Grillfleisch auf Knopfdruck

Lebensmittel auf dem Land – frisch aus dem Automaten

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Geflügelbauer Andreas Dockmann vor seinem dem Lebensmittelautomaten. Die auf dem Hof produzierten Hühnereier und andere Lebensmittel werden in dem Automat rund um die Uhr für Kunden angeboten.

MÜNSTER - Fleischkauf an der Maschine: Auch Landwirte und Metzger in Westfalen haben Selbstbedienungs-Automaten aufgestellt. Dort gibt es zu jeder Tages- und Nachtzeit frisches Fleisch, Eier und Milchprodukte.

Frische Lebensmittel rund um die Uhr – das gibt es oft noch nicht mal an Tankstellen oder in Kiosken. "Milchtankstellen" oder andere Automaten schaffen inzwischen vielerorts Abhilfe: Kühlautomaten, in denen es zu jeder Zeit frische Milch, Joghurt, Eier oder Fleisch gibt. Auch einige Landwirte und Fleischer in Westfalen haben sich solche Selbstbedienungs-Automaten auf ihren Hof gestellt. Ein zunehmender Trend, wie der Emsdettener Automaten-Großhändler Dirk Hensing bestätigt: "Vor etwa vier Jahren, als ich mit dem Vertrieb begonnen habe, waren in Deutschland etwa 20 dieser Selbstvermarktungs-Automaten in Betrieb." Mittlerweile seien es mehr als 600.

Fleischer Norbert Hegemann aus Schermbeck ist schon länger "im Automatengeschäft". Als er vor zehn Jahren seinen ersten Automaten aufstellte, "war ich deutschlandweit der erste, der diese Dienstleistung für Grillfleisch anbot", ist sich der 45-Jährige sicher.

Schlangen vor dem Automaten

Mittlerweile stehen bei Hegemann acht Automaten in einem klimatisierten Raum: Für etwa 100 Kilo frisches Grillfleisch, dazu Salate, Maiskolben, Kräuterbutter, Baguette, Folienkartoffeln - und Grillkohle sowie einfache Grills rund um die Uhr und das ganze Jahr. "Die Kohle gibt es bei uns, weil die Kunden danach gefragt haben", sagt der Fleischer, bei dem sich im Sommer "vor dem Automaten Schlangen bilden."

Das führt dazu, dass "wir jetzt überhaupt keinen Sonntag mehr haben", seufzt der Metzger - genau das Gegenteil von dem, was er ursprünglich mit dem Automaten bezweckte. "Wir wollten mehr Freizeit, doch mittlerweile arbeiten wir zum Teil mit acht bis zehn Leuten, um die Automaten am Wochenende wieder zu bestücken. "Urlaub? Hatte ich den schon mal? Aber ich kann nicht mehr zurück, die Leute verlangen danach und die Automaten sind mittlerweile auch ein geschäftliches Standbein."

Mehr Zeit für die Familie

Mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben: Das war auch der Beweggrund für Geflügelbauer Andreas Dockmann aus Neuenkirchen im Kreis Steinfurt, sich einen Automaten auf den Hof zu stellen. Seit Mai 2013 ist bei ihm ein Eier-Automat in Betrieb, der mit bis zu 700 Eiern bestückt ist. Die verkaufte er zuvor etwa in seinem Hofladen, den er seit einigen Jahren mit seiner Frau betreibt. "Die Leute wollen oft noch abends spät Eier kaufen", sagt der Landwirt, "bislang haben sie dann immer bei uns geschellt." Praktisch rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, "das geht auf Dauer an die Substanz, wir wollten einfach auch mal Freizeit am Wochenende haben."

Seit sein Eier-Automat auf dem Hof steht, klappt das mit der Freizeit – "und die Kunden sind auch zufrieden." Dockmann hat sogar festgestellt, dass mehr Kundschaft anrollt: "Die Leute können in Ruhe schauen, müssen sich nicht unterhalten und können völlig anonym ihr Päckchen Eier kaufen."

Ähnliche Erfahrungen macht auch Johannes Maßmann aus Höxter. Er verkauft direkt vor seiner Metzgerei frisches Fleisch im Automaten – im Sommer Grillfleisch, Soßen, Fertiggerichte und Süßigkeiten und im Winter zusätzlich Hausmacher Grütze, eine Wurstspezialität. "Ich habe schon oft beobachtet, dass der Laden zwar offen ist, die Kunden aber trotzdem ihr Fleisch am Automaten kaufen. Das ist halt auch was für kontaktscheue Menschen."

Automatenverkauf schließt eine Lücke

Gero Jentzsch, Pressesprecher des Deutschen Fleischer-Verbands, will so weit nicht gehen. "Vielleicht haben die Leute einfach keine Lust, sich an der Theke in die Schlange zu stellen." Die Kunden, da ist sich Jentzsch sicher, "lieben das Verkaufsgespräch." Dennoch schließe der Automatenverkauf eine Lücke.

Das sieht auch Christian Böttcher, Pressesprecher beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels, so. "Interessant ist dieser Vertriebsweg sicherlich für Verbraucher, die etwas beim Lebensmitteleinkauf vergessen haben, für Nachtschwärmer auf dem Nachhauseweg oder für Ergänzungskäufe zum Beispiel am Sonntag."

Die Anschaffungskosten von etwa 12 000 Euro für den Automaten nehmen die Landwirte und Geschäftsleute in Kauf. Dockmann ist seine Freizeit viel wert – und Maßmann, der auch in sozialen Netzwerken für seinen Automaten-Verkauf wirbt, ist sicher: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." - dpa

Quelle: wa.de

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