Warnstreik: volle Streiklokale, leere Klassenzimmer?

DÜSSELDORF - Der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder trifft auch NRW. Am Montag ein Ausstand an der Uniklinik Essen, in den kommenden Tagen sollen Warnstreiks für leere Klassenzimmer sorgen.

Ins Streiklokal, statt in den Klassenraum: Mehrere zehntausend angestellte Lehrer in Nordrhein-Westfalen sind ab Dienstag zum Warnstreik aufgerufen, um Druck für einen eigenen Tarifvertrag und mehr Geld zu machen. Zunächst werden vor allem in Düsseldorf, Wuppertal, Essen und Duisburg Unterrichtsstunden ausfallen und einzelne Klassenzimmer leerbleiben. "Ein vernünftiger, normaler Unterricht wird in den nächsten Tagen an vielen Schulen nicht möglich sein", sagte GEW-Sprecherin Ute Lorenz am Montag.

Nach den vorerst ergebnislosen Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder und rund 800 000 Beschäftigte kommt eine Welle von Warnstreiks auch auf NRW zu - neben Schulen an Unikliniken, Justizbehörden, Straßenmeistereien oder anderen Landesstellen. Den Anfang machten am Montag rund 300 Beschäftigte an der Uniklinik Essen. Etwa ein Drittel der Operationssäle seien nicht in Betrieb, der Krankentransport laufe mit Minimalbesetzung, berichtete eine Verdi-Sprecherin.

Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, mindestens aber 175 Euro. Für die angestellten Lehrer wollen sie zusätzlich einen eigenen Tarifvertrag durchsetzen - und damit die Bezahlung nach Richtlinien der Länder beenden. Am Mittwoch sind die angestellten Lehrer in den Regierungsbezirken Köln und Detmold aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Am Donnerstag sollen die Warnstreiks Schulen der Bezirke Münster und Arnsberg erreichen. Laut NRW-Schulministerium sind knapp 33 000 Lehrer als angestellte Pädagogen tätig, der GEW zufolge sind es rund 40 000.

Neben der Hauptforderung nach einem eigenen Tarifvertrag kritisiert die GEW den deutlichen Unterschied beim Gehalt von angestellten und verbeamteten Lehrern. Angestellte Lehrer erhielten bei gleicher Qualifikation, Tätigkeit und Dienst in derselben Schulform zwischen 100 und 590 Euro netto im Monat weniger, sagte Sebastian Krebs, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender. Hier soll es eine Einstieg in eine Angleichung geben. Realschullehrer Stefan Jacobs monierte, angestellte Lehrer seien die einzige Berufsgruppe im öffentlichen Dienst, die nur mit der niedrigen Entgeltgruppe 11 einsteige. Und: "Das ganze System wird immer unüberschaubarer."

Von den Warnstreiks werden Berufskollegs, Gesamtschulen, Haupt- und Grundschulen laut GEW stärker betroffen sein. Am Montag zeigten sich die Schulen gelassen. Von einem Notfallplan halte er nichts, sagte Schulleiter Norbert Wintjes vom Berufskolleg Ost in Essen "Selbst wenn gestreikt wird, ist es ja nicht im Sinne eines Streiks, die fehlenden Lehrer einfach durch Beamte zu ersetzen." Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf hieß es: "Hier sind so viele Lehrer krank, ein paar mehr Ausfälle würden wir gar nicht bemerken." - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa-avis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare