Loveparade-Prozess: Beweismaterial vergessen

DÜSSELDORF - Die Duisburger Staatsanwaltschaft hat bei der Übergabe der Aktenberge der Loveparade-Katastrophe an das Landgericht Material vergessen. Das geht aus einem Bericht von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) an den Rechtsausschuss des Landtags hervor, der am Mittwoch tagte.

Auf Nachfrage eines Verteidigers seien Ende September mehrere Bände nachgereicht worden, deren Übermittlung bei der Erhebung der Anklage "versehentlich unterblieben" sei. Dabei sei auch aufgefallen, dass 92 Datenträger mit Videomaterial (85 DVDs und sieben CDs) fehlten. Das darauf gespeicherte Bildmaterial sei dem Gericht aber bereits bei der Anklageerhebung weitgehend als Original vorgelegt worden. Die fehlenden Datenträger hätten überwiegend nur kopiertes Material erhalten.

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Ob das Verfahren dadurch verzögert worden sei, könne nicht gesagt werden. Das Gericht berufe sich auf sein Beratungsgeheimnis. Den Verteidigern seien mehrfach Fristverlängerungen für ihre Stellungnahmen eingeräumt worden. Der Bericht führt auch aus, dass die zuletzt an dem Verfahren arbeitenden zwei Staatsanwälte aus dem Verfahren ausscheiden oder bereits ausgeschieden sind: Der die Ermittlungen von Beginn an leitende Staatsanwalt trete zum Monatsende in den Ruhestand. Die Dezernentin an seiner Seite sei bereits seit Jahresmitte in Mutterschutz und anschließend voraussichtlich in Elternzeit.

Das Duisburger Landgericht hat über die Zulassung der am 10. Februar erhobenen Anklage noch nicht entschieden. Allein die Hauptakte umfasst laut NRW-Justizminister Kutschaty 40.000 Seiten in 76 Bänden. Hinzu kämen 620 Sonderbände und Beweismittelordner. Es seien 3400 Zeugen vernommen worden. Das Verfahren stelle die Justiz vor bis dahin nicht bekannte Dimensionen. Bei der Loveparade-Katastrophe waren am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 500 verletzt worden. Das Gericht prüft zurzeit die Zulassung der Anklage. - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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