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Mann weiß nichts von Rückruf: Silvester-Rakete explodiert sofort - Fingerkuppen weg

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Von: Olaf Moos

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Lüdenscheid - David Boehm (34) wollte das neue Jahr begrüßen wie Millionen andere auch. Doch eine defekte Silvesterrakete verwandelte die fröhliche Party in einen Albtraum.

Der Hersteller der Rakete, die David Boehm und seine Lebensgefährtin Sabine Stockhaus zusammen mit anderen eingetüteten Knallern gekauft hatten, veröffentlichte Anfang Dezember einen Rückruf für drei seiner Produkte. Doch davon hatten die Lüdenscheider nach eigenen Aussagen nichts mitbekommen. 

Boehm: "Die Dinger kamen von einer namhaften Firma, und wir haben darauf vertraut, dass sie einwandfrei funktionieren."

Deshalb schöpfte der Arbeiter, der auch ehrenamtlich beim Roten Kreuz in Brügge mitwirkt und sich zum Rettungshelfer ausbilden lassen möchte, keinen Verdacht. "Um Mitternacht haben wir angestoßen und vor der Haustür angefangen, unser Zeug abzubrennen." 

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Für den Lüdenscheider David Boehm begann das Jahr mit einer offensichtlich defekten Silvesterrakete - und einer schweren Verletzung seiner rechten Hand. © Olaf Moos

Für 24 Euro hatten sie eingekauft, sagt Sabine Stockhaus. Die Ballerei war in wenigen Minuten beendet. "Als David die letzte unserer Raketen in die Sektflasche steckte und anzündete, passierte es."

Für nur 24 Euro eingekauft

Der 34-Jährige erinnert sich in allen Details an das Unglück. "Mit Rechts habe ich die Rakete festgehalten, damit sie in der Flasche nicht umkippt, mit Links habe ich sie angezündet. Die Lunte brannte in Millisekunden ab." 

Er habe geistesgegenwärtig noch das Gesicht weggedreht, blitzschnell, um die Augen zu schützen - da explodierte der Feuerwerkskörper in seiner Hand. Die Sektflasche zersplitterte. 

Der Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Privatdozent Dr. Max Meyer-Marcotty, erklärt das Verletzungsbild. Die obersten Gliedmaßen des Daumens, des Zeige-, Mittel- und Ringfingers brachen, die Kuppe samt Nagel am Mittelfinger riss ab.

Die OP dauerte eineinhalb Stunden

Außerdem erlitt der Patient eine tiefe Rissquetschwunde und Verbrennungen der Handfläche. Die OP dauerte eineinhalb Stunden. Mit den Folgen des Unglücks wird der Lüdenscheider noch lange zu tun haben, so der Klinikdirektor.

David Boehm lobt die Schnelligkeit der Rettungskräfte und die Betreuung durch den Notarzt und ist dem Team der Klinik dankbar. Aber er sagt auch: "Ich habe die Schnauze gestrichen voll." 

Den Lüdenscheidern rät er, die Finger von Feuerwerkskörpern zu lassen oder zumindest mit langen Anzündhölzern zu hantieren, um auf sicheren Abstand gehen zu können. "Am besten ist es, gar nichts mehr zu kaufen und stattdessen mit der Familie nett essen zu gehen. Das ist sinnvoller!"

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