1000 Einrichtungen betroffen

Kita-Erzieher in NRW im unbefristeten Streik

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[UPDATE 16 Uhr] Düsseldorf - Viele Eltern in NRW müssen in diesen Tagen ihr Organisationstalent unter Beweis stellen: Weil streikende Erzieher mehr Geld fordern, bleiben Hunderte kommunale Kitas geschlossen.

Jetzt brauchen auch die Eltern in Nordrhein-Westfalen richtig gute Nerven: Die Welle unbefristeter Streiks an kommunalen Kindertagesstätten hat am Montag NRW erreicht. Rund 10.000 Beschäftigte aus Kitas und sozialen Diensten legten laut Verdi landesweit ihre Arbeit nieder. Es gab Aktionen und Kundgebungen. Nach Verdi-Angaben waren etwa 1000 Kitas betroffen. Auch in offenen Ganztagsschulen, der Jugend- und Familienhilfe, Sozialdiensten und Behinderteneinrichtungen wird gestreikt.

Tausende gingen für eine bessere Bezahlung und die Aufwertung ihres Berufes lautstark die Straße: 1700 in Dortmund, mehrere hundert in Düsseldorf, knapp 3000 in Köln und bei der landesweit zentralen Kundgebung der Gewerkschaft komba in Aachen kamen mit 3500 deutlich mehr als erwartet - fast alles Frauen. Und die hauten mit einem ohrenbetäubenden Lärm von Trillerpfeifen, Tröten und Rasseln richtig auf den Putz. "Ich bin Mehrwert" stand auf vielen T-Shirts und auf Transparenten: "Leistung kostet faire Bezahlung" oder "Soziale Berufe verdienen eine soziale Bezahlung".

In Nordrhein-Westfalen gibt es aktuell rund 9600 Kindertageseinrichtungen. Davon werden etwa ein Viertel - knapp 2400 Einrichtungen - von den Kommunen betrieben. Im laufenden Kita-Jahr sind laut Familienministerium die Kirchen für rund 3700 Kindergärten zuständig, die damit größter Träger von Kindertageseinrichtungen bleiben. Hinzu kommen rund 2300 Tagesstätten von freien Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Und im bevölkerungsreichsten Bundesland werden weitere gut 1200 Einrichtungen von Elterninitiativen betrieben. In den insgesamt 9600 Kitas in NRW gibt es derzeit rund 572.000 Betreuungsplätze. Hinzu kommen 48.100 Plätze bei Tagesmüttern oder -Vätern.

Bei der Kundgebung in Köln sagte Verdi-Landeschefin Gabriele Schmidt: Eine Kita-Leiterin bekomme mitunter ein so schmales Bruttogehalt - dafür würde sich in der Automobilindustrie niemand ans Fließband stellen. Dabei werde immer mehr von den Erzieherinnen in den Kitas erwartet, rief DBB-Verhandlungsführer Andreas Hemsing in Aachen kämpferisch: Betreuung von Kindern unter drei Jahren, Inklusion, Sprachförderung. Zusätzliche Aufgaben ohne zusätzliche Bezahlung.

"Da gehört eine Wertschätzung her. Und die Wertschätzung kann nur lauten: Höhere Eingruppierung", sagte Hemsing und schwor die Streikenden auf einen harten Arbeitskampf ein. So lange die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber nicht "zu einer Wertschätzung und einer höheren Eingruppierung" bereit sei, dürften die Arbeitnehmer nicht nachlassen: "Da hoffe ich auf Eure Unterstützung." Die Antwort kam mit ohrenbetäubender Lautstärke.

Erzieherin Melanie Gansera ist entschlossen, den Kampf durchzuziehen - auch wenn sie sich damit ins eigene Fleisch schneidet: Ihre Zwillinge, normalerweise in der Kita, hat sie notgedrungen im Kinderwagen zur Kundgebung in Aachen mitgebracht. Beim letzten Streik musste ihr Mann Urlaub nehmen.

Der Streik hat gerade mal begonnen, da wollten am Nachmittag in Dortmund Eltern auf die Straße gehen - für ein Ende des Kita-Streiks. "Dieser Tarifkonflikt wird auf dem Rücken der Familien ausgetragen, insbesondere auf dem der Kinder", sagte der Vizevorsitzende des Landeselternbeirats, Attila Gümüs, in Köln. Viele Eltern seien aber trotz der schwierigen Lage solidarisch mit den Erzieherinnen der kommunalen Kindertagesstätten. Die finanzielle Wertschätzung der täglichen Arbeit sei längst überfällig. Für berufstätige Eltern ohne andere Betreuungsmöglichkeit wurden in vielen Städten Notgruppen eingerichtet.

Die kommunalen Spitzenverbände in NRW riefen die Gewerkschaften auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Es ist an der Zeit, dass die Gewerkschaften wieder auf den Weg inhaltlicher Verhandlungen zurückfinden, um den Tarifkonflikt so rasch wie möglich zu beenden", stellten Städtetag, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund NRW fest. Das erfordere Kompromissbereitschaft. Die von den Gewerkschaften geforderten pauschalen Erhöhungen von teilweise mehr als 20 Prozent seien aber nicht realistisch. - dpa

Quelle: wa.de

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