Misshandlungsvorwürfe in Flüchtlingsheimen

Zahl der Verdächtigen in NRW auf sechs gestiegen

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In einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen sollen Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes Asylbewerber misshandelt haben.

[UPDATE 14.45 Uhr] BURBACH/ESSEN - Nach den Misshandlungsvorwürfen gegen Sicherheitskräfte in einem NRW-Flüchtlingsheim sind weitere Fälle bekanntgeworden. Auch in Essen und Bad Berleburg soll es Übergriffe gegeben haben.

Die Misshandlungsvorwürfe gegen private Sicherheitskräfte in nordrhein-westfälischen Flüchtlingsheimen weiten sich aus. In Burbach im Siegerland wird gegen zwei weitere Sicherheitsmänner ermittelt. Damit ist die Zahl der Verdächtigen dort auf sechs gestiegen.

Mittlerweile habe man anhand ihrer Stimmen die beiden Männer gefunden, die einen Flüchtling gezwungen haben sollen, sich auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen, sagte der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim am Montag. Ein von den Männern aufgenommenes Video hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Von der Vernehmung der beiden Männer erhoffe man sich auch, den Zeitraum eingrenzen zu können, in dem der Vorfall passierte. "Dann können wir hoffentlich auch das Opfer finden und vernehmen", sagte Daheim.

Außerdem hatte die Polizei ein Handyfoto gefunden, auf dem ein Sicherheitsmann einem gefesselt am Boden liegenden Flüchtling einen Fuß in den Nacken stellt. Die laufenden Befragungen der Bewohner in dem Heim hätten bisher "keine weiteren Hinweise auf Exzesse der Sicherheitsleute ergeben", sagte Daheim.

In einer Flüchtlingsunterkunft im siegerländischen Bad Berleburg sollen zwei 30 und 37 Jahre alte Beschäftigte eines Sicherheitsunternehmens einen Bewohner verletzt haben. Gegen sie werde wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, sagte Daheim. Die beiden Männer sollen für eine andere Firma als die Wachleute in Burbach gearbeitet haben. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Auch in Essen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Körperverletzung in einem Flüchtlingsheim. "In den letzten 14 Tagen sind bei uns drei Anzeigen eingegangen", sagte der Sprecher der Essener Polizei, Ulrich Faßbender, am Montag. Die Flüchtlinge hätten angegeben, nach Streitigkeiten geschlagen worden zu sein. Die Ermittlungen dauerten an, zur Zeit liefen Befragungen.

Die Notunterkünfte in Burbach und Essen sind Einrichtungen des Landes. Von dort werden die Flüchtlinge nach der Erstaufnahme auf die Kommunen verteilt. Betrieben werden beide Heime von der Firma European Homecare aus Essen. Das private Unternehmen führt seit 1989 Wohnheime für Asylbewerber und Flüchtlinge. Den Sicherheitsdienst in Burbach und Essen hatte European Homecare nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg dem Nürnberger Unternehmen SKI übertragen. In Burbach engagierte SKI demnach einen weiteren Subunternehmer. SKI sei inzwischen gekündigt, hatte die Bezirksregierung mitgeteilt.

Nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft lässt sich der Einsatz von Privatunternehmen bei der Betreuung von Flüchtlingen nicht vermeiden. "Mit dem vorhandenen Personal geht das nun mal leider nicht immer. Deshalb ist es auch notwendig, mitunter private Unternehmen zu beschäftigen", sagte der Gewerkschaftvorsitzende Rainer Wendt am Montag im Fernsehsender n-tv. Diese müsse man sorgfältig auswählen und genau überwachen. Die Beschäftigung von Subunternehmen müsse vertraglich verboten werden.

Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet machte auch die rot-grüne Landesregierung für die Misshandlungsfälle verantwortlich. "Die Regierung hat die Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen wie das erforderlich wäre", sagte er am Montag vor der Sitzung des CDU-Präsidiums in Berlin. "Was diese privaten Sicherheitsdienste da machen, das erfordert jetzt eine schnelle Aufklärung." - lnw

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Quelle: wa.de

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