendstrafrecht. Der 19-Jährige, der mit seiner Mutter und seiner Schwester seit Jahren in dem Haus lebt, nahm den Schuldspruch scheinbar regungslos entgegen. Die Gutachter hatten festgestellt, dass der junge Mann an Gefühlstaubheit, der sogenannten Alexithymie leidet. Er könne die eigenen Gefühle nicht wahrnehmen und nicht formulieren. Dennoch sei er voll schuldfähig.

Unklar blieb bis zum Schluss das Motiv. "Es ist ein ganz abscheuliches, grausames Geschehen", sagte Richter Meiring sichtlich bewegt. Er sprach von einem "ungehemmtem Blutrausch" gegen eine ältere, wehrlose Frau in deren eigener Wohnung. "Grauen ergreift einen, wenn man sich den Schrecken der Frau ausmalt."

Es war der Abend des 29. März. Der 19-Jährige war erstmals in seinem Leben mehrere Tage auf sich allein gestellt, Mutter und Schwester waren zur Kur, sagte der Richter. Er sei wohl frustriert gewesen, dass der Arbeiter-Samariter-Bund ihm die Ausbildung zum Rettungssanitäter verwehrte.

Der junge Mann habe sich den Horrorfilm "Saw" angesehen, sagte der Richter. Dann habe er sich die Latexmaske "Justin, der Serienkiller" aufgesetzt, die völlig arglose Frau "mit absolutem Vernichtungswillen" angegriffen und sie mit 40 Stichen so schwer verletzt, dass sie verblutete. Entscheidend sei das Gutachten eines Rechtsmediziners gewesen. Demnach konnten die Blutspritzer und Gewebereste des Opfers, die auf der Rückseite der Kleidung des Mannes waren, nur von Ausholbewegungen mit dem Messer stammen.

Auch der Staatsanwalt hatte zehn Jahre Haft wegen Mordes gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Es gebe kein Motiv. Und der 19-Jährige habe alle Zeit der Welt gehabt, die verräterische Maske und das Messer verschwinden zu lassen.

Lesen Sie dazu auch:

Mord mit Horrormaske - Angeklagter bestreitet die Tat

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare