[Update 14.10 Uhr] Kohlenmonoxid-Unglück?

Vier Tote in einem Ahlener Mehrfamilienhaus entdeckt

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AHLEN - Die Leichen einer Familie sind am Freitagabend in einer Wohnung in Ahlen entdeckt worden. Nach ersten Ermittlungen gehen Staatsanwaltschaft und Polizei von einem tragischen Unglücksfall aus, bei dem die vier Menschen starben. Offensichtlich sind die vier Personen - die 33 jährige Mutter, ihre 1 und 9 Jahre alten Kinder und der 28 jährige Vater - an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.

"In einer vorläufigen Bewertung gehen Polizei und Staatsanwaltschaft von einem tragischen Unglücksfall aus", sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck gestern in Münster. "Die starke Kohlenmonoxidkonzentration und die Auffindesituation der vier Familienmitglieder sprechen erst einmal gegen ein Kapitalverbrechen. Zur Klärung des Geschehens sind weitere Ermittlungen erforderlich." 

Auf den ersten Blick scheint auch ein gemeinsamer Suidiz ausgeschlossen. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Oberstaatsanwalt Beck, dass die Beamten auch in diese Richtung ermittelt hätten, aber dazu keine Hinweise gefunden wurden. Wie lange die Familie schon tot in der Wohnung lag, vermochte der Staatsanwalt noch nicht zu sagen. Ergebnisse dazu soll die Obduktion liefern

Hinter der grauen Putzfassade an der Lessingstraße scheint es einen besonders tragischen Unglücksfall gegeben zu haben: Nach Informationen unserer Redaktion meldete sich am Freitag Nachmittag gegen 15 Uhr die Mutter/Großmutter bei der Polizei, weil sie von ihren Angehörigen seit Tagen nichts gehört hatte. Sie mache sich große Sorgen, schilderte sie den Beamten. Wohl so glaubhaft, dass die Polizei einen Schlüsseldienst beauftragte.

Mehr Bilder von der Unglücksstelle

Vier Leichen in Ahlener Mehrfamilienhaus entdeckt

Knapp drei Stunden später wurde die Wohnung in der Lessingstraße geöffnet. Polizisten hatten dann in dem Mehrfamilienhaus die Leichen entdeckt. Wie unsere Redaktion erfuhr, soll bei Messungen der Feuerwehr ein CO-Melder angeschlagen haben - ein klares Indiz für ein Kohlenmonoxid-Unglück.

Zu dieser Information passt auch die Aussage einer Frau, die gegenüber dem Unglückshaus wohnt. Sie habe in letzter Zeit viele Dohlen beobachtet, die Nester bauten. Sie selber hätten wegen der vielen Vögel ihren Schornstein mit Gittern abgesichert. "Die gibt es in den Schornsteinen gegenüber meines Wissens nicht."

Bis in die frühen Morgenstunden des gestrigen Samstages war die Mordkommission damit beschäftigt, Spuren zu suchen und zu sichten. Am Freitag abend gegen 22.30 Uhr treffen die Beamten aus Münster in dem Mehrfamilienhaus an der Lessingstraße ein. In ihren weißen Schutzanzügen gehen sie in die Wohnung und nehmen alle Spuren auf. Es werden Fotos gemacht.

Wenig später rückt auch noch einmal die Feuerwehr an - mit einer Drehleiter. Im Korb fahren ein Feuerwehrmann und ein Polizist aufs Dach des Unglückshauses. Sie nehmen mit einer starken Taschenlampe die Schornsteine genau unter Lupe und suchen nach Dohlennestern oder anderen Verstopfungen.

Wie Oberstaatsanwalt Beck gegenüber unserer Zeitung erörterte, habe es sich gezeigt, dass der Kamin nicht komplett offen war. Ein Gutachter nehme nun sowohl Gasttherme als auch Schornstein in Augenschein. "Zweck eines Schornsteines ist es, Rauch- und Abgase sicher aus dem Wohnbereich ins Freie abzuführen", teilt die Schornsteinfegerinnung auf ihrer Internet-Seite mit. Weiter heißt es dort: "Verstopft ein Nest den Schornstein, können die Abgase nicht mehr abziehen. Giftige Abgase - zum Beispiel Kohlenmonoxid - können aus der Heizung austreten und zur tödlichen Gefahr für Menschen werden. Das Fatale daran ist, dass diese Abgase geruchs- und geschmacklos sind und deshalb von den Bewohnern nicht wahrgenommen werden."

Bis in die Morgenstunden nimmt die Mordkommission weitere Spuren auf. Gegen 1 Uhr kommt der Bestatter und fährt die vier Leichen zur Rechtsmedizin nach Münster. Dort wurden sie bereits gestern obduziert. Endgültige Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung sind wegen der notwendigen Laboruntersuchungen erst im Laufe der kommenden Woche zu erwarten. Die Mordkommission des Polizeipräsidiums Münster unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Herbert Mengelkamp setzt die Ermittlungen fort. Zeugenvernehmungen und Sachverständigengutachten sollen das folgenschwere Geschehen in der Ahlener Wohnung aufhellen. - Andreas Wartala

Quelle: wa.de

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