Junge Westfalen setzen sich für Europa ein

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Beckum/Hagen - Anna Schmidt und Julius Niggemeyer sind jung. An ein Europa mit Passkontrollen an der Grenze und vielen verschiedenen Währungen können sich die beiden 19-Jährigen aus Beckum und Hagen nicht erinnern.

Sie stehen für ein offenes Europa, haben beide schon Auslandserfahrung, sind neugierig auf Menschen aus anderen Ländern. An diesem Wochenende reisten sie zum Jugendgipfel ins französische Lille

Hundert Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges treffen sie sich dort eine Woche lang mit anderen Jugendlichen aus NRW, Polen und Frankreich. 

Der Internationale Jugendgipfel in Lille

In der nordfranzösischen Stadt Lille findet vom 15. bis 21. Juli der 17. Internationale Jugendgipfel statt. Je 15 Jugendliche aus NRW, der polnischen Region Schlesien und der französischen Region Hauts de France nehmen daran teil. Das Thema in diesem Jahr lautet „Von der Propaganda 1918 zu den Fake News 2018“. Die 45 jungen Teilnehmer werden unter anderem einen Soldatenfriedhof mit Gräbern von Gefallenen des ersten Weltkrieges besuchen und sich mit Meinungsmanipulation damals und heute befassen. Der Ausschreibung zufolge sollen sie analysieren, wie und mit welchen Mitteln Propaganda Meinungen und politische Haltungen bis hin zu Nationalismus kreieren kann – und welche Strategien mündige Europäer dem entgegensetzen können. Mit dem Jugendgipfel fördern die drei Partnerregionen seit 2001 den regelmäßigen Austausch junger Deutscher, Polen und Franzosen zwischen 17 und 23 Jahren. Das Treffen findet abwechselnd in den beteiligten Ländern statt.

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg

„Der Jugendgipfel in Lille stärkt den Zusammenhalt in Europa und zeigt, dass wir uns alle verstehen“, sagt Anna Schmidt aus Beckum. Die 19-Jährige freut sich auf die internationale Atmosphäre des Treffens und darauf, sich in anderen Sprachen unterhalten zu können.

Anna Schmidt aus Beckum reist zum Jugendgipfel nach Lille.

Die Beckumerin spricht Spanisch, Französisch und Englisch. Spanisch will sie ab Herbst auch an der Universität studieren, zusammen mit Geografie, in Bonn oder in Münster. Anna Schmidt hat nach ihrem Abitur 2017 ein halbes Jahr als Au Pair in Spanien gearbeitet – und dort gemerkt, dass das Leben in anderen Ländern sich teils sehr von dem unterscheidet, was sie aus Deutschland kennt. 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken

Zum Beispiel sei das Kind in Spanien ganz anders erzogen worden als sie selbst in ihrer Familie. „Das war nicht immer leicht“, berichtet die junge Frau. Aber es sei auch eine gute Erfahrung gewesen. Den Erlebnissen aus Spanien will sie nun spannende Eindrücke aus Frankreich hinzufügen. Gemeinsam mit den anderen deutschen, polnischen und französischen Jugendlichen wird die 19-Jährige in Nordfrankreich den Ring der Erinnerung besuchen. 

Das riesige Denkmal auf einem Soldatenfriedhof ist mit den Namen von fast 600.000 Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg beschriftet. Die Erinnerung an die Kriege von früher hält Anna Schmidt für wichtig – zumal junge Menschen aus dem Geschehen von damals wichtige Lehren für ihr aktuelles Leben ziehen können.

Propaganda und Falschmeldungen hinterfragen

So beschäftigen sich die Jugendlichen in Lille mit den Ähnlichkeiten von Weltkriegs-Propaganda und so genannten „Fake News“ von heute. „Es ist wichtig, nicht immer alles zu glauben, sondern die Dinge zu hinterfragen“, findet die Beckumerin. Beim Jugendgipfel, so hofft sie, wird sie nützliche Strategien zum Erkennen und zum Umgang mit Gerüchten und Falschmeldungen erlernen. 

Einen der übrigen Teilnehmer kennt sie übrigens schon: Julius Niggemeyer aus Hagen hat sie während einer Sprachreise auf Malta kennen gelernt. Der 19-Jährige beschreibt sich als „ein offener Mensch, ich gehe gerne auf andere Menschen zu“. 

Auch Julius Niggemeyer aus Hagen ist beim Jugendgipfel dabei.

Der 19-jährige Hagener freut sich auf das Wiedersehen mit Anna Schmidt, aber auch darauf, beim Jugendgipfel in Lille neue Bekanntschaften machen zu können. Er möchte die Sichtweisen anderer Jugendlicher und auch deren Kultur besser kennen lernen. „Das finde ich spannend“, sagt er. 

Austausch und Kontakt statt Abgrenzung und Nationalismus

Zumindest mit der französischen Lebensart hat der junge Mann, der sich für Geschichte interessiert und Degen ficht, schon Erfahrungen gemacht. Er war oft im Nachbarland, schrieb am Gymnasium eine Facharbeit über Montluçon in der Auvergne, eine von zwei französischen Partnerstädten seiner Heimatstadt Hagen. In Montluçon absolvierte er 2016 auch ein Praktikum im Tourismusbüro. 

Im vergangenen Jahr machte Julius Niggemeyer sein Abitur. Nun soll es in seinem Leben international weitergehen. Nach einem Arbeitseinsatz auf einem Kreuzfahrtschiff will er ab 2019 Internationalen Tourismus in Wernigerode studieren. 

Viele persönliche Kontakte zu Jugendlichen aus anderen Nationen zu knüpfen und diese dann auch aufrecht zu erhalten, sei es altmodisch per Brief oder modern mit Hilfe von Facebook und anderen sozialen Medien, hält der 19-Jährige für wichtig – ganz besonders in einer Zeit, in der die EU politisch gesehen eher auseinanderdriftet.

Quelle: wa.de

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