Legionellen: Derzeit über 80 Erkrankte

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Entwarnung für Edeka Dumke. Alle Anlagen im Bereich der Handelsbetriebe sind „sauber“.

WARSTEIN - 86 Menschen, die an Legionellen erkrankt sind, wies die aktuelle Liste des Kreisgesundheitsamtes gestern gegen 17 Uhr auf. Zwei Betroffene werden intensivmedizinisch versorgt. Ein Patient ist mittlerweile stabil. In dem anderen Fall bewerten die Mediziner die Situation nach wie vor kritisch.

Von den insgesamt 86 Personen sind acht Personen in umliegenden Krankenhäusern untergebracht und zwar eine in Dortmund, zwei in Lippstadt und fünf in Meschede. Bisher gibt es sieben positive Legionellenbefunde, zwei davon bereits seit neun Tagen. In zwei Teams wurden gestern rund zwei Dutzend Anlagen kontrolliert, jedoch fanden sich nur wenige der in Frage kommenden Rückkühlanlagen, so dass die Zahl der Proben sich in Grenzen hielt.

Unterdessen ist weiter die ganze Stadt in Sorge wegen der Legionellen-Sorge. Und das macht sich bemerkbar: Olav Dumke kann es sogar beziffern. Seit Dienstagmorgen ist der Umsatz in seinem Edeka-Markt auf dem Hüttengelände um 30 Prozent zurück gegangen. Die Menschen in Warstein meiden Orte, die vermeintlich gefährlich sein könnten. Dabei hat gerade der Geschäftsbereich mit Aldi, Lidl und Edeka nach einem Besuch des Erkundungsteams um Prof. Dr. Exner am Mittwochabend vom Kreisgesundheitsamt attestiert bekommen, „sauber“ zu sein. „Anlagen, die in Frage kommen, gibt es dort nicht“, sagte Dr. Frank Renken.

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Auch bei den Verantwortlichen der Montgolfiade ist die Suche nach der Legionellen inzwischen ein Thema. „Wir gehen davon aus, dass der Ausbruchherd bis Anfang nächster Woche gefunden ist“, sagte gestern WIM-Geschäftsführer Hermann Löser. „Es ist ganz wichtig, dass die Behörden das in den Griff bekommen, sonst haben wir ein Problem.“ Es habe bislang keine Absagen bei Piloten gegeben. Allerdings: „Es muss was passieren.“ Derzeit plane er mit seinem Team ganz normal weiter. „Ich bin total optimistisch.“

Olav Dumke ist selbst sicher, „zu 99,9 Prozent nicht Verursacher dieser Wolke“ zu sein. Natürlich sei es negativ, wenn die Leute fernbleiben, aber durchaus verständlich. Er ist sicher, dass die positive Nachricht, dass man in seinem Edeka-Markt unbesorgt einkaufen kann, nun wieder für die Normalisierung des Einkaufsverhaltens sorgt. „Das wird am Ende das Vertrauen der Kunden stärken“, denkt der Warsteiner Geschäftsmann positiv.

Auch Bernd Hoppe, Leiter des JiBi-Marktes an der St. Poler Straße hat geringere Kundenströme in diesen Tagen beobachtet. „Das kann aber auch an der Ferienzeit oder an den laufenden Bauarbeiten in unserem Haus liegen“, so der Geschäftsmann. Dass die Legionellen-Gefahr in seinem Markt das beherrschende Thema bei Kunden und Personal ist, steht dennoch für ihn außer Frage.

Auch beim JiBi steht keine der in Frage kommenden Anlagen. Das Krankenhaus „Maria Hilf“, in dem es unter Patienten, Personal und Besuchern fast kein anderes Thema als die Legionellen-Erkrankungen gibt, wurde gestern wegen seiner Kühlanlagen ebenfalls vom Prof.-Exner-Team aufgesucht. Doch auch hier war das Ergebnis negativ. Die gefundenen Anlagen entsprechen nicht jenen, die für die Ausbreitung der Legionellen in Frage kommen.

Während das Team der Uni Bonn mit Prof. Exner an der Spitze seit Mittwoch Nachmittag durch Warstein eilt, um die Spur des Auslöser zu finden, sind Vorsichtsmaßnahmen ein großes Thema in der Bevölkerung. Wer dieser Tage nicht unbedingt nach Warstein muss, bleibt zuhause und wartet ab, was passiert. Auch wenn der Kreis darauf hinwies, dass man „keinen Bogen um Warstein machen muss“ , so scheinen die Ängste doch großer zu sein. Die Sorge, das Trinkwasser könne verantwortlich sein, hat sich inzwischen aber gelegt. „Das war am Montag ein gewaltiges Feuer“, sagte Stadtwerkeleiter Klaus Kellerhoff.

Nach der Berichterstattung im Anzeiger und auf der Anzeiger-Homepage „ist die Nachfrage komplett zusammen gebrochen“, so Kellerhoff. Seither habe es keine verängstigten Anrufe mehr gegeben. Trotzdem gehen die Stadtwerke auf Nummer sicher: Für alle drei Quellen sind Legionellen-Proben vorgenommen worden. Bei Auffälligkeiten würden es bereits am heutigen Freitag die ersten Hinweise geben, wovon Kellerhoff allerdings nicht ausgeht. Auch im Allwetterbad wurden alle Anlagen sorgfältig überprüft und eine Probe auf Legionellen genommen. Viele Badegäste sprachen die Schwimmmeister in den vergangenen Tagen auf das Thema an und erbaten Informationen.

Mit Hochdruck beschäftigen die Legionellen auch das Kreishaus in Soest. Gestern trat der Krisenstab am Morgen und noch einmal am Abend gegen 18 Uhr zusammen. Alle Erkenntnisse, die die beiden Teams im Verlauf des Tages gesammelt hatten, kamen dabei auf den Tisch. Parallel wurde die Auswertung der Fragebogen unter die Lupe genommen, um Gemeinsamkeiten der Patienten festzumachen, die Indizien für die gefährliche Quelle geben könnten. Auch die neuen Patienten werden befragt.

In den nächsten Tagen kann durchaus mit weiteren neuen Erkrankungsfällen gerechnet werden, so der Kreis Soest. Allein wegen der langen Inkubationszeit. Sie liege, so teilte der Kreis Soest mit, im Normalfall bei drei bis fünf Tagen, könne in Ausnahmefällen aber auch bis zu zehn Tagen betragen. - Von Reinhold Großelohmann

Quelle: wa.de

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