NRW-Schulministerin antwortet

Ärgernis Unterrichtsausfall: Mehr Lehrer gefordert

DÜSSELDORF - Die Elternschaft in Nordrhein-Westfalen hat Konzepte gegen Unterrichtsausfall und mehr Lehrer als Vertretungsreserve gefordert. Die Gewerkschaft GEW fordert ebenfalls zusätzliche Lehrerstellen.

"Es fällt zu viel Unterricht aus", kritisierte der Vorsitzende der Landeselternkonferenz, Eberhard Kwiatkowski, am Mittwoch. Es sei auch "nicht zufriedenstellend", dass es dazu keine konkreten Zahlen gebe und auch keine klare Definition für Unterrichtsausfall.

Zusätzliches Personal unbedingt erforderlich

Auch die Gewerkschaft GEW betonte, ohne zusätzliches Personal sei das Problem nicht zu bewältigen. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will am Nachmittag eine neue Stichproben-Untersuchung zum Unterrichtsausfall veröffentlichen. Über die Erfassung des ausgefallenen Unterrichts hatte es langen Parteienstreit gegeben.

Hier finden Sie ein Interview mit Eberhard Kwiatkowski von der NRW-Elternkonferenz zur Ausfallquote

Der Landesrechnungshof (LRH) hatte mit einer hochgerechneten Quote von 4,8 Prozent quer durch alle Schulformen doppelt soviel Ausfall ermittelt wie eine Stichprobe der früheren schwarz-gelben Landesregierung für das Schuljahr 2009/2010. Man habe Verständnis für kranke Lehrer, auch mal für größere Ausfälle wie aktuell wegen der Grippewelle, sagte Elternvertreter Kwiatkowski. Aber: "Wir fordern Kompensationsmaßnahmen."

So müsse für alle Fächer und an allen Schulen der Lernstoff bereitliegen, damit sich Schüler - nach kurzer Einführung durch eine Ersatzkraft - zumindest selbst weiter mit der Materie befassen könnten. Man brauche zudem mehr Lehrer. Ein Sprecher der GEW nannte einen Stellenzuschlag von sieben Prozent als Ziel.

Unterrichtsausfall ist Definitionssache

Das Erheben von Unterrichtsausfall an Schulen ist kein Kinderspiel. Es fängt schon bei der Definitionsfrage an. Ist eine Exkursion Unterrichtsausfall? Wenn krankheitsbedingt Englisch ausfällt und die betroffene Klasse mit einem anderen Englischkurs zusammengelegt wird, ist das auf jeden Fall erteilter Ersatzunterricht?

Oder wie ist es zu bewerten, wenn Mathe ausfällt, ein Fachlehrer aber stattdessen Deutsch-Unterricht erteilt? Unklar ist auch, ob stille Eigenarbeit unter Betreuung eines Ersatzlehrers als Ausfall zu definieren ist.

Ein Gutachten im Auftrag des Schulministeriums kam vor einem Jahr zu dem überraschenden Ergebnis, dass ausgefallener Unterricht "das Schülerlernen - wenn überhaupt - dann nur in einem sehr geringen, zumeist nicht statistisch bedeutsamen Umfang" beeinflusst.

Dagegen sehen andere Experten negative Folgen für Unterrichtsqualität und Bildungserfolg. Opposition und der Landesrechnungshof fordern seit Längerem eine umfassende Ausfallstatistik.

Neue Erhebung: 1,7 Prozent fallen aus

An nordrhein-westfälischen Schulen fallen 1,7 Prozent des Unterrichts ersatzlos aus. Das ist umgerechnet etwa alle zwei Wochen eine Schulstunde, wie eine Stichproben-Erhebung für das laufende Schuljahr und die rund 5 700 öffentlichen Schulen im Land ergeben hat.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) stellte die Untersuchung am Mittwoch in Düsseldorf vor. Die letzte Stichprobe vor fünf Jahren hatte einen Ausfall von 2,4 Prozent ermittelt. Allerdings haben aktuell der Vertretungsunterricht und auch der "Unterricht in besonderer Form", etwa Projekttage oder Klassenfahrten, zugenommen.

Der Eindruck, dass Unterrichtsausfälle in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hätten, sei widerlegt, betonte Löhrmann. - dpa

Quelle: wa.de

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