Metalldiebe gehen immer dreister vor

KÖLN - Metalldiebe in NRW gehen immer dreister ans Werk. Die neueste Masche: Sie bauen aus Kühlschränken, die zur Entsorgung an der Straße stehen, in aller Seelenruhe die Kupfer-Aggregate aus. Fünf bis sechs Euro pro Kilo kriegen sie dafür.

Sie klauen Kupferkabel, Kinderspielgeräte, kilometerweise Bahn-Schienen und Kunstwerke in Parks: Metalldiebe werden immer erfindungsreicher, wenn es darum geht, mit dem Rohstoff Geld zu verdienen. In Bonn entwendeten Unbekannte gerade 40 Gullydeckel, in Düsseldorf deckten sie auf einem Friedhof das halbe Kupferblechdach eines niederländischen Ehrenmals ab. Hintergrund des offenbar florierenden Geschäfts sind die weltweit gestiegenen Rohstoffpreise für Metalle.

"Von Einzeltätern bis hin zu einer strukturierten Bande, die da am Werk ist, ist alles denkbar", sagt Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Düsseldorf. Den Tätern auf die Spur zu kommen, sei jedoch nicht einfach. "Vielerorts rücken sie am helllichten Tag in entsprechender Arbeitsmontur an und beginnen in Seelenruhe mit dem Rückbau von frei zugänglichen Dingen." Dass die Ware in Deutschland abgesetzt wird, glaubt man bei der Behörde nicht. Das Metall gelange in Länder östlich und westlich der Bundesrepublik, sagt Scheulen. "Die Bestimmungen bei uns sind sehr streng."

Dem Kölner Metallhändler Robert Rothenbücher sind schon öfter auffällige Güter wie Grableuchten von Friedhöfen oder Bronzestatuen angeboten worden. Mit 40 Gullydeckeln im Kofferraum ist bei ihm allerdings noch niemand vorgefahren. "Das wäre schon sehr auffällig, wenn ein Privatmann damit kommen würde", sagt der Händler. Annehmen würde er die Eisendeckel nur von der Stadt. Und auch nur dann, wenn ein offizieller Verschrottungsnachweis vorliegt. "Zudem gilt in Deutschland eine Registrierungs- und Ausweispflicht für die Verkäufer. Bei der Vermutung auf Diebesgut informieren wir gleich die Polizei."

Abnehmer - ob in der Bundesrepublik oder den Nachbarländern - scheint es dennoch genug zu geben: Das LKA erfasste im vergangenen Jahr knapp 3900 Metalldiebstähle in NRW. In rund 400 dieser Fälle betrug die Beute mehr als 10 000 Euro, oder das Diebesgut überschritt eine Menge von 7,5 Tonnen - das kommt unter anderem vor, wenn gleich ganze Sattelauflieger leergeräumt werden. Die Tendenz in diesem Bereich steigt seit 2009, Schwerpunkte sieht die Behörde im Ruhrgebiet und im Rheinland. Dass die Diebe die Ware selbst einschmelzen, gilt aber als unwahrscheinlich. "Öfen, die die nötige Hitze erzeugen, gibt es nur in großen Stahlwerken", sagt auch Rohstoffhändler Rothenbücher.

Für Mischschrott, darunter fällt auch das Eisen der Gullydeckel, gibt es momentan auf dem Markt 20 Cent pro Kilo. Bei einem Gewicht von 15 Kilogramm macht das gerade mal drei Euro pro Stück. Weithaus höher sind die Erlöse für Kupfer. Zwischen fünf und sechs Euro ist ein Kilo wert, je nach Reinheit.

Das nutzen die Diebe aus und haben sich offenbar eine neue Masche ausgedacht: Immer häufiger, so fällt es Polizei und Entsorgungsfirmen auf, werden aus Kühlschränken, die zur Abholung an der Straße stehen, die kupferhaltigen Kühl-Aggregate oder Kompressoren ausgebaut. "Unsere Leute finden ständig zerlegte Geräte, aus denen dann die Kühlflüssigkeit auf den Bürgersteig läuft", sagt Norbert Krenz von einer Bonner Entsorgungsfirma. Einen Schaden von 50 000 bis 60 000 Euro habe das Unternehmen im vergangenen Jahr erlitten, weil Elektrogeräte zur Abholung angemeldet, aber nicht nicht mehr anzutreffen oder komplett demontiert waren, beklagt Krenz. "Ich bin gespannt, was die Diebe sich als nächstes ausdenken."

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Verwendung weltweit, usage worldwide

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare