Ulrich Bettermann stellt Flugzeug

Chodorkowski mit Mendener Hilfe nach Deutschland

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Der Eigentümer der OBO Bettermann, Ulrich Bettermann, steht auf dem Flugplatz Arnsberg-Menden vor einem Firmenflugzeug

[UPDATE 18.15 Uhr] MENDEN/MOSKAU/BERLIN - Nur Stunden nach der Begnadigung von Kremlchef Putin landete sein Erzfeind Michail Chodorkowski am Freitag in Berlin – mit Hilfe aus Westfalen.

Von Thomas Hagemann, Ulf Mauder und Benedikt von Imhoff

Auf Bitte von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher schickte der Unternehmer Ulrich Bettermann einen Privatjet vom Flugplatz Arnsberg/Menden nach Russland, um den 50-jährigen Ex-Häftling nach Berlin zu holen.

Chodorkowski landete am Nachmittag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld, wo ihn Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher in Empfang nahm. In der deutschen Hauptstadt soll seine krebskranke Mutter behandelt werden. Sie hielt sich gestern im Raum Moskau auf, wird offenbar an diesem Samstag in Berlin erwartet.

Michail Chodorkowski

Chodorkowski, der am Morgen von Präsident Putin „aus humanitären Gründen“ begnadigt worden war, kam mit einem Firmenflugzeug der Unternehmensgruppe OBO Bettermann aus Menden nach Berlin. Der leidenschaftliche Pilot Ulrich Bettermann war am Donnerstag in seinem ungarischen Werk von Hans-Dietrich Genscher angerufen worden, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtete. „Uli, du musst mir helfen“, habe der Ex-Außenminister gesagt. „Dann haben wir zusammen einen Plan für den Flug entworfen. Das musste in aller Stille laufen, schließlich konnte das ja keine Regierungsmaschine sein. Und am Ende haben wir gesagt: Wir ziehen das so durch.“

Der Mendener Unternehmer kennt alle Beteiligten persönlich. Chodorkowski und Putin waren ihm früher schon beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos begegnet.

Ulrich Bettermann beorderte seinen erfahrensten Piloten, Heiko Bauer, der sich gerade in Salzburg aufhielt, in Richtung Heimat. Am Flugplatz Arnsberg-Menden stand Bettermanns Delta IOBC bereit für den Flug nach St. Petersburg. Zunächst hätten Genscher und er noch Probleme befürchtet, weil weder Heiko Bauer noch dessen Copilotin über Visa verfügten. „Ohne die kommt man normalerweise nicht rein.“ Es klappte trotzdem. Als Chodorkowski im Jet saß, rief er bei Bettermann an und bedankte sich. In Berlin soll er derzeit im Hotel Adlon untergebracht sein.

Flugzeuge auf dem Rollfeld des General Aviation Terminals (GAT) im Süden des Flughafens Berlin-Schönefeld.

Michail Chodorkowski hätte regulär nach zwei international umstrittenen Urteilen erst im August 2014 wieder in Freiheit kommen sollen. Ein Begnadigungsgesuch hatte er stets abgelehnt, weil damit nach Kremlangaben ein Schuldeingeständnis verbunden ist. Der frühere Chef des einst größten russischen Ölkonzerns Yukos war unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Diebstahls verurteilt worden. Viele Kritiker vermuteten aber ein politisch motiviertes Urteil.

Dass er freikommt, gilt als beispielloses Zugeständnis des Kremls an den Westen vor den Olympischen Winterspielen, die am 7. Februar in Sotschi eröffnet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Freilassung Chodorkowskis. „Sie freut sich sehr“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter.

Ulrich Bettermann betrachtet den Flug indes auch als Werbung für sein Unternehmen: „Unser US-Geschäftsführer hat inzwischen schon angerufen und nach Details gefragt. Die Amerikaner wollen unbedingt mehr wissen. Aber die Geschichte geht ja bis nach Peking“, schmunzelt der Unternehmer, der über beste Beziehungen in der großen Politik verfügt. Neben Genscher zählt er auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier (beide SPD) zu seinen Duzfreunden.

Die weltweit operierende OBO-Gruppe ist Hersteller von Gebäudeinstallationstechnik. Seit kurzem hat sie auch ein Werk in Russland.

Weitere Berichte rund um Michail Chodorkowski lesen Sie hier in unserem Politik-Ressort.

Quelle: wa.de

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