Das Leben ist ein Rummelplatz

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Willkommen auf der Kirmes: Eines der gut besuchten Fahrgeschäfte, die Martin Jakubith gebaut hat. ▪

DORTMUND ▪ Wenn man ein Freund von Volksfesten ist, freut man sich schon Wochen vorher, bis die Kirmes mal wieder in der Stadt ist. Ist man ein Fan von Volksfesten, reist man quer durchs Land von Rummel zu Rummel. Wenn man aber Kirmes-verrückt ist, ja, dann baut man sich seine eigene Kirmeswelt und taucht jeden Tag darin ab. Von Holger Drechsel

Die Welt von Martin Jakubith (Bild) ist eine kleine, doch sie macht einem die Augen groß. Denn Jakubiths Welt flirrt nur so vor Leben, sie leuchtet, sie funkelt, sie strahlt, kurz: Sie rummelt vom allerfeinsten.

Es lohnt sich, genau hinzusehen, hier an seinem Stand in Halle 8 auf der Dortmunder „Intermodellbau“. Da sind nicht nur die zwölf originalgetreuen Fahrgeschäfte, die man von jeder Kirmes kennt, die Wildwasserbahn, die Schiffsschaukel, der Free-Fall-Tower, die Achterbahn. Bausätze, die der Modellbauer aus Ansbach in Franken mit viel Akribie verfeinert hat. Nein, besonderen Spaß macht es, die rund 2 500 Figuren zu studieren, die der 39-Jährige mit unglaublicher Liebe zum Detail auf seiner Kirmes verteilt hat. Jede Figur ist rund zwei Zentimeter groß, und viele sind irgendwie in Aktion. Da ist der Polizist, der den jungen Mädchen auf den Popo schaut, da ist der Mann mit Gipsbein und Krücke, da sind die beiden Raufbolde im Biergarten, die sich wegen einer umgefallenen Flasche prügeln. Dass auch die Mini-Flasche auf dem Tisch liegt, ist für Jakubith selbstverständlich. Er will es perfekt. Kein Auto ohne Nummernschild, keine Losbude ohne Schnipsel davor, kein Fernseher im Wohnwagen, der nicht leuchtet. Große Perfektion im Maßstab 1:87, in 13 Jahren aufgebaut, zum Preis eines guten Mittelklassewagens. Mindestens.

Warum ist aber jemand, der so viel Herz an die Kirmes hängt, nicht Schausteller geworden sondern Industriemechanikermeister? „Kirmes muss man im Blut haben, da wird man reingeboren“, sagt er. Irgendwann würde er schon gerne mal eine ganze Saison mitfahren, „das ist so ein Traum von mir“. Zunächst wird er aber im Sommer auf der Cranger Kirmes („für mich die schönste Kirmes“) sein Modell ausstellen – eine Aktion zum Kulturhauptstadtjahr. Auch irgendwie traumhaft, wie er findet. Der größte Traum aber wird noch einige Energie kosten. Jakubith will seine zweieinhalb Quadratmeter große Kirmes weiter ausbauen: „Irgendwann soll sie dreimal so groß sein. Ein Lebenswerk.“

Quelle: wa.de

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