Junge starb durch Schlag mit Staubsaugerrohr

Tod eines Pflegekindes (1): Welche Rolle spielte die Pflegemutter?

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Von der Notaufnahme Hellersen wurde das Kleinkind in die Uniklinik Essen geflogen, wo es Stunden später verstarb.

Plettenberg – Neueste Erkenntnisse im Fall des getöteten Pflegekindes in Plettenberg werfen auch auf die Pflegemutter ein neues Licht. "Die Frage lautet: Hat sie weggeguckt oder war sie unmittelbar beteiligt?“, sagt der Staatsanwalt.

Der 17 Monate alte Junge wurde nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Hagen vom 30-jährigen Pflegevater zuerst durch die stumpfe Gewalteinwirkung eines Staubsauger-Endstücks verletzt und anschließend so stark geschüttelt, dass er Stunden später an den Folgen der dabei erlittenen Hirnblutungen in der Uniklinik Essen verstarb. Wo die Pflegemutter zum Tatzeitpunkt war, blieb bislang ungeklärt. 

Wie der ermittelnde Staatsanwalt Michael Burggräf auf Anfrage bestätigte, „befand sich die Pflegemutter zur Tatzeit in dem gemeinsamen bewohnten Haus, aber nicht unmittelbar vor Ort“. Nachdem nun feststeht, dass das Kind schon Monate vor seinem gewaltsamen Tod am 3. Januar 2019 körperlich misshandelt wurde, ist auch die Pflegemutter wieder stärker ins Visier der Ermittlungen gerückt, denn laut Staatsanwalt Burggräf könne man ihre Mitwirkung beim Tatvorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen nicht komplett ausschließen. 

Ihr Fall wird jetzt in einem gesonderten Verfahren betrachtet. „Die Frage lautet: Hat sie weggeguckt oder war sie unmittelbar beteiligt?“, so der Staatsanwalt, der damit die Frakturen des Unterarms und des Schienbeins meint. Beide Verletzungen wurden nicht an einem Tag, sondern in einem zeitlichen Abstand von mehreren Wochen zwischen August und September 2018 ausgeübt.

Lesen Sie hier unsere komplette Berichterstattung zu dem Fall

Erkenntnisse aus Prozess gegen Pflegevater sollen in Verfahren gegen Pflegemutter einfließen

Die Erkenntnisse aus der wohl in diesem Sommer beginnenden Hauptverhandlung vor dem Landgericht Hagen gegen den Pflegevater sollen in das Ermittlungsverfahren gegen die Pflegemutter mit einbezogen werden.

Berücksichtigt wird im Hauptverfahren auch die Rolle der Lebenshilfe e.V. und des Jugendamtes Gelsenkirchen. Dazu seien bereits Zeugen vernommen worden, so Burggräf. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keine Anhaltspunkte für ein Versagen“, so der Staatsanwalt gegenüber der Heimatzeitung. Dies könne sich aber auch ändern, wenn es entsprechend glaubhafte Aussagen des Angeklagten im Hauptverfahren zu dem Thema geben würde.

Was die Frakturen bei dem Kleinkind angeht, gab es laut Burggräf keine medizinische Dokumentation, auch wenn es in dem genannten Zeitraum Besuche beim Kinderarzt gab.

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Quelle: wa.de

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