Chancen des Wandels

Stirbt die Innenstadt? Immer mehr Leerstände in der City

+
Das klassische Einkaufsbummel - ein sterbendes Phänomen?

NRW - Früher war mehr los – zumindest in der Innenstadt: Noch ist der klassische Shopping-Tag in der Stadt möglich, doch der Andrang sinkt, spürbar. Die Geschäfte wechseln oft ihre Inhaber und die Kundenströme bleiben aus. Welche Chancen liegen in der Zukunft?

Die Gegenwart der Fußgängerzonen besteht aus wehrhaften Einzelhändlern, individuellen Einkaufs-Juwelen, Filialen der immer gleichen Ketten, Leerständen, Handy- und Ein-Euro-Läden. Natürlich unterscheiden sich Innenstädte von Ort zu Ort. Aber die Probleme bleiben die Gleichen. 

Der Handel ist im Wandel – und zwar schnell. Die große Herausforderung für den Handel vor Ort liegt im Wettbewerb – und zwar mit Einkaufszentren und Online-Handel. Auch die klassischen Zentren erreichen nicht mehr die Kundenströme, die sie in ihren Hochzeiten anzogen. Dennoch: „Die Ausgangssituation für den Handel ist gut, wir haben eine geringe Arbeitslosigkeit und eine gute wirtschaftliche Lage. 

Onlinehandel als größte Herausforderung?

Größte Herausforderung für die Geschäfte vor Ort sind Umsatzverlagerungen in den Onlinehandel“, sagt Nina Hangebruch von der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund. Die Untersuchung „Konsummonitor 2018“ zeigt, dass bereits seit zwei Jahren der Online-Handel zu mehr als einer Ergänzung für den stationären Handel geworden ist. 

Alle Artikel zur Reihe "Gut gekauft?"

Besonders bei Waren wie elektronischen Geräten, Unterhaltungsmedien wie Büchern, Musik und Filmen sowie Reisen ist er stark. Die Statistiken geben trotzdem Hoffnung, dass die erfolgreichen Standorte weiterhin funktionieren werden. 

Die Befragten zeigen sich vorsichtig optimistisch für die Geschäfte vor Ort.

Fußgängerzonen müssen sich verändern

Auch das Konzept der Fußgängerzone sei grundsätzlich gut. Vielerorts seien die Einkaufsstrecken jedoch zu lang. Dort gebe es mehr Handelsflächen als Bedarf und Nachfrage besteht. Eine Rücknahme und Umnutzung dieser Flächen sei kein einfacher Prozess, sagt Hangebruch. 

Wer geht heute noch in Sexshops?

Die Auswirkungen des Gesundschrumpfens sind bereits sichtbar in wenig belebten Fußgängerzonen mit vielen Leerständen, umfunktionierten Warenhäusern und geschlossenen Einkaufszentren. Die vorhandenen Geschäfte müssen sich an die Zukunft anpassen, ob in der Fußgängerzone oder im Einkaufszentrum. 

Shoppen als Einkaufserlebnis

Lukas Nemela, Pressesprecher des Shoppingcenter-Managements ECE, ist sich sicher: „Um zukunftsfähig zu sein, sind zwei Dinge zentral: erstens die Stärken des stationären Handels zu betonen und zweitens diese um digitale Angebote zu ergänzen.“ Im Zusammenspiel zwischen Einkaufszentrum und Innenstadt-Shopping müsse man sich immer wieder austauschen, sich gegenseitig befruchten. 

Die Innenstadt von Lüdenscheid: Viele inhabergeführte Geschäfte mussten schließen.

Shoppen ist zu einem Einkaufserlebnis geworden. Die Befragten des „Konsummonitor 2018“ geben Nemelas Beobachtung recht. Wer Kunden anziehen möchte, muss neben einem modernen und deutlich vielfältigeren Shopping-Angebot ein attraktives Gastronomieangebot, eine ausgebaute technische Infrastruktur mit öffentlichem W-Lan und eine gute Erreichbarkeit bieten. 

Brauchen Städte noch mehr Verkaufsfläche?

 „Insbesondere wenn es um Neuansiedlungen geht, müssen sich die Städte fragen, wie viel zusätzliche Verkaufsfläche sie noch vertragen können“, sagt Nina Hangebruch. Der reine Fokus auf den Handel funktioniert vielfach nicht mehr: „Es muss einen Wandel von der Monostruktur des Handels zu gemischtgenutzten Immobilien geben.“ 

Handyläden und Ein-Euro-Shops bestimmen große Teile der Hammer Fußgängerzone.

Das Potenzial der klassischen Einkaufsmöglichkeiten für alternative Nutzungsformen ist groß. Selbst neuer Wohnraum in der Innenstadt kann entstehen. Dabei seien Wohneinheiten im Erdgeschoss durch die zentrale Lage eher ungünstig, erklärt Hangebruch. Viel eher müsse es zu einer Mischung in den Immobilien kommen. 

Online-Handel: Ein Paketbote packt aus!

Alte Warenhäuser werden zu Kinos, Büchereien, Theatern

In Neuss etwa ist ein Warenhaus zum Sitz der Kreisverwaltung, einem Programm-Kino und Theater geworden, in Hamm entstand auf der Fläche des ehemaligen Horten-Kaufhauses ein Zentrum für die Volkshochschule, Stadtbücherei und die Fachhochschule. 

Ob Bürgerbüros, Fitnessstudios, Kindertagesstätten, Stadtverwaltung oder Kulturangebote – es ist vor allem wichtig, die Frequenz in den Innenstädten zu sichern und den öffentlichen Raum zu beleben. Dies kann auch durch neue Konzepte entstehen.

Zum Beispiel durch den Umbau nicht mehr benötigter Verkaufsfläche zu „Coworking-Spaces“. Hier finden Freiberufler eine Möglichkeit, Arbeitsplätze und die nötige Infrastruktur anzumieten. „Coworking-Spaces“ haben oft die Vorteile eines Großraumbüros: Sie ermöglichen unabhängig voneinander, aber auch gemeinsam zu arbeiten. 

Gefühl für urbane Stadt

Die ideale Innenstadt sei eine gemischt genutzte Stadt mit städtebaulicher Qualität, Freifläche und Raum für nicht-kommerzielle Angebote, sagt Hangebruch. Sie ist fußläufig, alles Zentrale gut erreichbar und an allen Tagen der Woche belebt. 

Öko-bewusst Einkaufen: Eine Woche ohne Plastik

Eine urbane Innenstadt ist auch eine Gefühlsangelegenheit. Wenn der Stadtkern ein Begegnungsort bleiben soll, dann muss er Emotionen an sich binden. Das kann über den Handel funktionieren – aber eben nicht ausschließlich, sondern mit Veranstaltungen und gemischter Nutzung.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare