Keine 900.000 Euro Schmerzensgeld - Gericht weist Mobbingklage zurück

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Gudrun Marks, Rechnungsprüferin in Solingen, gab vor Gericht an, jahrelang von ihrem Arbeitgeber schikaniert worden zu sein. Ihre Forderung von 900.000 Euro Schmerzensgeld wies das Landesarbeitsgericht Düsseldorf zurück.

DÜSSELDORF -  In einem Mobbing-Prozess hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf die Schmerzensgeld-Klage einer bei der Stadt Solingen beschäftigten Frau zurückgewiesen.

Im Raum hatte die rekordverdächtige Entschädigungssumme von 900 000 Euro gestanden.

Das Gericht wertete die von der Klägerin eingebrachten Fälle am Dienstag jedoch nicht als systematisches Mobbing und folgte damit dem erstinstanzlichen Urteil. Die Klägerin hatte behauptet, durch ihre Vorgesetzten jahrelang schikaniert worden zu sein. So habe man ihr etwa Schulungen verweigert und sie mit einem Sonderauftrag an eine neun Kilometer weit entfernte Einsatzstelle "entsorgt".

Das Landesarbeitsgericht entschied, es handele sich um eine im Arbeitsleben übliche Konfliktsituation. Gleichzeitig brachte die Kammer in ihrer Urteilsbegründung zum Ausdruck, dass die Klägerin selbst keinen ausreichenden Beitrag geleistet habe, die verhärtete Konfliktsituation zu entschärfen. So hatte sie ein Mediationsverfahren abgelehnt.

Als Mobbing wird das Schikanieren und Attackieren von Arbeitskollegen oder Mitschülern bezeichnet. Die über einen längeren Zeitraum anhaltenden Aktionen sollen die Betroffenen sozial ausgrenzen. Mobbing (to mob = anpöbeln, beleidigen) hat in der Arbeitswelt, in der Schule und als Cybermobbing im Internet in den vergangenen Jahren immens an Bedeutung gewonnen.

Mobbing-Opfer werden durch feindselige Angriffe von eiskalter Ablehnung über Getuschel hinter dem Rücken bis zum Anschwärzen, sexuell Belästigen oder Erpressen in eine unterlegene Position gedrängt. Einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge werden jeden Tag mehr als 1,6 Millionen Arbeitnehmer gemobbt. Als Täter wird in der Hälfte der Fälle ein Vorgesetzter angegeben. Bei 22 Prozent handelt es sich bei den Tätern um einzelne und in einem Fünftel der Fälle um mehrere Kollegen oder Kolleginnen. Fast die Hälfte aller Opfer erkrankt infolge des Mobbings, 31 Prozent wechseln den Arbeitsplatz innerhalb des Betriebes und 22,5 Prozent kündigen.

Mobbing in der Schule kommt nach Expertenangaben in allen Schularten und Altersgruppen vor. Nach wissenschaftlichen Studien berichten 10 bis 12 Prozent aller Schüler in Deutschland davon, mehr als einmal im Monat als Täter oder Opfer mit Mobbing zu tun zu haben. Werden vorwiegend verbale und physische Gewalt erfasst, ist es eher ein Jungen-Phänomen. Nimmt man auch Beziehungsaggressionen wie das bewusste Ausgrenzen eines Schülers dazu, gleichen sich die Zahlen zwischen Jungen und Mädchen an.

Gut jeder dritte Jugendliche ist nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) schon einmal im Internet gemobbt worden. Beim Cybermobbing kommen einer Umfrage zufolge an erster Stelle Drohungen und Beleidigungen (18 Prozent). Außerdem klagen die Jugendlichen über Identitätsmissbrauch und die unberechtigte Weitergabe privater Mails oder Fotos. Nach Schikanen im Netz fühlt sich jeder Fünfte verzweifelt oder hilflos. 18 Prozent gaben an, Schlafstörungen zu haben, je 6 Prozent Kopf- und Bauchschmerzen. -dpa/lnw

Quelle: wa.de

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