Jurassic Park bei Mettmann

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Eine Künstlergruppe hat die Fundstelle des Neandertales als archäologischen Garten gestaltet - mit einem Zeitpfeil zur Geschichte des Menschen, Liegemöglichkeiten und kleinen botanischen Sammlungen eiszeitlicher Pflanze.

METTMANN - Wer heute das Neandertal zwischen Düsseldorf und Mettmann besucht, kommt unweit des Flüsschens Düssel zu jenem Ort, an dem 1856 der berühmte Neandertaler gefunden wurde.

Mitte des 19. Jahrhunderts sah diese Stelle völlig anders aus. Man muss deshalb Fantasie mitbringen, um den Verkehr auf der benachbarten Straße auszublenden und sich eine wilde, bis zu 50 Meter tiefe Schlucht mit Höhlen und sogar Wasserfällen vorzustellen.

Von dieser zerklüfteten Landschaft zeugt heute nur noch der Rabenstein mit seiner hoch aufragenden Steilwand am Eingang zur Fundstelle. Damals lag hier die Feldhofer Grotte: Bei Kalk-Abbrucharbeiten, die den idyllischen Charakter des Tals zunehmend zerstörten, entdeckten Arbeiter in der kleinen Höhle Knochen eines Skeletts. Die Männer gingen davon aus, die Überreste eines Höhlenbären gefunden zu haben.Der Grubenbesitzer gab den Fund Johann Carl Fuhlrott (1803-1877) zur Sichtung. Der Lehrer aus Elberfeld – heute ein Stadtteil von Wuppertal – galt in der Region als Fossilienexperte. Schnell war er davon überzeugt, dass es sich um einen Vorläufer des modernen Menschen handeln musste. Messungen haben das Alter der Neandertaler-Knochen inzwischen auf 42 000 Jahre datiert.Damals war Fuhlrotts Ansicht schlicht Blasphemie. Zu seiner Zeit lag die Deutungshoheit über die Menschheitsgeschichte noch bei der Kirche. Und nach deren Überzeugung setzte Gott den Menschen in einem „Schöpfungsakt“ in seiner heutigen Gestalt in die Welt. Doch Fuhlrotts 1859 in einem Aufsatz verfasste Überlegungen zum Neandertaler-Fund zersprengten zusammen mit Charles Darwins im gleichen Jahr veröffentlichten Buch über den Ursprung der Arten dieses Kirchendogma. Beide legten damit den Grundstein für die Erkenntnis, dass auch der Mensch eine Evolution durchlaufen hat. Der Neandertaler war nach heutigem Wissen ein Nebenarm in der Entwicklung hin zum Homo Sapiens.

Wer in die Menschheitsgeschichte tiefer eindringen will, kommt an einem Besuch des unweit von der Fundstelle gelegenen Neandertal Museums nicht vorbei. Das Haus hat in seinem Namen die zu Fuhlrotts Zeiten übliche Schreibweise des Tals übernommen. Gegenüber dem Museum steht auf der anderen Straßenseite jener Neandertaler, der schon seit Jahrzehnten das „Maskottchen“ und beliebtes Fotomotiv des Tourismus im Tal ist. Finster dreinschauend und mit Keule bewaffnet, verkörpert die 1928 für einen Biergarten gefertigte Figur jenes Klischee vom steinzeitlichen Grobian, der der Neandertaler, wie man im Museum lernt, nie war. „Kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit“ steht deshalb vorsorglich auf der Schautafel.

Museum und Fundort lassen sich bequem in wenigen Minuten vom zentralen Parkplatz des Neandertals aus erreichen. Man sollte den Besuch nutzen, um auch die Umgebung auf gut ausgebauten Wegen zu erkunden. Das Tal ist ein idyllisches Naturschutzgebiet mit Wiesen und Wäldern, in dem durch eine Art „Jurassic Park“ noch anderweitig Frühgeschichte lebendig gehalten wird.

Schon 1935 hat der Naturschutzverein Neandertal ein imposantes Wildgehege angelegt, das sich in gut einer Stunde vom Parkplatz aus umrunden lässt. Zurück geht es auf einem Wanderweg entlang der Düssel, die sich durch das gesamte Neandertal schlängelt, bevor sie als „Namensgeber“ in Düsseldorf ankommt. - dapd

Quelle: wa.de

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