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Wirbel um Eltern-Testpflicht beim Kinderarzt: NRW-Regierung klärt auf

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Von: Georg Dickopf, Alexander Schäfer, Simon Stock

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Eine Corona-Testpflicht für Eltern, die ihr Kind zum Kinderarzt bringen, sorgte für Wirbel. Praxen drohten mit Schließung. Die NRW-Landesregierung klärt auf.

Update vom 24. November, 17.29 Uhr: Kinderärzte in Nordrhein-Westfalen auf den Barrikaden, Eltern ungläubig bis geschockt: Eine vermeintliche Corona-Testpflicht für Eltern, die ihre kranken Kinder zum Arzt bringen, sorgte am Mittwoch für Riesenwirbel. Am Abend kam auf Anfrage von wa.de dann eine Klarstellung aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Demnach handele es sich bei Eltern, Erziehungsberechtigten oder Betreuern nicht um Besucher, sondern um erforderliche Begleitpersonen, die nicht unter die im Infektionsschutzgesetz genannte Testpflicht fallen. Im Klartext: Wer sein Kind zum Arzt bringt, benötigt keinen aktuellen Corona-Test.

GesetzInfektionsschutzgesetz
Seit wann24. November 2021
Gilt inDeutschland

Auch das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich: „Die Testpflicht bezieht sich auf Beschäftigte von Praxen, aber nicht auf Patienten und Begleitpersonen“, stellte ein Sprecher klar. Die Kassenärztliches Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) teilte mit, dass die tägliche Corona-Testpflicht für geimpfte oder genesene Praxismitarbeiter ausgesetzt worden sei.

Wut über neue Corona-Testpflicht für Eltern beim Kinderarzt

[Erstmeldung vom 24. November, 12.06 Uhr] Plettenberg - Großer Wirbel um das neue Infektionsschutzgesetz: Eltern, die ihr krankes Kind zum Arzt bringen, benötigen einen aktuellen Corona*-Test - auch wenn sie geimpft sind. Die Kinderärzte sind sauer über die neue Regel, die sich nach Ansicht des Berufsverbandes aus dem seit 24. November geltenden Gesetzeswerk (Paragraph 28b, Absatz 2, und Paragraph 23, Absatz 3) ergibt.

Jeder Vater, jede Mutter kennt das: Das Kind fiebert und schreit die ganze Nacht durch - am nächsten Morgen geht es dann früh zum Kinderarzt. Doch dort gibt es plötzlich ein Problem.

Denn seit Mittwoch (24. September) sollen alle Personen, die eine Arztpraxis betreten, getestet werden - unabhängig von ihrem Impfstatus. Ausnahmen gelten nur für die Patienten selbst. Für Mütter und Väter bedeutet das einen großen Extra-Aufwand (Bürger-Test) oder schlicht zusätzliche Wartezeit, falls der Test durch die Praxis selbst durchgeführt wird. (Härtere Corona-Regeln in NRW: Die neuen Maßnahmen im Überblick)

Gegen diese Test-Regelung laufen Kinderärzte Sturm. Michael Achenbach aus Plettenberg (NRW), Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Westfalen-Lippe, bringt es regelrecht auf die Palme: „Das bedeutet de facto einen Stopp unserer Arbeit, da jede Begleitperson draußen bleiben muss, wenn sie nicht getestet ist. Wir sind verpflichtet, die Einhaltung dieser Maßnahmen dem Gesundheitsamt nachzuweisen“, sagte er come-on.de*. Deshalb, so Achenbach, werde man die Angelegenheit auch streng handhaben und niemandem ohne maximal 24 Stunden alten Corona-Schnelltest als Begleitperson Zugang zur Praxis gewähren.

Testpflicht für Eltern beim Kinderarzt: Ärzte sauer

Auch Christiane Thiele, Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Nordrhein, ist entsetzt: „Wenn Eltern nur noch getestet in die Praxis dürfen, sind das täglich über 100 Personen. Das bedeutet, dass für Behandlung und Versorgung der Kinder keine Zeit mehr bleibt“, sagte sie. Anders als in Erwachsenen-Praxen kommen Kinder so gut wie immer mit einer Begleitperson.

Der Unmut über die neue Corona-Regelung ist derart groß, dass Praxen am Mittwoch mit Schließung drohten, zumal auch das Praxis-Personal täglich getestet werden muss. „Wir drehen alle am Rad. Wir haben Infektsaison, wir impfen gegen Corona. Unser Personal ist am Ende. Und dann kommt so eine Anordnung aus der Politik“, sagte Thiele. Erfolge bis Ende der Woche „keine rechtssichere, praxistaugliche und kostenneutrale Korrektur, sollten alle Praxen ganz konkret die Schließung einplanen“, betonten Thiele und der Vorsitzende für Westfalen-Lippe, Marcus Heidemann, in einer gemeinsamen Erklärung.

Coronavirus
Testpflicht für Eltern beim Kinderarzt? Riesen-Wirbel um neue Corona-Regel. © Moritz Frankenberg/dpa

Testpflicht für Eltern beim Kinderarzt: Kritik an Politik

„In Berlin haben sie sich nicht getraut, das Gesetz für Ungeimpfte schärfer zu formulieren. Und weil diese Differenzierung nicht vorgenommen wurde, müssen die Suppe jetzt leider alle auslöffeln“, sagt Kinderarzt Michael Achenbach, der direkt am Mittwoch ein Schild an der Tür befestigt hat, um die Besucher über die Regeländerung zu informieren. Die Praxen selbst wurden davon laut Thiele erst am Dienstag über die Kassenärztliche Bundesvereinigung unterrichtet.

In NRW gelten neue Corona-Regeln. Die Maßnahmen vor allem für Ungeimpfte werden strenger. In vielen Bereichen gilt 2G - und auch 3G wird ausgeweitet. *wa.de und come-on.de sind Angebote von IPPEN-MEDIA.

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