NRW-Tag beginnt: Detmold erwartet Hunderttausende

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Das Hermannsdenkmal in Detmold.

DETMOLD - Ein Land feiert sich selbst. An Pfingsten steht Detmold ganz im Zeichen des diesjährigen NRW-Tages - und eines Straßentheaterfestivals. Jede Menge "Magische Momente" soll es geben. Mehrere hunderttausend Besucher werden erwartet.

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NRW-Tag und Straßentheaterfestival

"Magische Momente" verspricht die Stadt Detmold als diesjähriger Gastgeber des NRW-Tages. Am Pfingstsonntag und Pfingstmontag gibt es zur Feier des 66. Gründungstages des Landes Nordrhein-Westfalen ein pralles Unterhaltungsprogramm. Dazu soll auch das Europäische Straßentheaterfestival beitragen, das bereits am Freitagabend beginnt und am Montag endet. Insgesamt werden bis zu 300.000 Besucher im östlichen Landeszipfel erwartet. Optischer Höhepunkt dürfte für viele am Sonntag ein zwei Kilometer langer Festumzug sein, an dem mehr als 1000 Teilnehmer mitwirken.

Sing in Detmold: Marlon Roudette.

Zu den Höhepunkten vor allem für die jüngeren Besucher dürften die Auftritte von Sängern wie Marlon Roudette ("New Age") und Andreas Bourani ("Nur in meinem Kopf") gehören. Bereits am Samstag tagt das Kabinett von Hannelore Kraft (SPD) in Detmold. Die Ministerpräsidentin eröffnet das Landesfest dann am Sonntag. Der Marktplatz soll an den Pfingsttagen im "Forum politicum" zum Schauplatz für Debatten werden. Kraft und ihre Minister wollen mit Schulklassen ins Gespräch kommen.

Auf einer Strecke von fünfeinhalb Kilometern werden in Detmold 200 Zelte aufgebaut. Hier präsentieren sich Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und die Bundeswehr sowie Institutionen des Landes, des Kreises und der Stadt. Zum Straßentheaterfestival werden 20 Theatergruppen aus sechs Ländern fast 110 Stunden Theater bieten.

Das jährlich stattfindende NRW-Fest soll an die Gründung des Landes am 23. August 1946 erinnern. Im vergangenen Jahr war das Fest in Bonn. 2013 ist Hückeswagen im Oberbergischen Kreis Gastgeber. - lnw

Eine kurze Einführung in die kleine Welt der Lipper:

Kurios: Die Lippe fließt nicht durch Lippe und die lippischen Fürsten kommen nicht aus Lippe. Dafür blickt der Landstrich im Osten Nordrhein-Westfalens auf eine fast 900-jährige Geschichte als Grafschaft, Fürstentum oder Freistaat zurück. Und darauf sind die Lipper stolz.

"Ursprünglich stammt die Familie zur Lippe aus Lippstadt", sagt Stephan Prinz zur Lippe. Etwa im 12. Jahrhundert habe die Familie angefangen, sich in diesem Landstrich auszubreiten. Ab 1194 entstand am Rande Detmolds, früher unter dem Namen Thiotmalle bekannt, im Teutoburger Wald die Falkenburg.

Einer der Sääle im Fürstlichen Residenzschloß Detmold.

In Sichtweite zum Herrmannsdenkmal erhebt sich die Burg, die als Wiege des ehemaligen Fürstentums Lippe gilt. Lange war sie uneinnehmbar. Während der Soester Fehde im 15. Jahrhundert belagerten an die 30.000 böhmische Söldner die Burg, erzählt der Prinz, während er an der Burgruine steht und auf die umliegenden Hügel zeigt. Die Burg aber fiel nicht, ergänzt er und Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

Im 15. Jahrhundert brannte die Burg ab. Den edlen Herren wurde das zugige Gemäuer zu unbequem und das Wasserschloss in Detmold gewann an Bedeutung. Fürstin Pauline (1769-1820) ließ viele Steine der Burg in der Passtraße von Detmold nach Paderborn verbauen. Pauline war es auch, die mit einem beherzten Einspruch bei Napoleon Bonaparte in Paris 1807 die Eigenständigkeit der Lipper rettete.

Prinz Stephan zur Lippe aufgenommen im Fürstlichen Residenzschloß Detmold.

