Landarztquote und Mediziner aus Österreich sollen Ärztemangel bessern

BERLIN/WERNE – Wer sich für einige Jahre als Landarzt verpflichtet, soll künftig bevorzugt einen Studienplatz in Medizin erhalten. Eine solche „Landarztquote“ gehört zu den Plänen von Gesundheitsminister Philipp Rösler gegen den Ärztemangel vor allem im ländlichen Raum, bestätigte das Ministerium in Berlin. Die Einführung einer „Vorabquote“ sei bei besonderem öffentlichen Bedarf für künftige Landärzte denkbar, erfuhr die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Für potenzielle Bundeswehrärzte gibt es laut Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) bereits eine solche Quote von 1,8 Prozent der Studienplätze.

Rösler plädierte für eine Kombination von Maßnahmen gegen den Ärztemangel:

▪ den Notendurchschnitt als Zugangsvoraussetzung zum Medizinstudium (Numerus Clausus) abschaffen,

▪ die Auswahlgespräche der Fakultäten noch stärker berücksichtigen,

▪ mehr Studienplätze schaffen,

▪ außerdem sollen Kommunen und Kassenärztliche Vereinigungen künftig in unterversorgten Gebieten eigene Praxen betreiben können, in den Ärzte zunächst als Angestellte arbeiten.

Von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kam Applaus für Röslers Forderung nach einem breiteren Zugang zum Medizinstudium. „Wer in Münster Medizin studieren will, braucht einen Schnitt von 1,1. Ich habe aber den Eindruck, dass uns die Abiturnoten nicht die Mediziner bringen, die wir brauchen“, sagte Laumann gestern bei einem Besuch des St.-Christophorus-Krankenhauses in Werne. „Ich glaube, dass wir 50 Prozent mehr Ärzte haben müssten“, so der Minister. Damit stelle sich auch die Frage nach einer neuen Fakultät. „Dabei gilt meine persönliche Unterstützung Bielefeld, da es sonst in Westfalen nur noch die Universitäten Münster und Bochum gibt.“ Qualitätsverluste durch eine gelockerte Zugangsbeschränkung fürchtet Laumann nicht. Die Abiturnote allein sei nicht maßgeblich: „Um Arzt zu sein, braucht es bestimmte Typen.“

In eigener Zuständigkeit will der NRW-Minister in den nächsten Wochen durch ein Abkommen mit der österreichischen Ärztekammer einen Beitrag zur Bekämpfung des Ärztemangels in den NRW-Kliniken leisten. In dem Nachbarland stünden pro Jahr ungefähr 500 Nachwuchsmediziner auf der Straße. Mit aktiver Vermittlung soll dort dafür geworben werden, die Praxis- und Fortbildungsjahre in NRW-Krankenhäusern zu absolvieren und zugleich hier die Lücken zu schließen. Bundesweit waren im vergangenen Jahr rund 5 000 Stellen im ärztlichen Dienst unbesetzt. ▪ dpa/bkr

Quelle: wa.de

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