Proteste gegen Einmarsch türkischer Truppen in Syrien

News-Ticker: Verletzte bei Kurden-Mahnwache in Lüdenscheid - Ferber: "Unerträglich"

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Ein Mann wurde im Tumult auf den Treppen am Sternplatz  niedergestochen. Ersthelfer versorgen ihn. 

Bei einer Mahnwache anlässlich des türkischen Militärangriffs in Syrien auf dem Sternplatz in Lüdenscheid ist es zu einer Schlägerei zwischen kurdischen und türkischen Demonstranten gekommen. Ein Mann wurde mit einem Messer angegriffen. Alle Entwicklungen im News-Ticker.

  • Bei einer Demo in Lüdenscheid kam es zu einer Schlägerei zwischen Kurden und Türken
  • Ein Mann wurde mit einer Stichwunde ins Krankenhaus eingeliefert
  • Eine Mordkommission wurde eingerichtet
  • Hier geht es direkt zu Fotogalerie und Video
  • Das Minutenprotokoll der Vorfälle
  • Die Polizei bittet um Zeugenhinweise an 02351/9099-0

+++ Ticker hier aktualisieren +++ 

Freitag, 12.43 Uhr: Nachdem sich der erste Schock beim Veranstalter der Kundgebung, Otto Ersching (Die Linke), gelegt hat, schloss er eine Wiederholung einer Mahnwache gegenüber unserer Redaktion nicht völlig aus, „allerdings nicht so bald“. Lüdenscheider Linken-Vorsitzender Jupp Fillipek sagte der Westfalenpost, er habe noch nie einen solchen Hass gesehen. 

Freitag, 11.58 Uhr: SPD-Stadtverbandschef Fabian Ferber forderte, Demonstranten und Störer müssten sich gleichermaßen zurücknehmen. Am Mittwoch sei es von beiden Seiten zu nationalistischen Äußerungen gekommen. „Möglicherweise war die Linke bei ihren Vorbereitungen der Mahnwache etwas zu naiv.“ Die türkischen Störer hätten nach Ferbers Worten „regulär eine Gegendemo anmelden müssen“. Der SPD-Chef bezeichnete es als „unerträglich, wenn aus Nachbarn plötzlich Feinde werden“.

Donnerstag, 18.02 Uhr: Polizeisprecher Dietmar Boronowski verteidigt die Strategie der Einsatzkräfte. Zunächst hielten sich die meisten Beamten „nicht sichtbar im Hintergrund“, aber mit Beginn der tätlichen Angriffe „sind wir sofort mit massiven Kräften nachgerückt und haben starke Präsenz gezeigt“, so Boronowski. Nach Rücksprache mit den Veranstaltern sei der schnelle Abbruch der Kundgebung erfolgt. „Wir haben die Lage nicht falsch eingeschätzt, wir haben alles richtig gemacht.“

Donnerstag, 17.42 Uhr: Seit den Vorkommnissen der zurückliegenden Tage in mehreren NRW-Städten und besonders nach der Gewalt auf dem Lüdenscheider Sternplatz fahren die Polizeibeamten vor allem in der Nähe türkischer oder kurdischer Einrichtungen verstärkt Streife. Das entspreche auch einer Vorgabe des Innenministeriums. Zudem halte der Bezirksdienst der Polizei engen Kontakt zu Verantwortlichen der betroffenen Gruppierungen, sagte Dietmar Boronowski, Sprecher der Polizei MK.

Donnerstag, 16.32 Uhr: Unklar ist, ob es sich vor allem bei den kurdischen Demonstranten ausschließlich um Lüdenscheider handelte oder ob Teilnehmer extra aus anderen Städten angereist sind. Ein Sprecher der kurdischen Gemeinschaft - der nicht genannt werden will - sagte gegenüber unserer Zeitung, viele der älteren Demonstranten kenne er aus Lüdenscheid, „die jüngeren eher nicht“. Doch egal, ob die Angreifer aus Lüdenscheid stammen oder von außerhalb – „so etwas darf nicht passieren, wir sind gegen Gewalt“. Der Kurden-Sprecher bezeichnete die Vorgänge auf dem Sternplatz als "große Katastrophe". 

Donnerstag, 14.44 Uhr: Die Ermittler haben umfangreiches Video- und Fotomaterial von den Ausschreitungen sichergestellt. Derzeit werden die Dateien hinsichtlich weiterer Straftaten ausgewertet. Sollten Straftaten dokumentiert sein, wird versucht, die Täter zu identifizieren.

Bislang wird im Fall des verletzten 50-jährigen Lüdenscheiders wegen eines versuchten Tötungsdelikts gegen Unbekannt ermittelt. Ein Mann wurde wegen eines Trittes vorübergehend festgenommen. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Bislang gibt es in dem Verfahren noch keine weiteren Beschuldigten. 

