Kampf um Kunden: Mehrere Factory-Outlet-Center geplant

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Jährlich kommen etwa vier Millionen Besucher in das Designer-Outlet im niederländischen Roermond.

Mehrere Factory-Outlet-Center (FOC) sind in NRW geplant / Die Landesregierung will sie per Gesetz verhindern

Mit Architekten bastelt Lomper als Projektmanager am neuen Shopping-Dorf „Douvil“, das im Duisburger Norden entstehen soll.

125 Millionen Euro wollen holländische Investoren in das Projekt stecken, um kaufkräftige Kunden aus Nordrhein-Westfalen und Umgebung zu locken. Sollten die Behörden grünes Licht geben, könnten schon Ende des Jahres die Bagger anrücken.
Nicht nur in Duisburg regt sich Protest. Auch in Werl, Remscheid und Bad Münstereifel sowie in Grafschaft an der rheinland-pfälzischen Landesgrenze entwerfen Fachplaner am Reißbrett neue Shopping-Städte oder haben das bereits getan. Nach Vorbild aus den USA bringen Hersteller in Factory-Outlet-Centern (FOC) ihre Artikel mit großen Rabatten an den Kunden. Denn auch mit Musterteilen, B-Ware mit kleinen Schönheitsfehlern und Restposten aus der Vorsaison lässt sich noch ein Geschäft machen.
Als „Frontalangriffe auf die Lebensfähigkeit unserer Innenstädte“ sieht die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet die Shopping-Dörfer. Wie ein „Kaufkraft-Staubsauger“ würde etwa das am Autobahnkreuz Werl geplante FOC den Einzelhändlern aus umliegenden Städten die Kundschaft wegnehmen. Verödende Innenstädte, ein Verdrängungswettbewerb, sinkende Umsätze im örtlichen Handel und Arbeitslosigkeit wären die Folge, fürchten die Gegner.
Outlets auf grüner Wiese gesetzlich verhindern
Denn FOC ziehen nicht nur Schnäppchenjäger an, sondern locken Kunden, die sonst ins Fachgeschäft oder ins Kaufhaus gegangen wären, meinen Kritiker. „Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden“, sagt Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD). „Jede neue Einzelhandelseinrichtung steht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Einkaufsmöglichkeiten.“ Deshalb müsse die Regierung per Gesetz verhindern, dass Outlets auf der grünen Wiese „den Innenstädten das Wasser abgraben“. Stattdessen sollen sie in Stadt- und Ortsteilzentren entstehen. Erst dann würden auch die Innenstädte samt Einzelhandel und Gastronomie von den Kunden profitieren.
Doch bis ein Landesentwicklungsplan die Lage neuer Outlets regelt, könne wegen langer Beratungsprozesse etwa ein Jahr vergehen, sagt die Vizefraktionschefin der Grünen, Daniela Schneckenburger. Derweil basteln Duisburg, Werl, Remscheid und Bad Münstereifel unter dem Protest von Nachbarkommunen weiter an ihren Plänen.
„In NRW haben wir eine sehr spezifische Situation“ sagt Michael Nadler, Professor an der Technischen Universität Dortmund. Denn es gebe eine Gesetzeslücke, dank derer die Kommunen auch außerhalb der Innenstädte Outlets bauen könnten. „Die meisten Outlets haben mit integrierter Lage innerhalb einer Stadt überhaupt nichts zu tun“, sagt der Raumplaner Nadler. Einen Kabinettsentwurf gibt es zwar schon, der die FOC näher an die Städte zwingen würde, aber bis dahin ließen sich Shopping-Dörfer noch vor Gericht durchsetzen.
„Die Zeit drängt“, sagt die Grünen-Abgeordnete Schneckenburger. „Wenn die vier Center mal da sind, ist der Markt in NRW absolut gesättigt“, meint Nadler. „Danach brauchen sie sowieso keine großartige Regelung mehr, dann ist der Zug schon abgefahren.“
Neue Arbeitsplätze und mehr Tourismus versprechen die FOC-Planer den Regionen in ihren Broschüren. Nadler bleibt skeptisch: „Die touristischen Effekte sind gleich Null. Die Menschen fahren mit dem Auto an, kaufen ein und fahren wieder weg.“ Die neuen Arbeitsplätze lägen meist im Niedriglohnsektor, außerdem würden in den umliegenden Städten Stellen im Einzelhandel wegfallen – eine reine Umverteilung.
Wird Nordrhein-Westfalen ohne Outlets das große Geschäft verpassen? „Es wird Kaufkraft aus NRW abfließen“, vermutet Joachim Will, der Kommunen bei der Outlet-Ansiedlung berät. „Das können Sie jeden Sonntag beim Stau in Richtung Roermond erleben.“ Sieben Tage die Woche lockt dort kurz hinter der niederländischen Grenze ein FOC kaufkräftige Kundschaft auch aus Deutschland. - Johannes Schmitt-Tegge

Quelle: wa.de

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