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Angst vor Corona: Kita-Erzieher mit konkreten Forderungen zu Impfreihenfolge und Tests

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Von: Alexander Schäfer

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona. Der Kontakt zu den Kindern ist eng - oft ohne Maske. Daraus resultieren Forderungen.

Düsseldorf – In NRW sind die Kitas im Corona-Lockdown nicht geschlossen. Zwar existiert der dringliche Appell, die Kinder möglichst nicht in die Kindertageseinrichtungen zu bringen. Doch landesweit besucht mehr als jedes dritte Kind (37 Prozent) eine Einrichtung, in manchen Kitas liegt die Quote bei bis zu 75 Prozent. Kita-Vertreter fordern Konsequenzen. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona - Berufsgruppe mit höchstem Risiko?

Die Kita-Vertreter, aber auch die SPD im Landtag, berufen sich auf eine aktuelle Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK. Dieser zufolge ist die Berufsgruppe der Erzieherinnen und Erzieher dem höchsten Risiko ausgesetzt, an Corona zu erkranken. Für ihre Analyse hat die Krankenkasse die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen der Mitglieder ausgewertet. Ergebnis: Mit 2672 entsprechenden Krankschreibungen pro 100.000 Beschäftigten lagen Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung zwischen März und Oktober 2020 um mehr als das Doppelte über dem bundesweiten Durchschnitt – noch vor den Gesundheits- und Pflegefachkräften.

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona: Forderung nach früherer Impfung

Aus Sicht des Kita-Zweckverbandes „Katholische Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen“ sind diese Zahlen alarmierend. Der Zweckverband, mit rund 260 Einrichtungen in den Städten, Kreisen und Kommunen des Ruhrbistums einer der größten freien Träger von Kitas in Deutschland, fordert Konsequenzen. So müsse die Impfstrategie geändert werden. Es sei dringend geboten, so heißt es in einer Mitteilung aus Essen, dass die Kita-Fachkräfte so schnell wie möglich geimpft werden, nicht erst an zweiter oder gar dritter Stelle.

Denn: Anders als die meisten Berufsgruppen arbeiten die Erzieher aus pädagogischen Gründen überwiegend ohne Maske und in engem körperlichen Kontakt mit den ihnen anvertrauten Kindern. Den Kita-Alltag in Corona-Zeitem schilderten unter anderem Erzieher aus der NRW-Stadt Hamm kürzlich eindrucksvoll. Eine weitere Forderung des Kita-Zweckverbandes: Bei den Kita-Fachkräften müssten in noch regelmäßigeren Abständen kostenlose Schnelltests vorgenommen werden.

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona: Infektionen im Monat Januar

Im Monat Januar waren in den Kitas 112 Kinder und 243 Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert. Diese Zahlen sind allerdings nicht abschließend, da sie fortlaufend und teilweise rückwirkend den Landesjugendämtern gemeldet werden.

Ein düsteres Bild von der Situation in den Kitas zeichnete in dieser Woche auch Thomas Kutschaty. „In den Kitas liegen die Nerven blank, die Verzweiflung ist groß. Viele Erzieher haben Angst“, sagte der Chef der SPD-Fraktion in einer Debatte im Landtag. Der ehemalige Justizminister griff seinen Nachfolger Peter Biesenbach (CDU) scharf an, weil dieser Staatsanwälte dazu aufgerufen habe, ihre Kinder trotz Lockdowns in die Kitas zu schicken. Kutschaty sieht Familienminister Joachim Stamp (FDP) in der Pflicht, einen „gescheiten Plan“ für die Kitas vorzulegen.

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona: Familienminister verteidigt Pandemiebetrieb

Der Familienminister verteidigte den derzeit geltenden eingeschränkten Pandemiebetrieb. Dieser sieht im Gegensatz zum ersten Lockdown im vergangenen Jahr kein Betretungsverbot mit Ausnahmen nur für Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen vor. Das Modell der Notbetreuung vor einem Jahr habe, so Stamp, Neid und Missgunst erzeugt. Eine Auslastung der Kita-Gruppen von 80 oder 90 Prozent habe es damals teilweise auch gegeben.

Nun habe man die Betreuungsstunden um zehn reduziert. Dies gekoppelt an die Eigenverantwortung und Solidarität der Eltern sei ein fairer Prozess. „Wir haben bei allen Entscheidungen in der Corona-Pandemie ein Spannungsfeld zwischen Infektionsschutz und Bürgerrechten. Von diesen Bürgerrechten gehören die Bildungschancen unserer Kinder ganz nach vorn“, rechtfertigte Stamp sein Vorgehen. Er stehle sich nicht aus der Verantwortung. Er sei froh und dankbar, dass zwei Drittel der Eltern den solidarischen Weg mitgehen und ihre Kinder zu Hause betreuen.

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona: So soll die Sicherheit erhöht werden

Stamp erklärte, dass man an einem „Öffnungsprozess“ für die Zeit nach dem 14. Februar arbeite. „Die Sorgen der Beschäftigten nehmen wir sehr ernst“, teilte sein Ministerium auf Anfrage mit. Klar sei, dass „uns allen auch in den nächsten Wochen massive Herausforderungen bevorstehen“. Um die Sicherheit der Erzieher zu erhöhen, habe man unter anderem vier Millionen Euro in KN95-Masken (entsprechen in ihrer Wirkung den FFP2-Masken) und 147 Millionen Euro für das Alltagshelfer-Programm in 2021 investiert. Jeder Kita-Beschäftigte könne sich bis zu den Osterferien sechsmal kostenlos testen lassen. Als zusätzliche Infektionsschutzmaßnahme werden die Gruppen in den Kitas getrennt.

In vier Kölner Kitas sind zuletzt Fälle der britischen Coronavirus-Variante aufgetreten. Wie die Stadt Köln mitteilte, sei das mutierte Virus nachträglich bei vier Erziehern sowie bei zwei Kindern nachgewiesen worden. Bei weiteren positiv getesteten Personen stehen Ergebnisse noch aus. Laut Medienberichten traten auch Fälle in einer Kölner Unterkunft für Geflüchtete und in einem Krankenhaus auf. Auch im Kreis Paderborn wurde bei zwei Personen die britische Variante des Virus nachgewiesen. Zuvor waren in NRW elf Fälle der zuerst in England entdeckten Mutation B.1.1.7 bekanntgeworden sowie drei der zuerst in Südafrika aufgetretenen Variante. Die Infizierten stammen unter anderem aus Solingen, Bottrop und Gütersloh.

Kita-Erzieher in NRW haben Angst vor Corona: Weitere wichtige Themen aus dem Bildungsbereich

Weil Kitas und Schulen geschlossen bleiben, haben Eltern 2021 mehr Anspruch auf Kinderkrankengeld. Die Regelung für die Antragstellung bei der Krankenkasse nimmt Formen an.

Eine weitere drängende Frage aus dem Bildungsbereich: Wie geht es mit den Schulen in NRW weiter? Schulministerin Yvonne Gebauer hat nun einen wichtigen Termin genannt.

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