Wie Staatsanwalt Nils Warmbold auf Anfrage unserer Zeitung erklärt, erinnere sich das Opfer der mutmaßlichen Messerattacke nicht an den Angriff – sondern nur daran, dass er in dem Getümmel der Auseinandersetzung plötzlich verletzt am Boden lag. Warmbold: „Derzeit ist noch nicht einmal klar, ob wirklich ein Messer im Spiel war oder ein anderer Gegenstand, möglicherweise eine Fahnenstange oder ähnliches.“

Donnerstag, 14.20 Uhr: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht nach den Ausschreitungen in Lüdenscheid und in anderen Städten des Landes  "die Grenze unserer Toleranz klar überschritten". Bei allem Verständnis für den Willen der Menschen, wegen der Situation in Nordsyrien zu demonstrieren, könne es nicht sein, dass diese Proteste in Gewalt umschlagen, mahnte er in Düsseldorf. "Diese Eskalationen dienen wohl auch kaum der Sache der Kurden. Ich kann nur in aller Deutlichkeit dazu raten, friedlich zu bleiben, sich nicht provozieren zu lassen und jede Provokation zu vermeiden."

Donnerstag, 12.31 Uhr: Was genau ist am Mittwoch auf dem Lüdenscheider Sternplatz passiert? Hier geht es zum Minutenprotokoll.

Mittwoch, 23.19 Uhr: Der schwer verletzte Mann konnte nach Angaben der Polizei am Abend bereits erstmalig zum Sachverhalt angehört werden.

Außerdem wendet sich die Polizei mit einer Bitte an die Öffentlichkeit. Sie bittet Zeugen des Vorfalls, sich mit der Polizei in Lüdenscheid (Tel. 02351/90990) und dem Staatsschutz in Hagen in Verbindung zu setzen.

19.47 Uhr: Neben dem Schwerverletzten erlitten zwei Männer bei der Schlägerei leichtere Platzwunden.

Es war übrigens nicht der erste Zwischenfall. In Herne griffen Kurden einen türkischen Imbiss an. 

19.33 Uhr: Jetzt steht fest: Es gibt mindestens drei Verletzte. Ein 50-jähriger türkischstämmiger Deutscher aus Lüdenscheid wurde durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt. Ein Tatverdächtiger wurde bislang nicht ermittelt. Die Polizei hat aufgrund der Verletzung und der Auffindessituation noch am Abend eine Mordkommission eingerichtet, auch der Staatsschutz wurde informiert. 

19.01 Uhr: Die Polizei geht mittlerweile von mehreren Verletzten aus. Bestätigt ist bislang, dass das Opfer des Messerangriffs mit schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Wie viele Verletzte es noch gibt, ist noch nicht klar. 

Das Foto zeigt, wie nah sich die rivalisierenden Demonstrantegruppen kam, bevor die Situaion eskalierte. 

Der Mann gehörte ersten Erkenntnissen zufolge zu der Gruppe der türkischen Störer. Mindestens eine Person wurde vorläufig festgenommen. 

Der Tatort ist durch die Polizei am Abend abgesperrt worden. 

Der Tatort wurde am Abend abgesperrt. 

Lüdenscheid Bürgermeister Dieter Dzewas verurteilte am Abend in einer ersten Stellungnahme die Gewalt. "Das ist eine Grenzüberschreitung. Das kann nicht akzeptiert werden."

 

Verletzte bei Kurden-Mahnwache in Lüdenscheid

Ein Video einer Überwachungskamera zeigt, wie die beiden Gruppen aufeinander losgehen. Es kommt zu einem Tumult.

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Erstmeldung 17.50 Uhr:

Lüdenscheid - Mit Beginn der Kundgebung hatten sich rund 150 Kurden auf dem Sternplatz eingefunden. Etwas abseits auf den Treppen am Sternplatz hatte sich eine kleine Gruppe von Menschen postiert, die Türkei-Flagge schwenkten und mit "Türkiye, Türkiye"-Rufe die Mahnwache störten. Gleichzeitig wurde aus der Gruppe der kurdischen Protestanten heraus der türkische Präsident Erdogan verunglimpft.

Einige Demonstrationsteilnehmer griffen die Gruppe von rund 20 Personen in einer konzertieren Aktion an. Es kam zu einer wilden Schlägerei. Plötzlich lag ein Mann blutend am Boden. Er war mit einem Messer in den Rücken gestochen worden. Nach der Erstbehandlung wurde er mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Er soll schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt sein. 

Die Polizei rückte mit mehreren zusätzlichen Streifenwagen an und versuchte die Gewalttäter auseinanderzubringen. Offenbar gab es auch mindestens eine Festnahme. 

Mit mehreren Rettungswagen rückte die Feuerwehr an. Auch die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an

Die Kundgebung wurde gegen 17.30 Uhr beendet. Die Veranstalter zeigten sich schockiert. Ihre Aufrufe, gewaltfrei zu demonstrieren verhallten ungehört. 

Mit der Mahnwache wollten die Organisatoren öffentlich gegen den Einmarsch türkischer Truppen in Syrien protestieren. Die Polizei war zuvor von einem "friedlichen Verlauf" ausgegangen.

Wir berichten weiter. 

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Quelle: wa.de

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