„Innovation City“ soll NRW bekannt machen

ESSEN ▪ Wenn die Kulturhauptstadt Ende 2010 zu Ende geht, plant das Ruhrgebiet ein neues Großprojekt mit bundesweiter Ausstrahlung: Mitten im ehemaligen Kohlerevier soll eine 50 000-Einwohner-Stadt mit allen derzeitigen technischen Möglichkeiten zur Ökostadt umgebaut werden. Das Ziel sind gut 50 Prozent CO2-Einsparung durch Wärmedämmung der Häuser, Optimierung der Industrie, Elektroautos, Windräder und Solaranlagen. Zugleich soll die ganze Stadt saniert und erneuert werden – ein Sechser im Lotto für jeden Bürgermeister. Die Investitionshöhe wird nicht genannt, sie dürfte enorm sein. Von Rolf Schraa

Am Samstag beschloss die Vollversammlung des Initiativkreises Ruhr, in dem die großen Unternehmen im Revier organisiert sind, den Start des Projekts. Das Land steuert im ersten Schritt zu der gemeinsamen Projektgesellschaft mit dem Initiativkreis 500 000 Euro bei. Das ganze Projekt startet im Oktober 2010 mit der Festlegung der Musterstadt oder des Muster-Stadtteils. Es ist auf zehn Jahre angelegt.

In der sogenannten „Innovation city“ würden die verschiedenen Kohlendioxid-Sparmöglichkeiten erstmals im Großversuch zusammengebracht und vor allem koordiniert umgesetzt, sagte der Projektleiter im Initiativkreis, der ehemalige Degussa- und Evonik-Vorstand Alfred Oberholz. Geplant sei etwa das Durchsanieren des gesamten Gebäudebestandes nach Möglichkeit bis auf Passivhausniveau. Damit lasse sich schon erheblich Kohlendioxid sparen. 500 Elektro-Autos, Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, Klein-Windräder für Mietshäuser und Solaranlagen sollen für umweltfreundliche Energieerzeugung sorgen. Zugleich soll die Musterstadt auch baulich verschönert und etwa mit abgesenkten Bordsteinen für ältere Menschen zugänglicher werden.

Schon jetzt hätten sich viele Bürgermeister und die EU interessiert. Welche Stadt den Zuschlag bekommt, ermittelt eine Jury in einem Wettbewerb, der am 22. März offiziell ausgerufen wird. Dabei werde eine Kommune ausgewählt, die in etwa dem statistischen Durchschnitt des Ruhrgebiets entspricht – also zwei Drittel der Fläche Wohnen, ein Drittel Gewerbe und Industrie. „Ein reiner Industriestandort wird es genauso wenig wie ein ländlicher Ort“, sagte Oberholz.

Die Macher denken an moderne Konzepte wie die Vernetzung aller Stromhaushalte über eine Leitzentrale. In Phasen hohen Energiebedarfs könnten dann nicht genutzte Stellen für kurze Zeit aus der Ferne abgestellt werden, ohne dass die Bewohner dies bemerken. „Kühltruhen können Sie ohne Probleme für zehn Minuten abschalten“, sagt Oberholz. Ein Elektro- Stadtbus soll für ältere Leute kostenlos verkehren. Die Initiatoren erhoffen sich Imagewerbung für das Ruhrgebiet und praktische Erfahrungen mit bisher in diesem Umfang nicht erforschten Energiespartechniken. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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