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Tierheim-Mitarbeiterin öffnet Karton: „Uns kommt die Galle hoch“

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Von: Mirjam Ratmann

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Pakete vor einer Tür
Immer wieder werden Tiere einfach in Kartons beim Tierheim abgegeben. (Symbolbild) © Andrey Popov/imago

Beim Tierheim in Bottrop in NRW kam ein verschlossener Karton an. Darin: ein totes Tier. Nur einen Tag später kommt ein zweites Paket: „Inhalt ließ uns erschaudern“.

Bottrop – „Herzlos ausgesetzt – zum Tode verurteilt“ – so überschreiben die Tierfreunde Bottrop, die das Tierheim in der NRW-Stadt im Ruhrgebiet führen, einen Post auf ihrer Facebookseite. Am Montagmorgen hatte eine Frau einer Mitarbeiterin des Tierheims einen verschlossenen Karton übergeben. Den Karton habe sie – oder vielmehr ihr Hund – im Köllnischen Wald im Gebüsch gefunden.

„Schon vor dem Öffnen des recht flachen Kartons hatten wir ein mulmiges Gefühl. Der Inhalt ließ uns erschaudern...“, schreiben die Tierfreunde Bottrop. In dem Karton habe sich eine tote Bartagame befunden. „Sie ist erfroren. Jede Hilfe kam zu spät! Ja, wir haben schon viel gesehen. Aber manchmal kommt uns trotzdem immer noch die Galle hoch“, heißt es in dem Facebook-Post des Tierheims.

Tierheim Bottrop in NRW erschüttert über Karton-Inhalt: „Wir sind entsetzt und traurig“

Bartagamen leben eigentlich in Australien und halten Winterruhe, bei Temperaturen möglichst über 15 Grad. Die Temperaturen, die derzeit in Deutschland herrschen, böten den Tieren keinerlei Chance auf ein Überleben, heißt es beim Tierheim. „Wir sind entsetzt und traurig. Es gibt KEINEN Grund, der es rechtfertigt, sein einst geliebtes Haustier lieblos zu entsorgen.“

Selbst wenn es nicht möglich sei, ein Tier von heute auf morgen in gute Hände abzugeben, sollte sich jeder, der für ein Tier die Verantwortung übernommen hat, darum kümmern, dem Tier einen sicheren Platz zu bieten, schreiben die Tierfreunde weiter.

Silke Hankamer, die den Facebook-Post verfasst hat und sich im Vorstand der Tierfreunde engagiert, ist auch jetzt, zwei Tage später, immer noch erschüttert, wenn man sie am Telefon nach den Ereignissen fragt. „Ich kann nicht verstehen, wie Menschen so etwas machen können.“ Sie glaubt: Es könnte gut sein, dass noch viel mehr Tiere im Wald oder Gebüsch liegen, die aber gar nicht gefunden werden. „Meistens sind es Hundehalter, die uns solche Kartons bringen, weil die Hunde das erschnüffelt haben,“ erklärt sie. Generell wäre es aber schwer, solche Tiere zu finden, wenn man nicht aufmerksam hinschaue.

Gerade in den vergangenen Monaten hätten sich solche Fälle gehäuft. So habe das Tierheim im Sommer, als es so besonders heiß war, gegenüber auf dem Parkplatz einen toten Vogel in einem Karton gefunden. Und auch kurz vor Weihnachten, als sich die Spendenkartons vor dem Tierheim gestapelt hätten, habe eine Kollegin einen toten Kanarienvogel in einem Karton entdeckt, so Hankamer.

Karton im Tierheim Bottrop sorgt für Empörung

Zahlreiche Menschen kommentierten den Post vom Tierheim Bottrop „Wie furchtbar und traurig. Ich verstehe solche Menschen einfach nicht“, so eine Nutzerin. „Unfassbar. Warum sind solche Menschen nur so grausam“ und „Ich bin entsetzt und weine gerade“ kommentieren zwei andere Followerinnen des Tierheims Bottrop in NRW.

Wichtiger Appell aus dem Tierheim Bottrop in NRW

Am nächsten Tag ging es noch weiter. Eine Passantin brachte ebenfalls einen Karton, den sie im Wald gefunden hatte, zum Tierheim. „Darin entdeckten wir ein Meerschweinchen, zum Glück lebt es noch“, berichteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Tierheim Bottrop auf Facebook.

Dem Meerschweinchen gehe es zum Glück gut, berichtet Silke Hankamer. „Da es trächtig ist, müssen wir es erst einmal behalten und werden dann später versuchen es zu vermitteln.“ Eventuell sei die Trächtigkeit des Tieres auch ein Grund dafür gewesen, warum das Tier aufgesetzt wurde.

Ausgesetztes Meerschweinchen in Karton.
In einem zweiten Karton wurde ein Meerschweinchen gefunden. (Symbolbild) © Polizei Vienenburg/dpa

Auf Nachfrage bestätigt Hankamer, dass gerade nach der Hochphase der Corona-Pandemie viele Tierhalterinnen und -halter ihre Tiere wieder loswerden wollten. „Als die Kinder wieder in die Schule gingen und man wieder in den Urlaub fahren konnte, musste das Haustier schnell wieder woanders hin“, glaubt Hankamer. Derzeit würden vor allem viele Kaninchen abgegeben – so viele, dass es inzwischen eine Warteliste gibt. Eine solche gibt es auch für Hunde. „Nur für Katzen haben wir derzeit noch Platz.“ Denn so wie viele Tierheime in Deutschland, hat auch das in Bottrop insgesamt zu wenig Platz, um Tiere aufzunehmen.

Trotzdem hatte Hankamer im Namen des Tierheims Bottrop zum Schluss ihres Postings noch einen wichtigen Appell: „Wir bitten nochmals alle diejenigen, die ihr Tier abgeben müssen/wollen, eindringlich: Bitte setzen Sie Ihre Tiere nicht aus. Bei dieser Witterung überleben sie nicht lange im Freien und müssen eingesperrt einen qualvollen Tod erleiden!“ Nun hofft sie, demnächst wieder etwas Positives posten zu können. Vielleicht dann, wenn das ausgesetzte Meerschweinchen vollkommen aufgepäppelt und bereit zur Vermittlung ist.

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