Tod auf Juist

Staatsanwalt fordert neun Jahre und vier Monate Haft

AURICH  -  Ein 24-jähriger Iserlohner soll im vergangenen Sommer eine junge Studentin auf der Nordsee-Insel Juist getötet haben. Die Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre und vier Monate Haft für den Angeklagten. Die Verteidigung hält fünf bis sechs Jahre Haft für angemessen.

Für den gewaltsamen Tod einer Studentin auf der Nordsee-Insel Juist soll ein Aushilfskellner aus Iserlohn zu einer Haftstrafe von neun Jahren und vier Monaten verurteilt werden. Das hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in ihrem Plädoyer im Landgericht Aurich (Niedersachsen) gefordert. Der 24-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Er soll die Frau im vergangenen Sommer am Strand der Insel aus völlig nichtigem Anlass brutal geschlagen, stranguliert und erstickt haben.

Hintergrund soll ein angeblicher Streit des stark angetrunkenen Mannes mit der 23-Jährigen gewesen sein. Es sei zu Zärtlichkeiten gekommen, die Frau habe ihn jedoch wegen seiner Erektionsstörungen ausgelacht und geschlagen, hatte der Mann behauptet.

Die vier Nebenkläger, die die Familie des Opfers vertreten, halten dies jedoch für eine Schutzbehauptung, sie wiesen diese Darstellung in ihren Plädoyers zurück. Der Bruder des Opfers sagte, seine Schwester, eine Psychologiestudentin aus dem Harz, habe nie jemanden geschlagen. Die Nebenklage forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes, da der Täter besonders grausam gehandelt und das Opfer entwürdigt habe.

In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeklagte bei den Angehörigen: "Ich habe Ihre und meine Familie zerstört. Für diese schreckliche Tat werde ich mein Leben lang Verantwortung tragen müssen", sagte er. "Der Alkohol hat mich zu einem Menschen gemacht, der ich nicht bin."

Das Gericht hatte bis zuletzt untersucht, wie eine große Menge Sand in den Mund, die Bronchien und die Lungen der Frau gelangt waren. Laut Anklage hatte der Mann der Frau den Sand regelrecht in den Körper hineingestopft. Ein Gutachter hatte nicht ausgeschlossen, dass die Frau den Sand auch eingeatmet haben könnte.

Die Verteidigung sieht auch nach einem rechtsmedizinischen und einem psychiatrischen Gutachten noch viele Fragen offen. Es sei offen, wie betrunken der Mann gewesen sei und was die genaue Todesursache der Frau war, sagte der Verteidiger. Er forderte eine Verurteilung wegen Totschlags und hielt bei verminderter Schuldfähigkeit ein Strafmaß von fünf bis sechs Jahren für angemessen. - lnw

Quelle: wa.de

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