Krankenhausreform könnte NRW 3000 Pfleger bringen

DÜSSELDORF - "Die Götter in Weiß" stehen meist im Fokus, wenn Probleme in Krankenhäusern erörtert werden. Dabei hängt das Schicksal der Patienten nicht allein an den Ärzten. Immer wichtiger werden Pflegekräfte. 3000 Stellen könnten in NRW im kommenden Jahr entstehen.

Die von Bund und Ländern vorbereitete Krankenhausreform könnte für Nordrhein-Westfalen einen deutlichen Zuwachs an Pflegestellen in Kliniken bringen. Rund 3000 zusätzliche Stellen ab 2016 seien möglich, sagte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) am Montag in Düsseldorf. Die Pflegekräfte seien angesichts wachsender Zahlen von Patienten mit Demenz oder mehreren Erkrankungen "absolut überfordert".

Die Anfang Dezember in Berlin vorgestellten Eckpunkte einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe sehen vor, dass die Kassen bundesweit 660 Millionen Euro für ein Pflegestellen-Programm zur Verfügung stellen sollen. Allerdings müssten die Krankenhäuser sich mit zehn Prozent an den Kosten beteiligen. Die Empfehlungen sollen nächstes Jahr in ein Gesetz gegossen werden.

10.000 neue Artstellen seit 2000, aber keine Pfleger

Während die Zahl der Krankenhausärzte in NRW seit dem Jahr 2000 um mehr als 10.000 Stellen gewachsen sei, gebe es beim klinischen Pflegepersonal Stillstand, kritisierte Steffens. Dabei sei die Patientenzahl in den NRW-Krankenhäusern von 1995 bis 2013 um gut ein Viertel auf rund 4,4 Millionen gestiegen. Ende 2013 gab es in NRW gut 100.000 Pflegekräfte, keine 300 mehr als im Jahr 2000.

"Mehr Pflege am Bett ist oft entscheidend", betonte Steffens. Nach einer Operation komme eine entscheidende Phase, in der Komplikationen oder Stürze vorkommen oder eben vermieden werden könnten. Das Gleiche gelte für die wichtige Mobilisierung des Patienten nach einem Eingriff, auf die aber jemand achten müsse.

Steffens rechnet mit insgesamt rund 215 Millionen Euro zusätzlich für den Umbau der Krankenhauslandschaft in NRW in den Jahren 2016 bis 2018. Die Hälfte soll aus dem Gesundheitsfonds des Bundes kommen, die andere Hälfte müsste kofinanziert werden.

Nicht jedes Krankenhaus soll alles anbieten

Die Eckpunkte der Bund-Länder-AG sehen auch vor, dass Krankenhäuser, die aus eigener Kraft nicht überleben können, aber für die Grundversorgung der Bevölkerung unverzichtbar sind, künftig einfacher als bisher an einen sogenannten Sicherungszuschlag kommen. In NRW gebe es dazu bislang erst mit einer einzigen Klinik in Eitorf Verhandlungen, sagte Steffens. Für die Krankenhäuser sei es künftig überlebenswichtig, mehr zusammenzuarbeiten, mahnte Steffens. Sowohl auf dem Land als auch in Ballungsräumen "muss es dazu kommen, dass Häuser sich auf ihre Stärken konzentrieren und nicht jeder meint, alles anbieten zu müssen".

Die Eckpunkte der Reform sehen bundeseinheitliche Qualitätskriterien vor. Krankenhäuser mit außerordentlicher Qualität könnten demnach mit den Krankenkassen Zuschläge vereinbaren. Schlechte Häuser sollen ermahnt und nach einem Jahr ohne Verbesserungen mit Abschlägen bestraft werden. - dpa

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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