Lebenslang für Bordellbetreiber wegen Doppelmordes

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Ein 23-jähriger Angeklagter verbirgt vor Beginn des Prozesses in Düsseldorf sein Gesicht hinter einem Notizblock.

Ein Killer bringt einen pensionierten Regierungsdirektor und seine Tochter kaltblütig mit Kopfschüssen um. Jetzt wurde der Stiefsohn und -bruder der Opfer als Auftraggeber verurteilt. Seine eigene Aussage räumte letzte Zweifel aus.

Von Frank Christiansen - Ein osthessischer Bordellbetreiber ist in Düsseldorf wegen Doppelmordes an zwei Familienangehörigen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Verbrechen sei "einer Hinrichtung gleichgekommen" und suche in den vergangenen zehn Jahren in Düsseldorf seinesgleichen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Scholz. Das Landgericht stellte am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Der Mann aus Burghaun bei Fulda hatte den Auftrag für den Mord gegeben, um seiner drohenden Enterbung zu entgehen. Es ging um eine knappe Million Euro. Die beiden Opfer waren seine Stiefschwester und sein Stiefvater. Nur die leibliche Mutter, die gegen die Enterbung war, war verschont worden. Der 58-Jährige hatte behauptet, er habe seinen Familienangehörigen lediglich einen Schrecken einjagen lassen wollen. Der Komplize war bereits als Auftragskiller zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die besondere Schwere der Schuld verlängert einer Studie zufolge die tatsächliche Haftdauer um sechs auf durchschnittlich 24 Jahre. Dann wäre der herzkranke Doppelmörder etwa 80 Jahre alt. "Wir sind uns bewusst, dass Sie bei Vollstreckung dieser Strafe wahrscheinlich die Freiheit nicht mehr erleben werden", sagte Richter Scholz. Dies nehme das Gericht aber in Kauf, weil der 58-Jährige nach dem Doppelmord noch weitere schwere Verbrechen geplant habe.

Zum Verhängnis sei ihm letztlich nicht die belastende Aussage des von ihm angeheuerten Auftragskillers geworden, sondern seine eigene Aussage, so das Gericht. Der Bordellbetreiber hatte sich zu der Behauptung verstiegen, er habe seiner Familie lediglich einen Schrecken einjagen wollen, um ihr das gefährliche Leben in der Großstadt vor Augen zu führen und sie zum Umzug ins beschauliche Burghaun zu bewegen. Die Sache sei dann aus dem Ruder gelaufen.

"Wer soll das glauben?", fragte der Richter. So kalkuliert vorbereitet und geplant die Tat gewesen sei? So umsichtig und ruhig wie sich der Killer verhalten habe, wie es ein Ton-Mitschnitt durch den Notruf eines der beiden Opfer dokumentiere? Und so, wie sich beide Mörder, belauscht von der Polizei, nach der Tat über das Verbrechen unterhalten hätten?

Der 23-jährige Komplize hatte zugegeben, in Düsseldorf einen 82-jährigen pensionierten Regierungsbaudirektor und dessen Tochter mit Schüssen in den Hinterkopf umgebracht zu haben. Sie waren am 17. Juni 2010 getötet worden. Als Paketbote war der Killer in das Düsseldorfer Mehrfamilienhaus eingedrungen und hatte dann eine Schalldämpferpistole gezückt.

In dem jungen Heroinabhängigen habe der Drahtzieher einen "nützlichen Idioten" gefunden und ihn manipuliert. Wegen Steuerforderungen des Finanzamts habe der Auftraggeber "mit dem Rücken zur Wand" gestanden. Als die Familie vom horizontalen Gewerbe im eigenen Haus erfahren und die Enterbung betrieben habe, habe sich das "schwarze Schaf" der Familie zum Handeln veranlasst gesehen.

Nachdem der Richter ausgeredet hat, lässt Detlef W. seinen kahlen Kopf kurz auf die Brust sinken. Vor den Fotografen hatte er ihn unter einer Papiertüte verborgen. Dann erhebt er sich mit ausdrucksloser Miene und lässt sich zum Aufzug führen, der ihn abwärts ins Hausgefängnis fährt. Seine Jacke ziert ein Rudel heulender Wölfe. "Gute Reise", raunt eine Zuschauerin.

Quelle: wa.de

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