Jacob Lengers ist Bauleiter im Gotthard-Basistunnel

MÜNSTER/SEDRUN  Wenige Tage ist es her, dass die riesige Bohrscheibe „Sissi“ die letzten eineinhalb Meter Fels aus der Röhre des Gotthard-Basistunnels fräste. Zu denen, die hautnah dabei waren, gehört auch Jacob Lengers. Lengers ist Bauleiter im Vortrieb. Der jüngste auf der Baustelle.

Ab dieser Woche wird der gebürtige Steinfurter aber nur noch an drei Tagen pro Woche im 57 Kilometer langen Tunnel sein Team leiten. Die restliche Zeit studiert er wieder – und zwar im Masterstudiengang Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Münster. Sein erster Einsatz auf der größten Baustelle der Schweizer Geschichte liegt über ein Jahr zurück. „Damals hatte mir Prof. Dr. Dietmar Mähner, der auch meine Bachelorarbeit betreute, den Kontakt für die Praktikumsstelle vermittelt“, berichtet Lengers. Dass er den Zuschlag bekam, führt der 26-Jährige auf seine Abschlussarbeit zurück. Darin ging es um die Entwicklung eines Betonspiegelmessgerätes für die Betonage von Tunnelinnenschalen. Aber auch seine Erfahrungen, die er in Forschungsprojekten von Mähner, Experte für Tunnelbau am Fachbereich Bauingenieurwesen in Münster, und in verschiedenen Laboren sammelte, seien eine gute Voraussetzung für die Praktikumszusage gewesen. Und schließlich hätten sich auch zwei zuvor absolvierte Praktika beim Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen und in einem internationalen Konzern bezahlt gemacht. Kurzum: Lengers erhielt nicht nur den Praktikumsplatz, sondern vier Monate später von der bauausführenden Pöyry Infra AG auch das Angebot, als Bauleiter weiterzumachen. „Eine großartige Chance“, so der FH-Student, die er sich natürlich nicht habe entgehen lassen.

Seit dem 1. April arbeitet Lengers im „Zehn-vier-Rhythmus“ – zehn Tage arbeiten, vier Tage frei. „Nur so haben die vielen Arbeiter und Ingenieure aus dem Ausland überhaupt eine Chance, nach Hause zu fahren.“ Die rund 400 ausländischen von insgesamt über 2500 Beschäftigten kämen überwiegend aus Deutschland, Österreich und Italien, einige aber auch aus Portugal oder sogar Südafrika. Steinfurter beeindruckt von Arbeitsklima auf Baustelle Lengers fliegt regelmäßig nach Münster, um seine Freundin zu sehen. Die wiederum besucht ihn in den Schulferien in Sedrun, rund zwei Stunden Zugfahrt von der nächst größeren Stadt entfernt. „Da ist es schon ganz gut, wenn man gern in der Natur ist“, sagt Lengers mit einem Augenzwinkern. Allmählich heißt es Abschied nehmen vom Abenteuer Gotthard-Tunnel – zunächst auf Raten, ab Ende November dann endgültig. Dann endet sein Einsatz als Bauleiter. Sein Hauptaugenmerk gilt dann seinem Studium und der Mitarbeit in Forschungsprojekten von Prof. Mähner an der Fachhochschule Münster. Was ihm besonders gut in Erinnerung bleiben werde? „Das Arbeitsklima und der Zusammenhalt auf der Baustelle. Das habe ich so andernorts noch nicht erlebt.“ J WA

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare