Mehr als 60 000 beim Day Of Song auf Schalke

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Gut gefüllt: Die Arena auf Schalke in Gelsenkirchen beim Abschlußkonzert von „!Sing - Day of Song“.

Von Ralf Stiftel ▪ GELSENKIRCHEN–Ja, auch ich habe mitgesungen beim „Steigerlied“, beim „Hejo“-Kanon und beim „Hallelujah“. Es war ein gewaltiges Gefühl, die Stimme zu vereinen mit denen von mehr als 60 000 anderen Menschen, die sich auf Schalke getroffen hatten zum Abschluss von „!Sing – Day of Song“. Wo sich sonst 22 Kicker auf dem Grün verlieren, da saßen nun 8000 Sänger. Von den Hagener Volmespatzen, vom Frauenchor Overberge, vom Schulchor Sept Akkord des Ernst-Barlach-Gymnasiums Unna, vom Aalto-Theater Essen. Aber am Samstag gab es auch auf den Rängen keine Zuhörer. Alle sollten ihren Einsatz haben.

Wieder zielt ein Projekt der Kulturhauptstadt auf die Masse. Aber der Initiator, Dirigent der Bochumer Symphoniker und Direktor des Bereichs „Stadt der Künste“, Steven Sloane, knüpft an gute Traditionen an, an die Gesangvereine, in denen sich Arbeiter im 19. Jahrhundert zusammenfanden. Oliver Scheytt, Geschäftsführer von Ruhr2010, sprach von der Nazizeit, durch die das Singen diskreditiert sei, und dass man das ändern wolle. Der ursprünglich geplante Tag wuchs zu einem dreitägigen revierweiten Happening aus. Der Abschluss war ein Hammer. „Jeder kann ein Konzert mit berühmten Sängern einkaufen“, sagt Scheytt. „aber hier singen viele. Wir wollen zeigen, was wir zu leisten imstande sind.“

Ein wenig Prominenz war dann doch dabei. Der US-Jazzsänger Bobby McFerrin leitete das Publikum an, eine Rhythmusfigur zu singen, über der er improvisierte. Die Kölner A-Capella-Gruppe Wise Guys zeigte sich souverän bei der Animation des Publikums. Mezzo-Sopran Vesselina Kasarova warnt als Carmen mit den Massen den unvorsichtig Liebenden.

Aber diesmal feierte sich die Masse hemmungslos selbst. Schon bevor es überhaupt losgegangen war, brandeten im Spielfeld-Chor La-Ola-Wellen auf, die schließlich auch auf den Rängen das Stadion umrundeten. Fähnchen wurden geschwungen, getanzt, selbst Schlachtenbummler-Choräle gebrummt: „Oh, ohohoh ooh-oh!“ Die Macher wagten sich gar an Klassisches wie den Schlusssatz von Beethovens 9. Sinfonie. Das klappte sogar. Am Ende lobte Steven Sloane den „großartigen“ Klang. Zuvor hatte er bei Händels „Hallelujah“ noch einmal abgeklopft: „Das können wir noch besser!“ So richtig gut mag es sich in der Mitte angehört haben. Auf den Rängen aber wackelte zum Beispiel Schuberts „Lindenbaum“ ganz schön. Das Repertoire war von der Night of the Proms inspiriert, eine bunte Mischung, Hauptsache populär. Die mehr als 60 000 feierten eine Mischung aus Kirchentag, Ferienlager-Animation und Stadionfest, samt einigen Vuvuzelas. Hier geht es nicht um Höchstleistungen, sondern um Breitengesang. Jeder kann singen, sagt Sloane. Und dass die Leute zu viel reden und zu wenig singen. Auf Schalke war das umgekehrt.

Alle Beteiligten waren begeistert, von mehreren Seiten wurde eine Fortsetzung ins Spiel gebracht, am besten jährlich. „Wir wissen ja jetzt, wie es geht“, sagte Projektleiterin Benedikte Baumann. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer von Ruhr2010, bekannte zuerst: „Mir gehen die Superlative aus.“ Dann schlug er ein weiteres musikalisches Spektakel für Schalke vor: „Das war die allerbeste Bewerbung für den nächsten Eurovision Song Contest!“

Quelle: wa.de

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