Wetterwarnungen aufgehoben

Bahn meldet verheerende Schäden am Schienennetz

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Ein Bagger entfernt einen Baumstamm, der in Düsseldorf auf die Oberleitung und die Gleise einer Strassenbahntrasse gestürzt ist.

[UPDATE 14.30 Uhr] DÜSSELDORF/WESTFALEN - Nach den schwersten Gewittern seit Jahren in NRW mit sechs Toten bleibt der Bahnverkehr in weiten Landesteilen gestört; es werden immense Schäden an den Trassen gemeldet.

Hier finden Sie alle aktuellen Bahn-Störungen in NRW.

Die Sturmschäden am Schienennetz in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Deutschen Bahn noch schlimmer als zunächst befürchtet. "Die Situation etwa um Essen und Dortmund ist verheerend", sagte eine Bahnsprecherin. Die Schäden seien noch größer als beim Orkan "Kyrill" 2007. Um das Ausmaß abzuschätzen, würden die Strecken inzwischen mit Hubschraubern der Bundespolizei abgeflogen. Anders sei es nicht möglich, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Zahl der blockierten Strecken sei trotz Hilfe aus anderen Bundesländern unverändert. 16 evakuierte Züge steckten am Mittwoch noch auf offener Strecke fest.

Ein geregelter Bahnverkehr sei unverändert noch nicht möglich. Große Bahnhöfe wie Düsseldorf und Essen sind weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten. Obwohl tausende DB-Mitarbeiter mit großem persönlichen Einsatz an einer Normalisierung der Lage arbeiten, sei noch nicht absehbar, wann die Züge wieder fahrplanmäßig verkehren.

Derzeit sind fünf Reparaturzüge mit Hebebühnen im Einsatz, um die Strecken wieder flott zu bekommen. Mancherorts reiht sich nach Angaben der Bahn allerdings ein Oberleitungsschaden an den nächsten.

Die Bahn verstärkte ihre kostenlose Hotline (Tel. 08000-99-66-33). Am Dienstag gab es mehr als 40.000 Anrufe in wenigen Stunden. Es sei ausgesprochen schwierig, verlässliche Prognosen und Reiseinformationen zu geben, so die Bahn. Die Bahn informiert hier auf ihrer Internetseite über den aktuellen Stand der Sperrungen.

Ein Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn kritisierte, die Information funktioniere immer noch nicht. "Es werden Fernzüge angezeigt, die längst von der Strecke genommen worden sind. Wenn das entschieden wurde, muss sich das aber auch irgendwo wiederfinden." Der Sprecher räumte ein, dass die Situation in NRW außergewöhnlich sei.

Im Fernverkehr endeten Züge am Mittwoch weiterhin vorzeitig in Köln, Hamm und Münster, ohne ins Ruhrgebiet weiterzufahren. Mehrere Regionalzugverbindungen und S-Bahnen fallen komplett aus. Andere Linien werden nur teilweise befahren. Stellenweise fahren Busse als Ersatz. Die Bahn verteilt Taxi-Gutscheine.

Auf den Autobahnen Nordrhein-Westfalens hat sich die Lage laut Polizei beruhigt.

Wetterwarnungen aufgehoben

Nach dem Durchzug von Gewittern am frühen Mittwochmorgen hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwochvormittag teilweise bis in die Mittagsstunden des Mittwochs hinein vor möglichen schweren Gewittern in Westfalen gewarnt. Inzwischen wurden diese Warnungen aufgehoben. 

Stadt Werl von zweitem Unwetter getroffen

Die Nacht zum Mittwoch brachte eine zweite Unwetterfront in Folge mit Gewittern, Starkregen und Hagelschauern. Die Schäden blieben aber örtlich begrenzt. Die größte Regenmenge meldete der Deutsche Wetterdienst aus Alsdorf bei Aachen, dort fielen in 24 Stunden 53 Liter pro Quadratmeter. Ebenfalls stark betroffen war das Sauerland. Auf dem Kahlen Asten wurden 38 Liter registriert, in Schmallenberg an der Grenze zu Hessen 28 Liter. Im östlichen Ruhrgebiet fielen 13 bis 16 Liter pro Quadratmeter. Die Stadt Werl wurde indes kräftiger getroffen - hier war die Feuerwehr im Dauereinsatz.

 

Rückblick auf die Unwetter am Montagabend:

Zeit zum Durchpusten, denn bei dem heftigsten Unwetter seit Kyrill waren in der Nacht zu Dienstag in NRW sechs Menschen ums Leben gekommen. Blitze, Donner, Sturm und sintflutartige Regenschauer schlugen am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag eine Schneise der Verwüstung in viele Städte vor allem an Rhein und Ruhr.

Die ganze Nacht über heulten Feuerwehr- und Polizeisirenen auf. Am Morgen kämpften sich Arbeiter mit Motorsägen durch dicke Äste umgestürzter Bäume. Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft war vielerorts unterbrochen. Im Berufsverkehr entstanden Staus von bis zu 30 Kilometern Länge.

