Lebensretter Druckkammer - NRW prüft größeres Angebot

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In Hamm sind vor wenigen Wochen zwei junge Menschen gestorben. Die fünf Verletzten wurde mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung im Düsseldorfer Uniklinikum behandelt.

DÜSSELDORF - Bei Kohlenmonoxid-Vergiftungen zum Beispiel durch defekte Öfen können Überdruckkammern Leben retten - wie in den vergangenen Wochen mehrfach geschehen. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur eine einzige, die rund um die Uhr einsatzbereit ist: die Überdruckkammer des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Das NRW-Gesundheitsministerium führt derzeit aber Gespräche mit mehreren Kliniken, um Möglichkeiten für eine bessere Versorgung auszuloten. Das berichtete Ministeriumssprecherin Serap Güler am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. In NRW hatten sich in den vergangenen frostigen Wochen mehrere Menschen Kohlemonoxidvergiftungen zugezogen, unter anderem, weil sie versucht hatten, ihre Wohnungen mit einem Gasherd oder einem Döner-Grill zu heizen. Zwölf dieser Patienten waren in Düsseldorf erfolgreich behandelt worden.

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Im Dezember waren zwei Männer ums Leben gekommen, weil sie in der Garage einen gasbetriebenen Heizpilz angeworfen hatten. In der Düsseldorfer Druckkammer, die mehrere Patienten gleichzeitig aufnehmen kann, bekommen jährlich rund 200 Patienten Hilfe. Sie ist nicht nur Rettungsinsel für Opfer von Rauchgas oder Tauchunfällen, sondern auch Therapiestation für Tinnitus- und Diabetes-Patienten. Sinnvoll wäre vor allem eine zweite Kammer in Westfalen, sagte Güler. Geeignet seien besonders Krankenhäuser mit Betten für Schwerverletzte durch Brände. Die gibt es in Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Hamm, Köln und Aachen. Die Gespräche mit interessierten Kliniken sind aber noch nicht abgeschlossen.

Außer in Düsseldorf gibt es noch mehrere kleinere, von privaten Unternehmen betriebene ambulante Überdruckkammern. „Die sind aber nicht 24 Stunden einsatzbereit, nicht an ein Krankenhaus angeschlossen oder nicht vollständig intensivmedizinisch nutzbar“, erläuterte Güler. Im ganzen Bundesgebiet gebe es nur neun Überdruckkammern, in denen Patienten mit Kohlenmonoxidvergiftung stationär und intensivmedizinisch behandelt werden können. In den Kammern wird ein Druck erzeugt, der dem in 20 Metern Wassertiefe entspricht. Gleichzeitig atmet der Patient 100 Prozent Sauerstoff. Durch die Behandlung wird der Sauerstoffgehalt des Körpers erhöht - das Kohlenmonoxid wird ausgewaschen und abgeatmet. Die Patienten werden fünf Tage lang täglich zwei bis drei Stunden behandelt.

Kohlenmonoxid entsteht, wenn bei Verbrennungsprozessen zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht. Es ist ein geruchloses und zugleich lebensgefährliches Gas, das in höheren Konzentrationen als starkes Atemgift wirkt. Einmal eingeatmet, bindet sich Kohlenmonoxid 250 Mal schneller als Sauerstoff an das Blut. Der vom Körper dringend benötigte Sauerstoff gelangt dann nicht mehr in ausreichendem Maße zu den Zellen. - dpa

Quelle: wa.de

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