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Corona-Debatte um Joshua Kimmich: Jetzt rechnet eine NRW-Ärztin mit ihm ab

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Von: Christian Keiter

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Joshua Kimmich hat sich noch nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Der öffentliche Druck auf den Bayern-Profi und Nationalspieler wächst.

Dortmund/München – Der dominante 4:0-Sieg des FC Bayern München gegen die TSG 1899 Hoffenheim rückte am Samstag (23. Oktober) in den Hintergrund, berichtet RUHR24*. Statt über das Spiel wurde nach Abpfiff vor allem über Joshua Kimmich diskutiert. Die Bild hatte am Tag vor der Partie berichtet, dass der Mittelfeldspieler einer von fünf noch ungeimpften Profis im Kader des Rekordmeisters ist.

FußballspielerJoshua Kimmich
Geboren8. Februar 1995 (Alter 26 Jahre), Rottwell
Aktuelle TeamsFC Bayern München, Deutsche Fußballnationalmannschaft

FC Bayern: Kimmich nicht gegen Corona geimpft – „bin kein Impfgegner oder Corona-Leugner“

Für Aufsehen sorgte die Nachricht auch deshalb, weil Kimmich gemeinsam mit seinem Mitspieler Leon Goretzka zu Beginn der Corona-Pandemie* die Spendenaktion „We Kick Corona“ ins Leben rief. Die Aktion wurde mehrfach ausgezeichnet, Kimmich und Goretzka galten als Vorbilder im Kampf gegen die Folgen der Pandemie. Wie passt es da zusammen, dass sich einer der beiden Initiatoren nicht gegen das Coronavirus impfen lässt und so seinen Beitrag zur Rückkehr in die Normalität leistet?

Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim stellte sich Kimmich im Interview mit Sky-Moderator Patrick Wasserziehr den unbequemen Fragen zu seiner Haltung zur Corona-Impfung. Der Nationalspieler betonte, dass er kein Corona-Leugner oder Impfgegner sei. Es sei sogar sehr gut möglich, dass er sich bald impfen lasse. Doch eben noch nicht jetzt.

NRW-Ärztin „Doc Caro“ rechnet mit Impf-Aussagen von Kimmich ab: „Schlichtweg falsch“

Aber warum? Kimmich habe noch „persönliche Bedenken, gerade was fehlende Langzeitstudien angeht“. Gleichwohl sei er sich seiner Verantwortung bewusst und gehe auch entsprechend verantwortungsvoll mit der Pandemie um. „Ich halte mich an die Hygienemaßnahmen und werde alle zwei, drei Tage getestet“, sagte Kimmich.

Eine bekannte Ärztin aus Nordrhein-Westfalen* lässt diese Argumentation nicht gelten. Carola Holzner, die in der Öffentlichkeit spätestens seit der Corona-Pandemie unter dem Namen „Doc Caro“ bekannt ist*, ist Notfallmedizinerin am Helios Klinikum in Duisburg. Auf Facebook hat sich die 39-Jährige zur Causa Kimmich geäußert und dabei nur wenige gute Haare am Bayern-Profi gelassen.

Dr. Carola Holzner
Carola Holzner ist Notfallmedizinerin am Heliosklinikum in Duisburg. © Marcel Kusch/dpa

Kimmich sei laut Holzner „mitnichten nur ein Fußballer“. Der 26-Jährige sei Vorbild für „viele, vor allem junge Menschen“. Bedenken bezüglich fehlender Langzeitstudien seien nicht nur eine Verunsicherung, sondern auch „schlichtweg falsch“. Das Wort „Langzeitfolgen“ werde laut „Doc Caro“ oft als Universal-Ausrede und Totschlagargument verwendet – „und das sogar oft fälschlicherweise“.

NRW: „Doc Caro“ hofft auf baldige Impfung von Bayern-Profi Joshua Kimmich

„Impfreaktionen treten in der Regel in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung auf. Und sind, wie der Name es sagt: Impfreaktionen, nicht Spätfolgen“, so Holzner. Sowohl Covid-19 als auch Wirkungen und Nebenwirkungen der Schutzimpfung würden „wissenschaftlich tausendfach“ untersucht und stünden unter ständiger Beobachtung (mehr News zum Coronavirus in NRW* bei RUHR24).

Es sei Fakt, dass die Impfung schützt. Langzeitfolgen seien deshalb kein Totschlagargument. „Außer bei der Erkrankung selbst. Denn auch Long-Covid ist wissenschaftlich tausendfach untersucht. Das, das ist eine Spätfolge! Und zwar eine echt miese“, so Holzner.

Kimmich im Training
Joshua Kimmich hat sich noch nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. © Christof Stache/AFP

Die Ärztin aus dem Ruhrgebiet hofft, dass sich Kimmich bald impfen lasse. Holzner würde zwar auch eine persönliche Entscheidung respektieren, dies nicht zu tun. Nachvollziehen könne sie das aber nicht. Abschließend appelliert „Doc Caro“ an alle Ungeimpften, die noch Zweifel haben, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und entsprechender Daten zu entscheiden und nicht aufgrund der Meinung einzelner. „Denn was viele immer verwechseln: Meinung ist nicht gleich Ahnung.“

Kimmich nicht gegen Corona geimpft – sogar die Bundesregierung mischt sich ein

Der Impfstatus von Bayern-Profi Kimmich hat inzwischen eine bundesweite Debatte ausgelöst, in die sich selbst die Bundesregierung in Person von Regierungssprecher Steffen Seibert eingeschaltet hat. Es gebe „klare und überzeugende Antworten von nationalen und internationalen Experten“, sagte Seibert am Montag (25. Oktober).

Ich hoffe, dass Joshua Kimmich diese Informationen alle nochmal auf sich wirken lässt und sich dann auch vielleicht für die Impfung entscheiden kann.

Regierungssprecher Steffen Seibert

Der frühere Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge kritisiert die Impfdebatte um Kimmich. „Es ist offensichtlich zu einem Politikum geworden. Man sollte die Kirche trotzdem im Dorf lassen“, sagte Rummenigge am Montagabend bei der Premiere der Amazon-Doku zum FC Bayern. Kimmich werde in dem Fall irgendwann die richtige Entscheidung treffen. Aber es müsse ihm selbst überlassen sein.

Impfdebatte um Bayern-Profi Kimmich laut Stiko-Chef Mertens „grenzenloser Unfug“

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), bezeichnete die Debatte gar als „grenzenlosen Unfug“. Es sei die persönliche Entscheidung von Kimmich und die sollte es auch bleiben. „Wir würden nie darüber sprechen, wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert“, sagte Mertens der Bild.

Überzeugungsarbeit sei laut dem Stiko-Chef oft langwierig. Mertens ist dennoch überzeugt, dass man so noch viele Menschen für die Impfung gewinnen könne. „Formalen Druck auf Ungeimpfte habe ich immer kritisch gesehen.“ *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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