Mini-Kicker in Topform auf der „Intermodellbau“

+
Die Modellbaufreunde Friedrich Scholta (links) und Dietmar Städler zeigen in Dortmund ihr Stadion. ▪

DORTMUND ▪ Von Holger Drechsel ▪ Mehr als 30 Monate fitzeligster Kleinarbeit. Rund zehntausend Euro Kosten. Ungezählte Stunden Internet-Recherche und Papierkrieg. Wie fußballverrückt muss einer sein, der sich sein eigenes kleines Stadion baut? Mit sauber gemähtem Rasen, proppevollen Zuschauerrängen und allem Pipapo – exakt im Maßstab 1:220? Wie sehr muss so einer diesem Sport verfallen sein? „Gar nicht“, sagt Friedrich Scholta, „ich bin kein Fußballfan“. Ja, aber warum baut man sich dann ein Stadion? „Weil es so etwas noch nicht gab“, sagt der 44-jährige Kölner. Ein Modellbauer betritt eben gerne Neuland.

Dabei war die Ausgangsidee noch eine Nummer kleiner. Bei seinen Modellbaufreunden aus Untereschbach bei Köln dachte man zunächst an einen simplen Ascheplatz. „Doch bei jedem Treffen hatte jemand eine neue Idee“, erzählt Scholta. Das Projekt wuchs – der Aufwand auch.

Beispiel Zuschauer: Gut 11 000 bevölkern die Tribünen, jeder Fan ist nur daumennagelgroß, aber akribisch bemalt und mit Accessoires versehen. Wer macht so etwas? Gut 700 Zuschauer gestaltete Scholta selbst in seinem Hobbykeller. Einen weit größeren Teil ließ er – nach langer Recherche im Internet – in China anfertigen. Und für weitere 1000 Fans holte er sich den „Trafofuchs“ ins Boot. Hinter dem Künstlernamen steckt Birgit Brock aus Kerpen. Die ehemalige Heilpraktikerin hat sich auf das kunstvolle Gestalten winziger Figuren spezialisiert. „Ich lebe heute vom Bemalen von Ameisen“, sagt sie. Ihr Kundenstamm: „Verzweifelte Modellbauer, die sonst nirgendwo fündig werden.“ Einer ihrer Stars im Stadion ist Norbert Dickel, Stadionsprecher bei Borussia Dortmund, der trotz seiner 8,5 Millimeter Größe gut zu erkennen ist. Für den Fan jedenfalls.

Und der Fan kann noch viel mehr entdecken: Eine Anzeigetafel, auf der Fußballvideos laufen. Werbebanden, auf denen Scholta Händler verewigt hat, die ihm günstige Preise machten. Dort eine Gruppe prügelnder Fans. Da ein Fan im Baum. Blitzlichtgewitter und echte Stadion-Klänge, die ein Modellbaufreund im Kölner Stadion aufnahm.

Optisch findet man allerdings nichts von Köln im Stadion, und auch der BVB fristet nur ein verschämtes Nischendasein. Woran die Dortmunder selbst Schuld sind. Scholta hatte wegen markenrechtlicher Bedenken alle Bundesliga-Vereine angeschrieben. Nur die Bayern, der HSV und Stuttgart antworteten und gaben ihre Zustimmung für Fahnen auf den Rängen und mit Vereinsinsignien bedruckte Mannschaftsbusse. Jeweils 50 Busse durfte Scholta verkaufen und so den Stadionpreis senken. Wobei: Der Modellbauer wird noch ein paar Geld-Ideen haben müssen, denn bald will er sein Stadion ausbauen. Die Haupttribüne wird aufgestockt, ein Teil wird überdacht, VIP-Logen sind auch geplant. Der moderne Fußball ist eben auch im Modellbau nicht aufzuhalten.

Das Stadion findet man in der Westfalenhalle 4, Stand 4.H34

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare