Kind mit Terpentin vergiftet: Drei Jahre Haft für Mutter

[UPDATE 16.30 Uhr] MÜNSTER - Es müssen dramatische Szenen gewesen sein: Vor rund drei Jahren hat eine Mutter aus Gronau ihrem 16 Monate alten Sohn Terpentin eingeflößt, um das Kind krank zu machen. Am Dienstag wurde die 32-Jährige vom Schwurgericht Münster zu drei Jahren Haft verurteilt.

Der kleine Junge hatte damals sofort unter akuter Atemnot gelitten. "Er hatte blutigen Schaum vor dem Mund und bekam kaum noch Luft", sagte Richter Michael Skawran. "Es bestand akute Lebensgefahr." Im Krankenhaus war eine schwere Lungenentzündung festgestellt worden. Außerdem hatten mehrere Ärzte und Schwestern beißenden Terpentingeruch wahrgenommen.

Hintergrund der Tat soll die Angst der Angeklagten vor einem Scheitern ihrer Ehe gewesen sein. Die Richter gehen davon aus, dass die zweifache Mutter ihren Sohn absichtlich krank gemacht hat, um die Trennungsgedanken ihres Ehemannes in den Hintergrund zu drängen. "Sie hat ihren Sohn instrumentalisiert, um ihre Ehe zu retten", hieß es im Urteil.

Gleichzeitig besteht der Verdacht, dass die Angeklagte unter einer psychischen Störung, dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, leidet: Die behandelnden Ärzte des kleinen Jungen waren schon vor der Terpentin-Tat davon ausgegangen, dass die 32-Jährige ihren Sohn absichtlich schädige, um sich anschließend besonders um ihn kümmern und damit Aufmerksamkeit auf sich selbst lenken zu können.

Die 32-Jährige hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Bei der Urteilsverkündung weinte sie. Fakt ist allerdings, dass ihr Sohn, der schon früher häufig wegen unerklärlicher Durchfall-Erkrankungen im Krankenhaus war, immer erst dann wieder gesund wurde, wenn sie vom Krankenbett verwiesen worden war. Ihre Ehe ist inzwischen geschieden, ihre Kinder leben im Haushalt ihres Ex-Mannes. - lnw

Quelle: wa.de

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