Immer mehr mobile Zahnärzte in NRW

DORTMUND - Bohren, Füllen, Parodontose behandeln - und das im eigenen Wohnzimmer. Zahnarzt Ralf Schneider aus Dortmund macht das möglich. Er packt seine Praxis in Rollkoffer und Trolleys.

Der Zahn schmerzt, aber der Weg zum Arzt ist für viele Menschen logistisch unmöglich oder sie trauen sich einfach nicht in die Praxis. Pflegebedürftige oder Angstpatienten müssen deshalb nicht auf zahnärztliche Behandlung verzichten. Denn Zahnärzte wie Ralf Schneider aus Dortmund packen ihre Praxis samt Röntgengerät in Koffer und machen das Patienten-Wohnzimmer zur Praxis - Tendenz steigend.

Zwischen Schrankwand, Couch und Blumentapete setzt Zahnarzt Schneider vorsichtig die Spritze für die lokale Betäubung. Mit einer Stirnlampe leuchtet er in den Rachen seiner Patientin, die es sich - so gut es geht - bequem macht. So ein Hausbesuch eines mobilen Zahnarztes ist auch eine Antwort auf den demografischen Wandel. "Immer mehr Menschen schaffen es aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr in meine Praxis", sagt Schneider. "Und deshalb komme ich zu ihnen."

Wie viele mobile Zahnärzte es in Nordrhein-Westfalen gibt, wird statistisch nicht erhoben, heißt es bei den Zahnärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe. Im Land sind mehrere hundert Zahnärzte auf vier Rädern unterwegs.

Zahnarzt Schneider aus Dortmund ist so ein Arzt, der ständig unterwegs ist: "Viele Patienten sind bettlägerig, mobil eingeschränkt. Aber ich komme auch zu Angstpatienten, die sich nicht in eine Praxis trauen", sagt er. "Manchmal muss ich da auch Überzeugungsarbeit leisten." Bohren, Füllungen, Kronen oder Parodontose-Behandlungen - das alles ist im heimischen Wohnzimmer kein Problem. Nur Operationen sind aus Hygiene-Gründen nicht möglich.

Laut Berufsordnung ist so eine mobile Praxis allerdings nur erlaubt, wenn der Arzt auch niedergelassen ist, also eine normale Praxis betreibt. Insgesamt gibt es in NRW etwa 11 000 niedergelassene Zahnärzte, sagen die Sprecher der Zahnärztekammern in NRW.

Klaus Bartling, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, geht von einem neuen Trend aus: "Tatsache ist doch, dass es in der Zukunft im zahnärztlichen Bereich flächendeckende Versorgungskonzepte geben wird und muss." Vor allem Patienten in Pflegeheimen müssten die Hilfe von den mobilen Zahnärzten in Anspruch nehmen. "Diese Menschen gut zu versorgen, ist unser Auftrag als Heilberufler", findet Bartling.

Die Ausrüstung für die Behandlung passt bei mobilen Zahnärzten in den Kofferraum eines Kleinwagens: Sie besteht aus einer mobilen Behandlungseinheit in der Größe eines Trolleys mit Absaugmaschine, Kompressor, Bohrer, Ultraschall und einem mobilem Röntgengerät. In den Fächern eines metallenen Rollkoffers liegen medizinisches Einweg-Besteck, Einmal-Handschuhe, Medikamente, Pasten, Tupfer und Tücher.

Deutschlandweit gibt es nach Auskunft von Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, einige Projekte, die durch ein "hohes Maß an freiwilligem Engagement getragen werden". Der höhere personelle und zeitliche Aufwand der Zahnärzte bei Hausbesuchen müsse sich aber auch in weiteren Zusatzvergütungen niederschlagen. Zudem müsse der ambulanten Versorgung Älterer mehr Beachtung geschenkt werden. Rund zwei Drittel der Pflegebedürftigen würden im häuslichen Umfeld versorgt.

Einige Patienten saßen seit mehreren Jahren nicht auf einem Zahnarzt-Stuhl. "Das ist braches Land, das die Zahnärzte beackern müssen", sagt Oesterreich. Schneider hofft, dass seine Idee Schule macht. "Die älteren Patienten sind so dankbar, das motiviert", sagt Schneider. - lnw

Quelle: wa.de

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