Stadien sicherer machen

Innenminister Jäger setzt auf Dialog mit den Ultras

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Im Dezember kam es zu Ausschreitungen der Hooligans. Foto: Friso Gentsch/Archiv Foto: Friso Gentsch

DÜSSELDORF/BIELEFELD - Der Aktionsradius von gewaltbereiten Randalierern, die Fußballspiele für Ausschreitungen missbrauchen, soll weiter eingeschränkt werden. Das kündigte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) als Konsequenz der gewalttätigen Auseinandersetzungen im Umfeld der Fußball-Zweitliga-Partie Arminia Bielefeld gegen Dynamo Dresden an, bei denen 21 Polizisten verletzt wurden.

Von Robert Vornholt

Böller fliegen, Bengalos brennen, Vermummte werfen Flaschen gegen Polizisten, sie treten und schlagen in Richtung Ordnungskräfte. Immerhin gelingt es den Beamten, den nahe gelegenen Weihnachtsmarkt und dessen Besucher zu schützen.

Das geht aus dem Bericht von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) über Ausschreitungen von Fußballfans am Rande des Zweitliga-Fußballspiels Arminia Bielefeld gegen Dynamo Dresden am Nikolaustag 2013 hervor. „Blanke Angst bei Bürgern und Polizeibeamten“ habe angesichts der gewalttätigen Auseinandersetzungen geherrscht, berichtete der Landtagsabgeordnete Christian Dahm (SPD) am Donnerstag im Innenausschuss über die Situation an diesem Tag. „Nicht Fans, sondern Straftäter“ hätten ihr Unwesen getrieben, brachte der Ex-Polizist und Parlamentarier aus Ostwestfalen die Vorfälle auf den Punkt.

21 Polizisten wurden in Bielefeld verletzt

800 Anhänger von Dynamo Dresden – fast alle einheitlich mit gelben Ponchos bekleidet, aufgeklebten Schnauzbärten versehen und mit Sonnenbrillen ausgestattet – nutzten einen von den „Ultras Dynamo“ gemieteten Sonderzug, um zur Partie gegen Bielefeld zu kommen. Bereits am Bahnhof sei es, so die Schilderung des Innenministeriums, zu Entgleisungen von dann etwa 1000 aggressiven und koordiniert vorgehenden Randalierern gekommen. Mehrfach habe es auf dem Weg zum Stadion zu Attacken gegeben, in der Arena sorgte massiv abgebrannte Pyrotechnik für Aufsehen. Die Dynamo-Vereinsführung distanzierte sich später von den „Schlachtenbummlern“ und entschuldigte sich für deren Verhalten. Den Randalierern gelang es zwischenzeitlich sogar, Polizisten gewaltsam vier Reizstoffsprühgeräte und zwei Einsatzmehrzweckstöcke abzunehmen.

NRW-Innenminister Ralf Jäger will den Aktionsradius von gewaltbereiten Randalierern weiter einschränken.

Bilanz der Eskalationen: 21 verletzte Polizisten, ein verwundetes Dienstpferd, vier beschädigte Einsatzfahrzeuge sowie verschiedene Sachbeschädigungen an Privateigentum. Wegen der Verkleidungen konnte nur die Identität von vier Tatverdächtigen festgestellt werden, bilanzierte Polizei-Inspekteur Dieter Wehe im Parlamentsausschuss. Eine Ermittlungskommission der Bielefelder Polizei geht 106 Strafanzeigen nach, unter anderem wegen Körperverletzung, Raub, Diebstahl, Beleidigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. „Wer Gewalt sucht, wird einen Weg finden“, fürchtet Wehe, dass sich die Eskalationen auf Fußballspiele in unteren Ligen verlagern könnte. Beinahe ratlos klang sein Appell: „Die Fans müssen doch Interesse am Erhalt ihrer Kultur haben.“

Ultra-Szene müsse sich stärker distanzieren

NRW-Innenminister Ralf Jäger will den Aktionsradius von gewaltbereiten Randalierern, die Fußballspiele für Ausschreitungen missbrauchen, in Zukunft weiter einschränken und baut dabei auf die Unterstützung der Ultras. „Es geht nur im Dialog“, verwies Jäger, der jetzt auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist, darauf, dass die Ultra-Szene unter den Fußballfans sich „stärker von Straftaten in ihren eigenen Reihen distanzieren“ müsse.

Ein Bündel von Instrumenten müsse genutzt werden, um Eskalationen in und um Stadien einschränken oder verhindern zu können. Neben der bundesweiten Konzentration von Ermittlungs- und Strafverfahren regte der Minister die Personifizierung von Eintrittskarten, geringere Eintrittskartenkontingente für die Anhänger von Gastmannschaften sowie die Zertifizierung von Ordnungskräften der Vereine an.

Quelle: wa.de

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