Mindestens fünf Geschädigte

Missbrauch in CVJM und Kirche: Tatverdächtiger tot - Aufarbeitung wird fortgesetzt

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Ein Missbrauchsskandal erschüttert Lüdenscheid. Ein Betreuer von Jugendfreizeiten soll mehrere Jungen missbraucht haben. 

In Lüdenscheid ermittelt die Polizei in einem Missbrauchs-Skandal. Am Donnerstag machte die Polizei den Fall öffentlich. Am Freitag erklärte die Polizei, dass der Tatverdächtige tot aufgefunden wurde. 

  • Missbrauchs-Skandal in einem Jugendverband in Lüdenscheid
  • Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen
  • Landeskirche spricht von "bisher nicht bekannter Dimension"

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen innerhalb eines christlichen Jugendverbands in Lüdenscheid. Das teilte die Polizei des Märkischen Kreises in einer kurzen Mitteilung am Mittag mit. Am Freitag teilte die Polizei mit, dass der Tatverdächtige des Strafverfahrens am Donnerstag gegen 18 Uhr durch Angehörige tot in seinem Wohnhaus aufgefunden wurde

"Die bisherigen Ermittlungen deuten auf ein Suizid-Geschehen hin. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung haben sich bislang nicht ergeben", heißt es in der Mitteilung. Ob nun auch das Strafverfahren eingestellt wird, darüber werde in der kommenden Woche entschieden. 

Krisenstab setzt Aufarbeitung trotz des Todes des Tatverdächtigen fort

Derweil hat der Krisenstab des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg mit der Aufarbeitung begonnen. Noch am Donnerstagabend wurden Eltern und Jugendliche in Brügge über die Anschuldigungen informiert. Auch nach dem Tod des Tatverdächtigen will der Krisenstab weiter aufklären, machte der Kirchenkreis in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung bekannt. 

Zwei Anlaufstellen: Unterstützung, Beratung und Seelsorge

Zum jetzigen Zeitpunkt hat der Krisenstab aber schon in den Bereichen Unterstützung, Beratung oder Seelsorge eine Kooperation mit zwei Anlaufstellen eingerichtet. Hier stehen das Märkische Kinderschutzzentrum sowie der Beratungsstelle des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg zur Verfügung: 

  • Märkisches Kinderschutz-Zentrum: Telefon: +49 (0) 2351 / 463915 Mail: info@maerkisches-kinderschutz-zentrum.de 
  • Psychologische Beratungsstelle Lüdenscheid des Diakonischen Werkes: Telefon +49 (0) 23 51 / 39 08 13 Mail beratungsstelle@diakonie-luedenscheid-plettenberg.de

Ansprechpartner für mögliche weitere Betroffene bei der Landeskirche

Sollte es weitere Betroffene geben, bittet der Krisenstab sich bei der Beauftragten für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung zu melden: Daniela Fricke Kirchenrätin Beauftragte der EKvW für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung Landeskirchenamt - Altstädter Kirchplatz 5 - 33602 Bielefeld Telefon: 0521 594-308 E-Mail: daniela.fricke@ekvw.de

Missbrauchs-Verdacht: Betreuer von Jugendfreizeiten soll Jugendliche missbraucht haben

Im Mittelpunkt der Anschuldigungen stand ein Betreuer von Jugendfreizeiten stehen, an der über die Jahre mehrere hundert Kinder und Jugendliche teilgenommen hatten. Die evangelische Landeskirche von Westfalen spricht in dem Fall von "bisher nicht bekannten Dimensionen". 

Missbrauch: Polizei hat eine Ermittlungskommission eingerichtet

Die Vorfälle sollen sich vor fast drei Jahrzehnten abgespielt haben - nach Informationen unserer Zeitung von Mitte der 1980er-Jahre bis zum Jahr 2000. Bisher haben sich fünf Geschädigte bei der Polizei gemeldet. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauern an. Hierfür hatte die Polizei eine Ermittlungskommission eingerichtet.

Evangelischer Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg richtet Krisenstab ein

Der evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg hat ebenfalls einen Krisenstab eingerichtet, um den Vorwürfen nachzugehen. In diesem Zuge sollen weitere Betroffene ausfindig gemacht worden sein. Alle Geschädigte sind Jungen, die zum Zeitpunkt der Übergriffe zwischen 12 und 15 Jahre alt waren. 

Evangelischer Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg äußert sich

Beim Kirchenkreis heißt es dazu: „Mit großer Betroffenheit haben die Ev. Kirchengemeinde Brügge und der CVJM Lüdenscheid West e.V. von den Vorwürfen gegen einen ehrenamtlichen Mitarbeiter erfahren, der in einer Jugendgruppe der Kirchengemeinde und vormals des CVJM Lüdenscheid-West tätig war“. 

Beschuldigter von allen Ämtern entbunden - Hausverbot

Aufgrund der Anschuldigungen wären alle vorliegenden Informationen der Polizei übergeben worden. Der Beschuldigte sei umgehend von allen Ämtern entbunden worden

Die Fürsorgepflicht gegenüber den Anvertrauten und den Mitarbeitern nehme man sehr ernst „Mit den Betroffenen besteht ein enger unterstützender Kontakt. Zum Schutz aller beteiligten Personen sind zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Aussagen möglich“, so Matthias Willnat am Donnerstag.

Hinweis der Redaktion: Wir berichten in der Regel nicht über Suizide, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen eine Ausnahme, wenn es ein berechtigtes öffentliches Interesse besteht, zum Beispiel wenn sich wie in diesem Fall ein Tatverdächtiger in einem Strafverfahren das Leben nimmt. 

Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, z.B, bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

Mit-Autor: Fabian Paffendorf


Quelle: wa.de

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