Keine Leistungsabweichung beim Doppel-Abi-Jahrgang - G 8 leicht vorn

DÜSSELDORF - Erstmals haben in NRW zwei Jahrgänge ihr Abitur abgelegt. Das Ergebnis überrascht: Die "Turbo-Abiturienten" zeigen keine Leistungseinbrüche, obwohl sie nur acht statt neun Jahre am Gymnasium waren. Tatsächlich haben sie die Nase sogar ganz leicht vorn.

Schüler, die ihr Abitur nach acht Jahren Gymnasium (G 8) ablegen, erreichen das gleiche Leistungsniveau wie Abiturienten nach neun Gymnasialjahren (G 9). Das zeigt die Abschlussbilanz des nordrhein-westfälischen Doppeljahrgangs im Zentralabitur 2013. Wie Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Donnerstag berichtete, hat der sogenannte Turbo-Abiturjahrgang mit einer Durchschnittsnote von 2,41 sogar geringfügig besser abgeschnitten als die G-9-Absolventen mit 2,44. Statistisch sei der Unterschied im Hundertstel-Bereich allerdings bedeutungslos.

Wie schon in den Vorjahren schneiden Gymnasiasten etwa um eine Drittel-Note besser ab als Gesamtschüler (2,73), die auch eine höhere Durchfallerquote haben - rund 7 statt rund 2 Prozent an Gymnasien. Insgesamt ist die Durchfallerquote an diesen beiden Schulformen gegenüber dem Vorjahr von 2,18 auf 2,85 Prozent minimal gestiegen. In diesem Jahr schafften an Gymnasien und Gesamtschulen 3188 Schüler die Abiprüfung nicht, 2012 waren es 1660.

Die Ergebnisse widerlegten Vermutungen der CDU-Opposition, dass es eine politische Einflussnahme gegeben habe, um das Abitur im Doppeljahrgang zu erleichtern, sagte Löhrmann. Die CDU hatte die hohe Zahl der Abiturienten mit Bestnote als Hinweis auf abgesenkte Leistungsanforderungen gewertet.

Die Note 1,0 erreichten in diesem Jahr 1659 Schüler. Gegenüber dem Vorjahr sei das ein geringfügiger Anstieg von 1,46 Prozent aller Abiturienten auf 1,55, erläuterte Löhrmann. Der Trend zu höherer Leistungsbereitschaft und besseren Abiturergebnissen spiegele sich bundesweit wider. NRW liege bei den Noten im Mittelfeld.

Nachdem seit Einführung des Zentralabiturs in NRW 2007 immer wieder falsche oder kaum lösbare Prüfungsaufgaben für Stress gesorgt hatten - etwa das "Oktaeder des Grauens" in einer Matheklausur - konnte Löhrmann jetzt Entwarnung geben: "Die Pannen sind weniger geworden." In diesem Jahr habe es nur einen gravierenden Fehler bei einer Klausur im Leistungskurs Sozialwissenschaften gegeben.

Nachdem Hunderte Schüler im Frühjahr demonstriert hatten, weil Matheklausuren aus ihrer Sicht zu schwer waren, will Löhrmann die Mathematikaufgaben der vergangenen fünf Jahre gesondert auswerten lassen. Ein Vergleich der durchschnittlichen Punktzahlen in den einzelnen Grund- und Leistungskursen zeigt allerdings in keinem Fach auffällige Abweichungen gegenüber den Vorjahren.

Löhrmann will das gute Abschneiden der G-8-Absolventen nicht als Argument gegen den neunjährigen Bildungsgang verstanden wissen. NRW wolle an beiden Möglichkeiten festhalten. Es sei positiv, dass etwa die Gesamtschulen sich bemühten, Schüler in neun Jahren zum Abitur zu führen, die teilweise keine Gymnasialempfehlung hatten. "Die Gesamtschulen nehmen eine andere Schülerschaft auf." Dazu zählten auch mehr Jugendliche mit ausländischen Wurzeln. "Das ist gut. Wir müssen die Schätze heben."

Wichtig seien aber nicht nur gute Ergebnisse, sondern auch ein gutes Lernklima, sagte die Ministerin. "Die Daten bilden Stress nicht ab." Derzeit werde daran gearbeitet, G 8 zu optimieren. Dabei gehe es unter anderem darum, Hausaufgaben möglichst in den Schulalltag zu integrieren und neue Unterrichtsformen zu erproben. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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