Kunstsammlung NRW zeigt Geschichte ihrer Klee-Bilder

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DÜSSELDORF - 101 Werke von Paul Klee besitzt die Kunstsammlung NRW. Das Haus zeigt nun erstmals den gesamten Bestand. Fast wichtiger als die berühmten Motive sind dabei die Rückseiten der Bilder.

Paul Klee widerfuhr Anfang der 1930er Jahre in Düsseldorf großes Leid. Die Nazis vertrieben den ehemaligen Bauhaus-Lehrer und renommierten Maler 1933 von der Kunstakademie. Klee starb 1940 im Schweizer Exil. Als einen Akt der Wiedergutmachung kaufte das Land Nordrhein-Westfalen 1960 ein Konvolut von 88 Werken Klees für 6,5 Millionen Mark von einem amerikanischen Industriellen. Der Grundstock für die Kunstsammlung des Landes war gelegt.

Erstmals präsentiert die Kunstsammlung in Düsseldorf ihren Gesamtbestand an inzwischen 101 Werken Klees. Der Titel der Ausstellung lautet zwar "100 x Paul Klee - Geschichte der Bilder". Doch kurz vor der Eröffnung konnte sich das Haus über die überraschende Schenkung eines Bildes aus der Kollektion einer Baden-Badener Kunstsammlerin freuen. Der Bestand der Kunstsammlung gehört zu den umfangreichsten Klee-Sammlungen in Deutschland. Gemessen am Gesamtwerk Klees von 9000 Arbeiten ist das aber auch nur ein kleiner Ausschnitt.

Das Augenmerk der Kuratoren lag weniger auf den weltbekannten Vorderseiten der Bilder, als auf den Rückseiten. Vielfältige vergilbte Aufkleber von Sammlern, Galerien und Museen zeugen wie Kofferaufkleber von den weiten und manchmal auch heiklen Reisen der Bilder.

Die wichtigste und symbolträchtige Fahrt traten die Düsseldorfer Bilder 1966 nach Israel an. Die Sammlung wurde eine Art Botschafter der Kunst für Deutschland, das nach dem Zivilisationsbruch durch die Hitler-Diktatur den Weg zurück in die Gemeinschaft der Kulturnationen suchte. In der kurzen Tauwetter-Periode des Kalten Krieges 1968/69 reisten die Bilder nach Belgrad, Bukarest und Prag.

Die Rückseiten einiger Bilder geben aber auch Aufschluss über manchmal unbekannte Techniken Klees. So ist das Werk "43" aus dem Jahr 1928 auf der Rückseite mit dicker weißer Spachtelmasse bedeckt. "Unendlich viele Materialien" wie Seide, Jute, Tüll und Holz habe Klee eingesetzt, sagt Kuratorin Anette Kruszynski. Klee sei eigentlich ein Objektkünstler. "Er hat seine Arbeiten als Ganzes gedacht, nicht nur als plane Fläche." Auch misslungene Entwürfe sind auf den Rückseiten etwa des berühmten bunten Ölbildes "Kamel (in rhythm. Baumlandschaft)" von 1920 oder "rote Weste" (1938 ) zu finden.

Berühmte Galerien wie "Der Sturm" von Herwarth Walden entdeckten Klees Farbenpracht schon vor dessen legendärer Tunis-Reise 1914. Klee produzierte nicht nur viel, er arbeitete auch früh an seiner Karriere. Bereits 1923 stellte die Berliner Nationalgalerie seine Werke aus. Sie waren bei deutschen und amerikanischen Industriellen beliebt. 1930 richtete das New Yorker Museum of Modern Art eine Ausstellung für Klee aus.

Die Nazis verfemten Klees Kunst als "entartet" und konfiszierten 1937 während der Beschlagnahme-Aktion mehr als 100 seiner Bilder. Alle Werke der Düsseldorfer Sammlung seien auf ihre Vorbesitzer untersucht worden, betont die Kunstsammlung. Bisher ließen sich keine Hinweise auf NS-Raubkunst finden. Doch bei einigen Bildern wie "Federpflanze" (1919) oder "Das schamlose Tier" (1920) ist der Weg nicht lückenlos zu klären. "Provenienzforschung hört nie auf", sagt Direktorin Marion Ackermann. - dpa

Quelle: wa.de

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