Ein tragisches Unglück ereignete sich in Düsseldorf. Dort stürzte eine große Pappel auf ein Gartenhaus, in dem mehrere Menschen Zuflucht gesucht hatten. Zwei Männer im Alter von 56 und 53 Jahren sowie eine 52 Jahre alte Frau verloren ihr Leben, wie die Polizei berichtete.

Feuerwehrleute konnten aus den Trümmern des Gartenhauses sechs weitere Menschen befreien. Sie mussten verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. In Krefeld zerstörte ein umgestürzter Baum eine Stromleitung. Ein 28 Jahre alter Radfahrer wurde von dem Baum erfasst und begraben, wie die Polizei berichtete. Vermutlich sei er an einem Stromschlag gestorben.

Fotostrecke: Unwetter wütet in NRW

Schweres Unwetter wütet über NRW

In Köln wurde am Montagabend ein Mann nach Polizeiangaben von einem Baum erschlagen. Vermutlich durch einen Blitzeinschlag war eine etwa 20 Meter hohe Buche durchgebrochen. Sie stürzte auf die Fahrbahn und traf den Radfahrer.

In Essen starb ein Mann während Aufräumarbeiten. Er hatte nach Informationen der Polizei versucht, Gegenstände von der Fahrbahn zu räumen. Dabei brach er plötzlich zusammen. Zu der medizinischen Ursache konnten keine Angaben gemacht werden.

Die Bilanz der Landespolizei: "In der Intensität war es außergewöhnlich", sagte ein Sprecher des Lagezentrums. Insgesamt musste die Polizei in NRW in der Nacht zu fast 5000 Einsätzen ausrücken, resümierte die Landesleitstelle.

Überflutete Straßen und zahlreiche umgestürzte Bäume machten ihnen zu schaffen. Zu den sechs Todesopfern kommen 30 schwer verletzte und 37 leicht verletzte Menschen.

Die Polizei in Duisburg meldete Sachschäden in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro im Stadtgebiet. Allein in Düsseldorf waren bis 6.00 Uhr 1200 Einsätze aufgenommen worden. Die Landeshauptstadt wurde so schwer getroffen, dass Feuerwehren aus anderen Städten und Kreisen den Kollegen zu Hilfe eilten, unter anderem aus Köln, Heinsberg, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.

Nach dem Unwetter wird in der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen ein kleiner Pandabär vermisst. Die Anlage der Tiere war vollständig zerstört worden. Während ein Weibchen wieder eingefangen werden konnte, blieb die Suche nach dem Männchen bis zum Dienstagnachmittag erfolglos.

Kleine Panda seien nicht gefährlich, versicherte der Zoo. Dem wiedergefundenen Panda-Mädchen gehe es den Umständen entsprechend. "Sie ist sehr verschreckt, wird medizinisch versorgt und darf sich in der Veterinärstation ausruhen", teilte der Zoo mit. Wegen der Sturmschäden bleibt die Zoom-Erlebniswelt zunächst geschlossen.

Das Unwetter war nach Einschätzung von Wetterexperten in dem bevölkerungsreichsten Bundesland vermutlich das stärkste seit Kyrill. Die Schwere des sommerlichen Unwetters mit Starkregen und Hagel, das wie eine Walze über das Bundesland rollte, lag vor allem an den hohen Windgeschwindigkeiten.

Am Düsseldorfer Flughafen seien fast 145 Stundenkilometer gemessen worden, in Neuss 133 und in Castrop-Rauxel 124 Stundenkilometer. "Das sind alles Orkanstärken", sagte Meteorologe Lars Dahlstrom von der Meteogroup in Bochum.

"Im Sommer reichen schon 90 km/h, um Bäume umzuknicken, weil sie viel Laub tragen", erläuterte der Meteorologe. Und die brisante Wetterlage in Nordrhein-Westfalen dauert noch an. "Eine Entwarnung gibt es nicht", berichtete der Deutsche Wetterdienst am Dienstag.

In weiten Teilen von NRW seien bei Temperaturen um 30 Grad bis zum Mittwochmorgen immer wieder heftige Gewitter mit Orkanböen, heftigem Regen und Hagel möglich.

Die Folgen des Unwetters von Montagabend werden Nordrhein-Westfalen noch eine Weile beschäftigen. Die Aufräumarbeiten an Straßen und Bahnstrecken könnten noch einige Wochen dauern, teilte der Landesbetrieb Straßen.NRW mit.

Allein auf der A 52 bei Essen waren etwa 150 Bäume auf die Fahrbahn gestürzt. Auch die Räumarbeiten auf der A 40 bei Mülheim dauerten bis mindestens Dienstagabend, sagte Sprecher Bernd Löchter. - dpa/WA

Quelle: wa.de

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