Iserlohner vor Gericht

Ferienflirt auf Juist endet mit Tod einer jungen Frau

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Der 24-Jährige muss sich seit Mittwochmorgen für die Tat verantworten.

[UPDATE 17.30 Uhr] AURICH/ISERLOHN - Viel Alkohol und ein Streit im Strandkorb waren der Hintergrund eines Verbrechens, dem im Sommer eine junge Frau auf der Nordseeinsel Juist zum Opfer fiel. Nun steht ein Verdächtiger wegen Totschlags vor Gericht.

Von Martina Ricken

Es ist ein kleines Häufchen Elend, das zwei Justizwachtmeister an den Händen gefesselt in den Schwurgerichtssaal des Landgerichts Aurich führen. Patrick S. ist nicht hoch gewachsen, schmal, schmächtig, er sieht brav, ja beinahe schon bieder aus. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser junge Mann aus Iserlohn einen Menschen getötet haben soll.  

Doch genau das – nämlich Totschlag - wirft ihm die Anklage der Staatsanwaltschaft Aurich vor. Am Abend des 25. Juli traf der Angeklagte eine junge Frau in der Diskothek der Insel Juist. Beide arbeiteten als Saisonkraft auf der Insel. „Ich kannte sie, weil ich immer in der Bäckerei eingekauft habe, in der sie arbeitete“, hat der Angeklagte in einer schriftlichen Erklärung niedergelegt, die von seinem Anwalt Ingo Dykstra (Wilhelmshaven) verlesen wird. Patrick S. ist dazu nicht in der Lage. Ihm bricht die Stimme, als ihn der Vorsitzende Richter Gronewold nach seinen Personalien befragt. Er schluchzt, ist den Tränen nahe. Es scheint eine Mischung aus Angst, Scham und Entsetzen vor der eigenen Tat zu sein, die den Angeklagten immer mehr in sich zusammensinken lässt.

Am Abend vor der Tat war er offenbar in völlig anderer Stimmung. Mit einem Arbeitskollegen zog er los, trank Bier und Whisky. „Der Abend kam gleich ins Rollen. Wir waren kontaktfreudig“, verliest der Verteidiger. Der Iserlohner und die 23-jährige Frau aus dem Harz kamen sich näher, gingen gemeinsam an den Strand. „Sie nahm meine Hand“, hat der Angeklagte in seiner Erklärung niedergelegt. In einem Strandkorb tauschte man Zärtlichkeiten aus. „Es kam nicht zum angestrebten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr“, heißt es nüchtern in der Anklage. Nach der schriftlichen Schilderung des Angeklagten begann damit ein Streit, der für die junge Frau tödlich endete.

Nach Angaben des Angeklagten soll die junge Frau ihn beleidigt und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben. „Ich habe dann sofort zurückgeschlagen“, gibt der Iserlohner zu. „Ich muss dann völlig ausgerastet sein.“ Denn die junge Frau war übel zugerichtet, hatte Hämatome im Gesicht und andere Verletzungen. Der Angeklagte hat laut Anklageschrift das Opfer gewürgt, den Schal, den die junge Frau um den Hals trug, zugezogen und ihr Sand in den Mund gestopft. Diese Schlussfolgerungen zieht die Staatsanwaltschaft aus den Erkenntnissen der Rechtsmediziner, wonach das Opfer erstickt ist. „Ich kann mich nicht daran erinnern“, so der Angeklagte.

Die junge Frau habe sich irgendwann offenbar beruhigt, so habe er erst geglaubt, aber dann festgestellt, dass sie sich überhaupt nicht mehr bewegte. „Da habe ich Panik bekommen“, heißt es in der Erklärung des 24-Jährigen. Er habe die Frau entkleidet, wisse aber nicht, was er mit ihren Kleidungsstücken gemacht habe. Ihren Körper verbuddelte er im Sand.

Am nächsten Morgen sei er aufgewacht. Alles sei wie im Traum, nicht real gewesen. Erst als er in der Bäckerei einen Kaffee gekauft und festgestellt habe, dass seine Bekanntschaft vom Vorabend nicht da war, sei er „wieder in der Realität angekommen“.

Für die beiden Freundinnen aus Münster und München, die gemeinsam auf Juist Urlaub machten, war die Realität am Morgen des 25. Juli die schockierendste ihres Lebens. „Ich habe mir extra ein Schüppchen gekauft, um einen kleinen Wall um unseren Strandkorb zu bauen“, erzählt die pensionierte Krankenschwester aus Münster. Sie habe ein schwarzes Textilstück an ihrem Strandkorb entdeckt, mit dem Schüppchen aufgehoben und weggeschleudert. Ihre Freundin habe dann noch ein helleres Stück entdeckt – groß wie eine Muschel oder Glasscherbe. Sie habe auch diesen Gegenstand „wegschleudern“ wollen. „Aber das war schwer und dann erkannte ich, dass es ein Arm war.“ Ihre Freundin dachte zunächst an eine Puppe, doch als der Arm schlaff zurückfiel, glaubte sie nicht mehr daran. Der Strandkorbwärter untersuchte nach der Alarmierung durch die beiden Urlauberinnen den Fundort etwas genauer. „Dann habe ich ein Stück vom Kopf gesehen und erkannt, dass es eine junge Frau ist“, sagt die Zeugin.

All das hören auch die Eltern, Bruder und Schwester des Opfers. Die Angehörigen sind als Nebenkläger zum Prozess zugelassen und jeder durch einen Anwalt vertreten. Der Vater der getöteten Frau versucht die Öffentlichkeit ausschließen zu lassen – vergebens. „Die Tat geschah in der Öffentlichkeit“, argumentiert Richter Gronewold. Persönlichkeitsrechte des Opfers, die es zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens dringend zu schützen gelte, seien nicht zu erkennen.

Der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt. - dpa

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Quelle: wa.de

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