Das ging so bis 1918. "Bis dahin war mein Großvater, Fürst Leopold IV., noch regierender Fürst", sagt der Prinz, der mit seiner Frau, den fünf Kindern und Jagdhund Anton in Detmold lebt. Nach einem Intermezzo als Freistaat trat Lippe 1947 dem Land NRW bei. Noch heute wohnt Prinzenvater Armin mit seiner Frau im Schloss (Adresse: Schloss, 32756 Detmold). Am Abend geht der 87-Jährige mit seinem Scotchterrier durch den Park.

"Der Lipper ist sparsam", sagt der Prinz. "Man sagt, er habe den Kupferdraht erfunden, weil er jeden Pfennig endlos zwischen den Fingern gedreht hat." Auch die Lippische Erfrischung ist kein Erfrischungsgetränk, sondern eine Umschreibung für ein geöffnetes Fenster.

Es ist ein eher karger Landstrich, dieser Kreis Lippe mit seinen 350 000 Einwohnern. Landwirtschaft und Holz, viel mehr war hier nie. Lange Zeit wanderten viele lippische Männer "auf Ziegelei" im Sommer nach Niedersachsen, Brandenburg oder ins Ruhrgebiet und verdingten sich als Ziegler.

Heute sind die Elektronik-Hersteller Phoenix Contact und Weidmüller sowie der Schuhhersteller Wortmann die größten Unternehmen der Region. Die Touristen, die diesen Landstrich besuchen, drängeln sich vor allem an dem 27 Meter hohen Herrmann und an den skurrilen Externsteinen. Der Kreis hatte 2010 und 2011 die niedrigste Kriminalitätsrate in NRW.

Der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier stammt aus Brakelsiek, er ist also ein echter Lipper. Er habe gute Erinnerungen an seine Heimat, sagt er. Er könne sich aber auch an das Gefühl des Stillstands beim Heranwachsenden erinnern, schreibt er in seinem Buch "Mein Deutschland". "Zweimal am Tag ging ein Bus. Auch dort, wo er hinfuhr, war nicht viel mehr los."

Der Prinz sagt über den Lipper: "Man sagt ihm eine gewisse Dickschädeligkeit, Beständigkeit, Bodenständigkeit und auch Stolz nach." Steinmeier schätzt an den Menschen hier den Widerwillen "gegen jede Form von Umstand und Zeremoniell, ihre Skepsis gegenüber Windmachern und Wolkenschiebern."

Für Lipper ungewöhnlich vollmundig versprechen die Gastgeber des NRW-Tages nichts weniger als "magische Momente." Sparsam wie sie sind, haben sie die Landesfeier einfach mit dem traditionellen Straßentheaterfestival zusammengelegt. Das unterhält bestens und spart ungemein. - Matthias Benirschke

Das Lipperland in Zahlen:

350.000 Menschen leben im Kreis Lippe. Fast ebenso viele werden am Pfingstwochenende in Detmold zum NRW-Tag und zum Europäischen Straßentheaterfestival erwartet.

Mit 80.000 Einwohnern ist Detmold die größte Stadt im Landkreis. Der hat eine Fläche von 1246 Quadratkilometern, mehr als 11 Prozent davon sind Naturschutzflächen. Der höchste Punkt ist der Köterberg bei Lügde-Niese mit fast 500 Metern, der tiefste Punkt ist mit 46 Metern über NN Wesertal an der Kallemündung. Beliebteste Ziele der Touristen sind das Hermannsdenkmal und die Externsteine.

Unter den bekannten Lippern sind etwa Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier und die Schauspielerin Iris Berben. Etwas weiter zurück in der Geschichte liegt etwa Cheruskerfürst Arminius. Auch wenn es mehr als unsicher ist, ob die berühmte Varusschlacht tatsächlich hier im Teutoburger Wald stattgefunden hat, bleibt er für die Lipper "unser Herrmann".

Die über 400 Jahre alte lippische Landeskirche hat rund 185.000 Mitglieder. Sie ist die kleinste der drei evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen. In Detmold gibt es die Hochschule für Musik, in Lemgo die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Trotz Gerhard Schröder als Ex-Mittelstürmer "Acker" des TSV Talle: Lippe ist vorrangig bekannt für Spitzen-Handball: In Lemgo die Männer vom TBV, in Blomberg die Frauen von der HSG. - lnw

Quelle: wa.de

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