In Köln beginnt Deutschlands erster japanischer Lehramtsstudiengang

+
Die japanische Grundschule Düsseldorf. Japanisch soll auch an deutschen Schulen zum Angebot gehören.

KÖLN - Manga-Comics und Fernsehsendungen weckten Patrizia Kolls Interesse für Japan. „Dann hat eine Freundin mir von japanischer Musik erzählt und das hat mir gefallen. Ich habe dann auch mehr Kontakt zur Sprache und zur Kultur bekommen“, erzählt sie.

Jetzt gehört sie zu den ersten zehn Studenten von Deutschlands erstem Lehramtsstudiengang Japanisch. Mit Beginn des Wintersemesters geht es heute los.

Zwei Volkshochschulkurse hat Patrizia gemacht: „Watashi wa Patrizia desu“, sagt die 19-Jährige zum Beweis – ich heiße Patrizia. Ab Montag wird sie ihre Kenntnisse bei sechs Stunden Japanischunterricht wöchentlich sowie Modulen zur Kultur- und Geistesgeschichte des Landes anwenden. Mindestens drei Monate wird Patrizia in Japan leben, bevor sie sich nach fünf Jahren Regelstudienzeit „Master of Education“ nennen darf. Wenn alles gutgeht.

Für Franziska Ehmcke, Professorin der Japanologie an der Universität Köln, ist Patrizias Weg typisch: „Es wachsen immer mehr Kinder mit Manga, mit Nintendo, Playstation, Pokémon und Anime auf.“ Für junge Menschen sei aber auch die Ästhetik der Sprache entscheidend: „Sie sagen: ‘Die Schrift ist geil, das möchten wir lernen.’“ Wichtig ist für die Professorin die Verknüpfung der modernen Inhalte mit der klassischen Kultur. Über der Tür in ihrem Büro prangen große Schriftzeichen, übersetzt steht dort: „Tausend alte Dinge und frischer Wind."

Das Interesse junger Menschen am Land der aufgehenden Sonne ist also da. Aber wer braucht denn gleich eine Truppe Pädagogen? Franziska Ehmcke ist sich sicher, dass der neue Studiengang eine Lücke schließt. An 13 Gymnasien könne man in Nordrhein-Westfalen das Unterrichtsfach Japanisch belegen – die Erfahrungen seien sehr gut.

Allerdings beschäftigen die Schulen bis jetzt Lehrkräfte ohne Staatsexamen und offizielle Anerkennung. Das will die Professorin nun ändern und ist sich sicher: „Wenn das Angebot da ist, wird die Nachfrage steigen.“ Allerdings wird den Studenten geraten, zu den beiden Lehramtsfächern noch ein Drittes zu belegen, um auf dem Arbeitsmarkt flexibler zu sein. Japanischlehrer – das ist noch eher exotischer Zusatz als feste Basis.

Für Claudia Beck-Deim, Vorsitzende des Vereins der Japanischlehrkräfte im deutschsprachigen Raum, war die Einrichtung des Studiengangs dennoch überfällig: „Es ist ein Schritt zur Professionalisierung der Lehrkräfte.“ Sie gibt aber auch zu, dass noch mehr Lobbyarbeit an den Schulen benötigt werde. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare