Von Irren und nervösen Damen: 125 Jahre Psychiatrie in Bethel

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Im Notfall kam die Zwangsjacke zum Einsatz: Ausstellung in der von Bodelschwinghschen Stiftung.

BIELEFELD - Alles begann 1886 mit einem Sanatorium für „erholungsbedürftige und nervöse Damen“. Die Diakonissen eröffneten in Bielefeld das Haus Bethesda, um Damen aus gebildeten Ständen ein Heim zu geben, die „unter Aengsten zu seufzen hatten“.

Es war der Start für 125 Jahre Psychiatrie in Bethel. Eine Ausstellung blickt jetzt zurück und illustriert den dramatischen Wandel der Kenntnisse und Methoden.

Die frühen Irrenhäuser waren Orte des Schreckens. Wer es sich leisten konnte, brachte erkrankte Angehörige in Sanatorien. Die Ursachen der Psychischen Erkrankungen galten lange als reine Erbkrankheiten, erklärt die Leiterin der Historischen Sammlung Bethel, Bärbel Bitter. Erst im 19. Jahrhundert, als man die Ursachen im Gehirn vermutete, gab es auch eine Heilungsperspektive.

Bald wurden die Kapazitäten in Bielefeld-Bethel vergrößert, denn nicht alle Damen waren nur ein wenig nervös. Ähnliches galt für die gemütskranken Männer im Haus Pella. Es entstanden die „Isolierhäuser“ für die schweren Fälle. In den 1930er Jahren kamen die Schock- und Komatherapien auf, mit Insulin und Elektrizität. Es gab Erfolge, aber auch unerwünschte Nebenwirkungen.

Einen Entwicklungssprung machte die Psychiatrie in den 1950er Jahren mit dem Aufkommen der Psychopharmaka. Mit ihnen wurde eine reine Ruhigstellung der Patienten vermieden. Auch die Psychotherapie setzte sich in Bethel langsam durch. Erst in den 1970er Jahren begannen die großen Schlafsäle zu verschwinden, es entstanden kleinere Einheiten.

Heute sind die v. Bodelschwinghschen Stiftungen in vier Bundesländern tätig. Allein in Bielefeld bieten sie fast 1100 stationäre und teilstationäre Plätze und vier psychiatrische Ambulanzen. - dpa

Quelle: wa.de

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