66 Jahre nach Kriegsende noch ungezählte Bomben in der Erde

DÜSSELDORF - Auch 66 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein Ende für den Kampfmittelräumdienst in Nordrhein-Westfalen nicht in Sicht. „Das wird auch in den nächsten Jahren nicht weniger und bleibt eine konstante Aufgabe“, hieß es Donnerstag aus dem NRW-Innenministerium.

Von Detlef Burrichter

Experten der Kampfmittelräumdienste haben allein im vergangenen Jahr 230 Bomben mit einem Gewicht von 50 Kilogramm und mehr in NRW unschädlich gemacht. Dabei spielten Zufallsfunde eine immer geringere Rolle. In zwei von drei Fällen führten Luftbilder der Alliierten zum Fundort, sagte Ministeriumssprecherin Petra Roth. Die Analysemethoden zur Auswertung der Luftbilder der Alliierten seien immer weiter verfeinert worden.

Durch die lange Zeit im Erdboden werde die Entschärfung zunehmend gefährlicher. Das gelte insbesondere für chemisch-mechanische Langzeitzünder (Säurezünder). Eine solche Bombe sei bei einer Entschärfung im vergangenen Jahr in Hannover detoniert; es habe Tote gegeben. Sieben Bomben dieses Typs wurden im vergangenen Jahr auch in NRW gefunden und entschärft. Aufgrund ihrer Gefährlichkeit seien sie aber am Fundort kontrolliert zur Detonation gebracht worden, so Roth. Entschärfung oder Bergung seien von den Sprengstoffexperten als zu gefährlich eingeschätzt worden.

Im Jahr 2010 wurden im Zusammenhang mit geplanten Bauvorhaben mehr als 13 000 Anfragen an die Beseitigungsdienste in Arnsberg und Düsseldorf gestellt. Mit jeder Meldung beginnt dann die akribische Auswertung der Luftbilder. In 97 Fällen konnten so die später geräumten Bomben als konkrete Verdachtspunkte lokalisiert werden. Weitere 54 Bomben wurden entdeckt, weil die Aufnahmen Verdachtsmomente für einen Fund lieferten. In mehr als 1600 Fällen wurden Granaten, Bomben oder andere Sprengmittel aber auch zufällig entdeckt.

Aber nicht nur große Bomben wurden entdeckt. Insgesamt wurden fast 9200 Kampfmittel geräumt, darunter allein 6200 Granaten und Handgranaten sowie 67 Minen. Insgesamt wurden 32 Tonnen Sprengstoff unschädlich gemacht. „Diese Zahlen zeigen, wie wichtig die Kampfmittelbeseitigung auch über 65 Jahre nach dem 2. Weltkrieg noch ist und künftig bleiben wird“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger. Das Land zahlte 21 Millionen Euro für die Kampfmittel-Beseitigung.

Quelle: wa.de

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