Täter fand Opfer als Babysitter

„Neue Dimension der Brutalität“: Babysitter missbraucht Kinder in NRW

Ermittler in Köln informieren über neuen Missbrauchskomplex
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Staatsanwaltschaft und Polizei haben über Ermittlungen gegen mehr als 70 Tatverdächtige wegen sexuellen Missbrauchs an Babys und Kleinkindern informiert.

Schockierende Details im neuen Missbrauchskomplex in Wermelskirchen (NRW): Der Täter fand seine Opfer als Babysitter. Ermittler sprechen von einer „neuen Dimension der Brutalität“.

Köln - Der neue Missbrauchskomplex von Wermelskirchen im Bergischen Land (NRW) hat nach Angaben der Ermittler eine Dimension an Brutalität, die die anderer Komplexe übersteigt. Hauptbeschuldigter ist ein 44-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Wermelskirchen.

StadtWermelskirchen
Fläche74,66 km²
Einwohner34.597 (31. Dez. 2020)

Missbrauchsfall in Wermelskirchen/NRW: Täter fand Opfer als Babysitter

Der kinderlose und verheiratete Angestellte habe im Internet seine Dienste als Babysitter angeboten und sich so seinen Opfern nähern können, berichteten die Ermittler am Montag (30. Mai) in Köln. Mit Dutzenden weiteren Männern habe er zudem kinderpornografische Bilder und Videos „unvorstellbarer Brutalität“ getauscht.

„Ich bin erschüttert und fassungslos. Ein solches Ausmaß an menschenverachtender Brutalität und gefühlloser Gleichgültigkeit gegenüber kleinen Kindern, ihren Schmerzen und ihren Schreien ist mir noch nicht begegnet“, sagte Kölns Polizeipräsident Falk Schnabel.

Bislang seien 73 Verdächtige und 33 Opfer identifiziert worden, berichteten die Ermittler. Das jüngste Kind sei einen Monat alt gewesen. Unter den Opfern seien fünf Säuglinge und auch Kinder mit Behinderung. Es seien gewaltige Datenmengen - ein Volumen von 32 Terabyte - mit 3,5 Millionen Bildern und 1,5 Millionen Videos sichergestellt worden.

Missbrauchsfall in Wermelskirchen/NRW: Ermittler sind schockiert

Die Gewaltfantasien, die dabei verwirklicht worden seien, hätten auch erfahrene Ermittler in dem Bereich entsetzt. Gefunden wurden „brutalste Vergewaltigungen von Babys und Kleinkindern“. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass die Kinder in einigen Fällen dafür betäubt worden seien. Es sei möglich, dass sich die Zahl der Missbrauchsopfer weiter erhöhe. Bislang sei erst zehn Prozent der Datenmenge ausgewertet.

„Ich bin erschüttert und fassungslos“: Falk Schnabel (links), Polizeipräsident von Köln, sprach über Ermittlungen gegen mehr als 70 Tatverdächtige wegen sexuellen Missbrauchs an Babys und Kleinkindern.

„Bitte ersparen Sie mir Schilderungen dessen, was ich gesehen habe“, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Roth sichtlich gequält. „Das, was ich gesehen habe, hat mich bis ins Mark erschüttert.“ Dennoch hätten die Eltern der Kinder in keinem Fall Verdacht geschöpft, berichteten die Ermittler. Auch einige Opfer seien völlig überrascht gewesen von der Nachricht der Polizei, dass sie vor Jahren im Kleinkindalter Opfer schwersten Missbrauchs geworden seien. Ihnen sei Hilfe angeboten worden.

Missbrauchsfall in Wermelskirchen/NRW: Täter nicht vorbestraft

Der nicht vorbestrafte Babysitter soll im Großraum Köln selbst zwölf Kinder - zehn Jungen und zwei Mädchen - missbraucht haben. Die Taten reichten bis ins Jahr 2005 zurück. Um Zugriff auf die unverschlüsselten Daten des 44-Jährigen zu bekommen, hätten Spezialkräfte ihn im vergangenen Dezember am eingeschalteten Rechner während einer Videokonferenz mit Arbeitskollegen überwältigt.

Diese hätten ihrerseits den Notruf 110 gewählt, weil sie glaubten, Zeugen eines Überfalls zu werden. Die Sicherung der gesamten Datenmenge von 232 Datenträgern vor Ort habe dann 17 Tage gedauert. Eine besondere „Aufbauorganisation“ namens „Liste“ sichtet nun die gewaltigen Datenmengen. Der Name ist dem Umstand geschuldet, dass der Verdächtige sein Kinderpornografie-Archiv in Listen unterteilt habe - wohl um nicht den Überblick zu verlieren. Er habe die Taten weitgehend eingeräumt.

Missbrauchsfall in Wermelskirchen/NRW: Weitere Verdächtige sind Väter, Nachbarn, Bekannte

Derzeit werde geprüft, ob er in Sicherungsverwahrung genommen werden könne. Ein psychiatrisches Gutachten sei ebenfalls in Auftrag gegeben worden. Bei den übrigen Verdächtigen handele es sich um Väter, Nachbarn, Bekannte, Brüder oder Großväter der Opfer.

Der Schwerpunkt liege mit 26 Verfahren in NRW, gefolgt von Thüringen (6), Brandenburg (5), Schleswig-Holstein (5) und Niedersachsen (5). Mit Ausnahme von Bremen und dem Saarland sind alle anderen Bundesländer ebenfalls betroffen. Ein Verfahren sei nach Österreich abgegeben worden. Die meisten Verdächtigen seien in einem Alter zwischen 26 und 45 Jahren.

Auf die Schliche gekommen sei man dem Wermelskirchener im vergangenen November durch Ermittlungen gegen einen seiner Chat-Partner in Berlin. Bis zum Zugriff mit einem Haftbefehl des Kölner Amtsgerichts seien seine Telefone abgehört worden.

Missbrauchsfall in Wermelskirchen/NRW - Reul: „Eines Tages stehen wir vor Eurer Tür“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Montag in Düsseldorf: „Ich kann allen Pädophilen nur sagen: Wir kriegen Euch! Vielleicht nicht heute, aber eines Tages stehen wir vor Eurer Tür. Lügde, Bergisch Gladbach, Münster und jetzt Wermelskirchen“, sagte Reul. Er fügte hinzu: „Man kann bei diesen Taten manchmal den Glauben an die Menschheit verlieren.“ - dpa

Ein Kleinflugzeug aus NRW ist in Kroatien vom Radar verschwunden und abgestürzt. Der Pilot und drei weitere Insassen kamen ums Leben. 

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