Lebensretter mit Nachwuchssorgen

DÜSSELDORF - In manchen Regionen Deutschlands werden händeringend Rettungsschwimmer gesucht. Gerade bei den heißen Temperaturen kann der Nachwuchsmangel lebensgefährlich werden.

Michael Wittstock steht knietief im Wasser, die Sonne scheint ihm auf den Kopf. Was nach Urlaub klingt, ist eigentlich Arbeit: Er ist Rettungsschwimmer, und das schon sein halbes Leben lang. Der Job gibt dem 60-Jährigen ein gutes Gefühl: Bisher habe er jeden in Not geratenen Badegast retten können, erzählt er.

Das klingt nach einer tollen Aufgabe - doch bei Vereinen wie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) oder der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) droht ein Nachwuchsmangel. Dabei sind Rettungsschwimmer dringend nötig, wie viele tödliche Unfälle zeigen. Allein in Nordrhein-Westfalen gab es zuletzt kaum ein Sommer-Wochenende ohne Badetote.

In einigen Regionen Deutschlands mangelt es schon jetzt an Rettungsschwimmern, die oft ehrenamtlich arbeiten. Die DLRG in Sachsen-Anhalt sucht dringend Nachwuchs, auch die DRK-Wasserwacht in Thüringen hat Nachwuchssorgen. Der Sprecher der DLRG Nordrhein, Michael Grohe, nennt verschiedene Ursachen für die Probleme. So erschwere in einigen Städten auch das Bädersterben und damit der Wegfall von Trainingsmöglichkeiten die Ausbildung neuer Rettungsschwimmer.

Die Vereine lassen sich einiges einfallen, um dem Schwund entgegenzuwirken. Die DLRG Nordrhein, deren Gebiet sich vom Niederrhein bis in die Eifel erstreckt, versucht mit Aktionen wie dem "Tag des Wasserretters" gezielt Kinder anzusprechen. Die DRK-Wasserwacht plant für 2014 ein Projekt mit dem Titel "Zukunft Schwimmen", wie Landesleiter Dieter Schneider-Bichel sagt. Er wirbt dafür, auch an Ganztagsschulen mehr Schwimmaktionen anzubieten.

Laut DLRG sind im vergangenen Jahr 47 Menschen allein in NRW ertrunken. Auch in diesem Jahr häufen sich seit Beginn der Sommerhitze die Todesfälle an den Badeseen. Eine Stichprobe der DLRG Anfang Juli hat ergeben, dass bundesweit schon mehr als doppelt so viele Menschen ertrunken sind wie zu diesem Zeitpunkt 2012.

Rettungsschwimmer Wittstock arbeitet am Unterbacher See, einem der beliebtesten Freizeitgebiete der Landeshauptstadt Düsseldorf. Auch hier gab es Anfang Juli einen tragischen Fall: Ein zwölfjähriger Junge kam ums Leben, als er auf einem Tretboot unterwegs war.

Wittstock musste einen solchen Todesunfall noch nicht miterleben, wie er sagt. Bei dem jüngsten Unglück an einem Montag war der Vater von zwei Kindern nicht im Dienst. Er ist Maschinenbaukonstrukteur und opfert meistens seine Sonntage für sein Ehrenamt am Unterbacher See. Wittstock behält für die DRK-Wasserwacht das Südufer des 2,5 Kilometer langen Gewässers im Blick - gemeinsam mit bis zu 25 anderen DRK-Rettern.

An 44 Badestellen in der Region Nordrhein sind laut Landesleiter Schneider-Bichel 1000 Ehrenamtliche der DRK-Wasserwacht unterwegs. Bei der DLRG helfen in der Region Nordrhein 6000 Rettungsschwimmer. Laut DLRG konnten die Helfer im vergangenen Jahr 17 Menschen vor dem Tod bewahren.

Mit einer Fahrkarte und bis zu zehn Euro für Verpflegung werde das Engagement bei der DRK-Wasserwacht bezahlt, erläutert Schneider-Bichel. Lebensretter Michael Wittstock hat aber eine andere Motivation: Er schätze den Kontakt mit den Menschen. Er arbeite "vorbeugend", spreche die Leute an, bevor etwas passiere. Einen Betrunkenen, der nicht mehr schwimmen sollte zum Beispiel. Oder ein Kind, das zu tief ins Wasser geht. "Es gibt mir eine tiefe Befriedigung, etwas Sinnvolles gemacht zu haben", erklärt Wittstock. - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare