Machtgerangel in der NRW-CDU

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Wer wird Stellvertreter des designierten neuen Chefs der NRW-CDU, Norbert Röttgen? Acht Bewerber rangeln um fünf Vize-Posten. ▪

DÜSSELDORF ▪ Die Möglichkeit, ein erstes Signal für Stärke und Durchsetzungskraft zu setzen, hat der designierte neue CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen bereits verpasst. Spätestens in der Landesvorstandssitzung am Dienstag hätte er mit einem Machtwort dafür sorgen können, dass es nicht zum Postengerangel kommt. Wer hätte ihm wohl den Gehorsam verweigert, nachdem er von der Basis frisch mit einem beeindruckenden Mandat ausgestattet worden war. Stattdessen aber hat Röttgen zugelassen, dass sich nun acht Bewerber um fünf Stellvertreterfunktionen kabbeln. Damit ist es unausweichlich geworden, dass es am Samstag beim Landesparteitag in Bonn Verlierer geben wird.

Als gesetzt gelten drei männliche und zwei weibliche Stellvertreter. Während die Bundestagsabgeordneten Ursula Heinen und Michaela Noll keine Mitbewerber fürchten müssen, können sich nur drei der sechs männlichen Bewerber durchsetzen.

Armin Laschet: Der Ex-Familienminister hat bereits zweimal das kürzere Pinnchen gezogen – er unterlag gegen Karl-Josef Laumann bei der Wahl zum CDU-Landtagsfraktionschef und er unterlag gegen Norbert Röttgen bei der Mitgliederbefragung, wer Rüttgers‘ Nachfolger werden soll. Dass er nun als Stellvertreter durchkommt, gilt als sicher – zumal er auf Röttgens Vorschlag hin kandidiert. Laschet eine Abfuhr zu erteilen, wäre gleichbedeutend damit, Röttgen eine erste schwere Hürde in den Weg zu legen. Röttgen kann sich keinen Rückfall in alte Zeiten leisten, als die CDU-Regionalverbände untereinander zerstritten waren. Laschet als seinen Stellvertreter zu etablieren, ist für Röttgen nahezu lebensnotwendig, soll es den Neuanfang in der CDU überhaupt geben.

Karl-Josef Laumann: Die CDU wäre schlecht beraten, ihren eigenen Landtagsfraktionschef bei der Stellvertreterwahl durchfallen zu lassen. Das wäre eine Demontage, die sofort die nächste Lawine lostreten würde. Mancher CDU-Funktionär reibt sich aber schon die Augen ob dieser Bewerbung: Als Fraktionschef sitzt Laumann sowieso mit Sitz und Stimme im Landesvorstand und könnte eigentlich Platz machen für ein neues Gesicht. Doch Laumann kennt das Geschäft: Sollte es zur vorgezogenen Neuwahl kommen, wäre er seinen Job als Oppositionsführer wieder los. Im Falle einer Wahlniederlage würde diese Rolle nämlich der neue Landeschef Röttgen selbst beanspruchen.

Eckhard Uhlenberg: Der Landtagspräsident und Ex-Umweltminister ist „everybodys darling“ in der Landes-CDU. Der Südwestfale ist bislang unangefochten wie kein zweiter im Landesvorstand. Uhlenberg hat bislang ein festes Abo auf das beste Ergebnis bei Stellvertreterwahlen. Doch auch bei ihm hinterfragen CDU-Funktionäre, warum er überhaupt noch einmal will. Er habe in seiner langen politischen Karriere doch alles erreicht, und könne doch getrost Platz für einen Jüngeren machen. Doch der ehrgeizige Werler will es eben noch einmal wissen. Das wird ihm wohl nicht verwehrt, hieß es gestern.

Thomas Hunsteger-Petermann: Der Landeschef der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der Landes-CDU hat ein lautes Organ und will dieses nun an vorderster Front als Sprachrohr für die Kommunen einsetzen. Er will die kommunale Ebene in der direkten Landesführung verankern. „Einer der Gründe für die verlorene Landtagswahl ist, dass die Regierung Rüttgers die Probleme der Kommunen nicht ernst genommen hat“, sagte Hunsteger-Petermann unserer Zeitung. Er wolle als Vermittler auftreten. Das unterstützen auch andere aus der kommunalen Familie. „Wenn wir zu alter Stärke zurückfinden und in Nordrhein-Westfalen wieder mehrheitsfähig werden wollen, führt dieser Weg nur über die Kommunen“, sagte der Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung. Er unterstütze die Kandidatur von Hunsteger-Petermann ausdrücklich.

Die beiden weiteren Kandidaturen von Junge-Union-Landeschef Sven Volmering und vom Recklinghäuser Landtagsabgeordneten Josef Hovenjürgen werden CDU-intern als wenig aussichtsreich gewertet.

Parteiinternen Unmut gibt es aber darüber, dass Röttgen den Chef des CDU-Bezirks Ruhr, Oliver Wittke, als neuen Generalsekretär vorgeschlagen hat. Wittke verkörpere als Ex-Minister und Ex-Oberbürgermeister (von Gelsenkirchen) keinen Neuanfang. Der Mann sei sprunghaft und verfüge zudem nicht einmal über ein Landtagsmandat. Es wird erwartet, dass Wittke ein schlechtes Wahlergebnis bekommt. Die eigenen Parteifreunde aus dem Ruhrgebiet sind stinksauer, weil Wittke zielstrebig nur seine eigenen Interessen verfolgt habe.

Quelle: wa.de

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